Archäologen haben auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán die Ruinen einer Maya-Stadt entdeckt, die augenscheinlich noch nie geplündert wurde. Die Fundstelle, die mit Hilfe von Lidar-Aufnahmen aus der Luft identifiziert wurde, zeichnet sich durch eine auffallend dichte Bebauung aus. Im Interview mit dem SPIEGEL berichtet der Entdecker Ivan Šprajc von den Umständen des Funds und den möglichen Schätzen, die dort verborgen liegen.
Wie die Entdeckung gelang
Die Lidar-Technologie, die Laserpulse zur Vermessung der Erdoberfläche nutzt, ermöglichte es den Forschern, unter dem dichten Dschungel verborgene Strukturen zu erkennen. „Wir haben die Aufnahmen analysiert und plötzlich sahen wir ein ganzes Stadtgebiet mit Plätzen, Pyramiden und Wohnkomplexen“, erklärt Šprajc. Die Stätte sei so dicht bewachsen gewesen, dass sie zuvor nie von Plünderern entdeckt wurde.
Bedeutung des Funds
Die unberührte Maya-Stadt könnte wertvolle Einblicke in das Leben der Maya geben. „Da sie nie geplündert wurde, erwarten wir eine Fülle von Artefakten, die uns mehr über die Kultur, den Alltag und die Handelsbeziehungen der Maya verraten“, so Šprajc. Erste Schätzungen gehen davon aus, dass die Stadt in der späten Klassik (600–900 n. Chr.) bewohnt war. Die genaue Größe und die Anzahl der Gebäude sind noch unbekannt, aber die Lidar-Daten deuten auf eine bedeutende Siedlung hin.
Herausforderungen der Ausgrabung
Die Ausgrabung der Stätte wird sich aufgrund der abgelegenen Lage und des dichten Dschungels schwierig gestalten. „Wir müssen Wege schaffen, um die Ausrüstung zu transportieren, und gleichzeitig die Umwelt schützen“, sagt Šprajc. Die mexikanischen Behörden haben bereits Unterstützung zugesagt. Die Finanzierung des Projekts ist jedoch noch nicht vollständig gesichert. Šprajc hofft auf internationale Fördermittel.
Reaktionen der Fachwelt
Die Entdeckung hat in der Archäologie für Aufsehen gesorgt. „Dies ist einer der bedeutendsten Maya-Funde der letzten Jahrzehnte“, kommentiert ein Experte der Universität Bonn, der nicht an der Studie beteiligt war. Die unberührte Stätte biete eine einzigartige Gelegenheit, die Maya-Zivilisation besser zu verstehen. Erste Pläne für eine systematische Ausgrabung sollen im nächsten Jahr umgesetzt werden.



