Rubén Blades, eine der einflussreichsten Stimmen Lateinamerikas, gibt an diesem Freitag (10. Juli) in Berlin sein einziges Deutschland-Konzert im Rahmen seiner Abschiedstournee. Der 77-jährige Sänger, Songwriter und Schauspieler kündigte im Februar an, dass 2026 seine letzte Europatournee sein werde. „In meinem Alter muss man sich der Realität der Zeit und der Gesundheit stellen“, sagte Blades der Deutschen Presse-Agentur in einem Videointerview. „Bislang ist Gott sei Dank alles gut, aber das kann sich von einem Augenblick auf den nächsten ändern.“ Er wolle künftig mehr Zeit mit Familie und Freunden verbringen und mehr Zeit in seiner Heimat Panama.
Einziges Deutschland-Konzert im Tempodrom
Blades, der am 16. Juli 78 Jahre alt wird, tritt in Europa in Italien, der Schweiz, Großbritannien, Frankreich und Spanien auf. Sein einziges Deutschland-Konzert findet im Berliner Tempodrom statt. Zuletzt war er vor 40 Jahren in der damals geteilten Stadt aufgetreten. „Der Traum jedes Deutschen sei sicherlich ein geeintes Deutschland“, erklärte Blades damals. Der Mauerfall sei ein Beweis dafür, dass scheinbar Unmögliches möglich sei, sagte er nun. Darum habe ihn besonders gefreut, dass Berlin im Tourkalender stehe.
Sozialkritische Lieder und Latin-Grammy-Gewinner
Im Tempodrom tritt Blades mit der 20-köpfigen Roberto-Delgado-Big-Band auf und präsentiert sein neuestes Album „Fotografías“ (Fotografien), mit dem er im vergangenen Jahr den Latin Grammy für das beste Salsa-Album gewann. Auch seine großen Hits wie „Pedro Navaja“ werden erwartet. Das 1978 erschienene Stück, inspiriert von der Figur Mackie Messer aus Bertolt Brechts „Dreigroschenoper“, trug maßgeblich zu Blades' Kultstatus und dem Titel „Salsa-Poet“ bei. Die dazugehörige Platte „Siembra“ (Saat) gilt bis heute als die meistverkaufte Salsa-Platte der Geschichte.
Herausforderung: 50 Jahre Karriere in zwei Stunden
Blades, der rund 40 Alben veröffentlicht hat, betont die Schwierigkeit, die Songs für die Tournee auszuwählen: „Es ist ein Problem, 50 Jahre Musikkarriere in anderthalb bis zwei Stunden Konzert unterzubringen.“ Das Publikum wolle auch Stücke aus seiner Zusammenarbeit mit dem Posaunisten und Produzenten Willie Colón (1950–2026) hören, der im Februar unerwartet starb. Dazu zählen „Pablo Pueblo“, „Plantación Adentro“, „Plástico“ oder „Tiburón“.
Kein vollständiger Rückzug: Neue Alben und Filme
Blades betont, dass die Tournee nicht als Rückzug verstanden werden solle. 2027 werde er noch einige Konzerte außerhalb Europas geben, und er arbeite an zwei neuen Alben. Auch dem Kino bleibe er treu: Neben seiner Rolle in der Zombieserie „Fear the Walking Dead“ wirkte er in fast 50 Filmen mit. Im kommenden Jahr sollen seine Memoiren erscheinen. Der spanische Titel spielt auf den Refrain von „Pedro Navaja“ an: „La vida te da sorpresas“ (Das Leben hält Überraschungen für Dich bereit).



