„Backrooms“-Kritik: So gut ist der Horror-Hype des Jahres
„Backrooms“-Kritik: So gut ist der Horror-Hype

Gelbe Wände, endlose Korridore: Der Horror-Hype des Jahres

Gelbe Teppiche, gelbe Wände, gelbe Neonröhren. Endlose Korridore, die sich verzweigen, Sackgassen bilden und doch immer gleich aussehen. Fenster gibt es keine. Orientierung ebenfalls nicht. Wer sich in den „Backrooms“ wiederfindet, verliert schnell jedes Gefühl für Raum, Zeit und Realität. Genau dieses beklemmende Konzept macht nun auch im Kino Furore.

Darum geht es in „Backrooms“

Die Geschichte spielt irgendwann in den 90er-Jahren. Clark (Chiwetel Ejiofor, 48) führt ein erfolgloses Möbelgeschäft und steckt nach seiner Scheidung in einer persönlichen Krise. Als er im Keller seines Ladens einen verborgenen Bereich entdeckt, verändert sich sein Leben schlagartig. Hinter einer unscheinbaren Tür erstreckt sich ein gigantisches Labyrinth aus gelben Räumen. Was zunächst Neugier auslöst, entwickelt sich rasch zu einer Besessenheit. Clark kehrt immer wieder zurück und versucht, die Grenzen dieses unmöglichen Ortes zu erkunden. Seine Therapeutin Mary (Renate Reinsve, 38) hält seine Erzählungen zunächst für Fantasie – bis sie selbst mit den rätselhaften Räumen in Berührung kommt.

Vom Internetmythos auf die Leinwand

Regisseur Kane Parsons ist erst 20 Jahre alt und liefert mit „Backrooms“ sein Spielfilmdebüt ab. Die Vorlage stammt von ihm selbst: Bereits als Teenager machte er mit einer erfolgreichen YouTube-Kurzfilmreihe auf sich aufmerksam, die auf einem der bekanntesten Internetphänomene der vergangenen Jahre basierte. Dessen Ursprung liegt auf der Plattform 4chan. Dort tauchte 2019 ein unscheinbares Bild eines leerstehenden gelben Raums auf. Daraus entstand die Idee einer Parallelwelt, die man versehentlich betreten kann, wenn man aus der Realität „herausglitcht“. Seitdem haben Nutzer unzählige Geschichten, Wesen und Ebenen rund um die mysteriösen Hinterzimmer erfunden.

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Überraschungserfolg des Jahres

Der Schritt ins Kino zahlt sich aus. Mit weltweiten Einnahmen von knapp 250 Millionen Dollar (Stand: 16.6.26) bei einem geschätzten Budget von lediglich zehn Millionen Dollar entwickelte sich „Backrooms“ zum bislang erfolgreichsten Film in der Geschichte des Indiestudios A24. Auch die Kritiken fallen überwiegend positiv aus. Auf Metacritic erreicht der Film 77 von 100 Punkten. Rotten Tomatoes verzeichnet 88 Prozent positive Kritikerstimmen, während auch das Publikum mehrheitlich überzeugt ist.

Wenn Räume selbst zum Horror werden

Seine größte Stärke entfaltet „Backrooms“ immer dann, wenn der Film sich Zeit nimmt. Parsons setzt nicht auf Dauerbeschallung oder permanente Schockeffekte, sondern auf Atmosphäre. Die Kamera gleitet langsam durch die surrealen Räume und macht deren unheimliche Größe ebenso spürbar wie ihre seltsame Künstlichkeit. Besonders die ersten Erkundungen durch das Labyrinth erzeugen eine Faszination, die sich kaum abschütteln lässt. Man möchte ebenso dringend Antworten finden wie die Figuren selbst.

Erinnerungen an „Blair Witch Project“

Daneben greift Parsons punktuell auf Found-Footage-Elemente zurück. Wackelige Bilder, schlechte Auflösung und subjektive Perspektiven erinnern deutlich an Klassiker wie „Blair Witch Project“. Gerade weil diese Stilmittel sparsam eingesetzt werden, entfalten sie maximale Wirkung. Vor allem die Eröffnungssequenz entwickelt eine enorme Intensität und zählt zu den stärksten Momenten des Films.

Starke Hauptdarsteller

Dass das Konzept auch emotional funktioniert, liegt nicht zuletzt an seinen Hauptdarstellern. Ejiofor verkörpert den schleichenden psychischen Zerfall Clarks mit großer Präsenz und trägt den Film nahezu allein über weite Strecken. Reinsve setzt dazu den nötigen Gegenpol. Ihre Figur sorgt für Erdung und verleiht der zunehmend abstrakten Handlung eine menschliche Perspektive.

Nicht ganz perfekt

Vollkommen makellos ist „Backrooms“ dennoch nicht. Wer klassische Jumpscares oder blutige Horror-Eskapaden erwartet, dürfte enttäuscht werden. Zudem verrät das Finale womöglich etwas zu viel von dem Geheimnis, das zuvor so wirkungsvoll aufgebaut wurde. Trotz dieser kleinen Schwächen bleibt „Backrooms“ ein außergewöhnlicher Horrorfilm, der aus einer simplen Internetidee ein verstörendes Kinoerlebnis macht – und sich schon jetzt zu den größten Überraschungserfolgen des Jahres zählen darf.

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