Neues Kapitel für Goldenstädter Milchhof: Familie Karp übernimmt Genossenschaft
Im Stall der Lewitz Naturprodukte Goldenstädt e.G. herrscht eine vertraute Atmosphäre. Die schwarzbunten Holsteiner stehen in Reih und Glied, ihr rhythmisches Kauen und das leise Klacken der Klauen auf Beton bilden den Soundtrack täglicher Routine. Seit dem 1. Dezember 2025 hat dieser Betrieb neue Gesichter an der Spitze: Landwirt Christian Karp und seine Familie haben den Staffelstab von Günter Strehlau übernommen und führen die Genossenschaft in eine neue Ära.
Tradition und Leidenschaft über Generationen
„Wir lieben die Milchproduktion. Man kann es nicht anders sagen: Wir haben da wirklich Bock drauf“, erklärt Christian Karp mit einem Lächeln. Der 52-Jährige spricht aus einer tief verwurzelten Überzeugung heraus. Seine Familie bewirtschaftet seit mehr als vier Generationen Milchviehbetriebe. „Seit mehr als vier Generationen haben wir Kühe, das kann man nicht einfach so aufgeben“, betont der Landwirt aus Kraak.
Die Entscheidung für Goldenstädt fiel nicht zufällig. Bereits seit längerer Zeit suchte die Familie nach einer Erweiterungsmöglichkeit für ihren eigenen Betrieb. „Milchviehbetrieb mit einer sehr guten Milchleistung. Und dann ist er nur sieben Minuten mit dem Auto von meinem eigenen Hof und Zuhause entfernt“, beschreibt Karp die idealen Voraussetzungen. Nähe, Qualität und Perspektive überzeugten die Familie schließlich.
Substantielle Betriebsgröße mit bewährten Strukturen
Der neue Betrieb bringt beachtliche Dimensionen mit sich: Rund 1000 Milchkühe plus Nachzucht gehören zur Goldenstädter Genossenschaft, dazu bewirtschaftet der Betrieb etwa 1600 Hektar Acker- und Grünland. Christian Karp plant keine radikalen Umstrukturierungen, sondern setzt auf Kontinuität und bewährte Prozesse.
„Wir haben hier viel Grünland. Da gehören Kühe drauf, es ist ein Veredlungsstandort“, erläutert Ackerbauleiter Nico Molt das nachhaltige Konzept. Die kurzen Wege ermöglichen effiziente Kreisläufe: Ein Großteil der Gülle gelangt direkt per Schlauch vom Hof auf die Felder – eine praxisnahe und umweltschonende Lösung.
Erfahrene Unterstützung und bewährte Qualität
Bei der Tierhaltung vertraut Christian Karp auf die Expertise, die den Betrieb über Jahrzehnte ausgezeichnet hat. „Die Milchleistung war hier immer gut und ist es auch heute noch, da können wir noch etwas lernen“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Unterstützung erhält er dabei von Herdenmanager Patrick Pagel, der gemeinsam mit dem erfahrenen Personalstamm für Kontinuität sorgt.
Viel Zeit zum Innehalten blieb nach der Übernahme nicht. Der Betriebsalltag mit Melken, Füttern und Versorgen der Tiere bestimmte schnell den Rhythmus. „Es gibt immer mal noch Fragen, wo ist welcher Schieber oder wo ist welcher Anschluss“, gesteht Christian Karp. Doch das Fundament stimmt: Der Großteil des Personals ist geblieben, die Erfahrung ebenso.
Familienbetrieb mit historischen Wurzeln
Die Liebe zur Milchviehhaltung ist bei den Karps tief verwurzelt. Im Sommer 1991 zog Vater Ernst Johannes Karp nach Kraak – der Anfang war bescheiden mit einem Wohnwagen, später dem Pförtnerhäuschen. Viel Improvisation, harte Arbeit und Unsicherheiten prägten die Anfangsjahre. Doch die Familie hielt durch, modernisierte Ställe und vergrößerte die Herde kontinuierlich.
Heute bewirtschaftet die Familie rund 2000 Milchkühe im Stammbetrieb in Kraak. Seit 2004 führt Christian Karp den Hof gemeinsam mit seiner Frau Christiane, Tochter Greta und Schwester Katharina Haenning. Für sie ist Landwirtschaft ein echtes Familienprojekt mit allen Höhen und Tiefen.
Verantwortung für die Region
Die Übernahme bedeutet für Christian Karp nicht nur betriebswirtschaftliche Verantwortung, sondern auch gesellschaftliche Verpflichtung. „Wir sind zwar neue Gesichter für so manche Bürger, aber schon vor uns hat der Betrieb die Region unterstützt und wir werden das auch weiterhin tun“, versichert der Landwirt. Die Verbundenheit mit der Region und ihren Menschen ist ihm wichtig.
Zurück im Stall wirkt alles vertraut und zeitlos. Die Holsteiner kauen gelassen, ruhen sich aus und stehen in ihrer gewohnten Umgebung. Während sich Strukturen ändern, Namen wechseln und Betriebe wachsen, bleibt eines konstant: Die ruhige Gewissheit, dass hier Menschen arbeiten, die genau wissen, warum sie tun, was sie tun. Oder wie Christian Karp es formuliert: „weil sie einfach Bock drauf haben“.



