In den ostdeutschen Bundesländern ist die Stromerzeugung im vergangenen Jahr deutlich seltener gedrosselt worden als in den Jahren zuvor. Grund dafür sind Maßnahmen, um die Stromnetze nicht zu überlasten. Besonders in Sachsen-Anhalt ging die Menge des abgeregelten Stroms um rund 40 Prozent zurück: von 800 Gigawattstunden im Jahr 2023 auf 470 Gigawattstunden im Jahr 2025, wie das Energieministerium mitteilte. Auch in Sachsen und Thüringen zeigt sich laut Daten der Bundesnetzagentur eine ähnliche Entwicklung. Bundesweit stieg die Zahl der Abregelungen dagegen an.
Hintergrund der Abregelungen
Windkraftanlagen, die sich nicht drehen, obwohl der Wind weht, sorgen oft für Verwunderung. Netzbetreiber stoppen die Einspeisung, um Überlastungen der Stromnetze zu verhindern. Der Hintergrund ist der Ausbau erneuerbarer Energien in Regionen mit vergleichsweise geringer Nachfrage, während der Netzausbau verzögert nachzieht. Vor allem Windkraft- und Photovoltaikanlagen, die flexibel in der Einspeisung sind, werden dann abgeschaltet. Sachsen-Anhalts Energieminister Armin Willingmann (SPD) fordert daher erneut einen zügigen Ausbau der Stromnetze, damit die Zahl der Eingriffe in den kommenden Jahren weiter sinkt.
Kosten für Stromkunden
Die gelegentliche Drosselung der Stromerzeugung ist für Stromkunden relevant, weil den Erzeugern, die ihre Anlagen vorübergehend abschalten müssen, Entschädigungen gezahlt werden. Diese Kosten werden über die Netzentgelte an die Stromkunden weitergegeben. Steigen die sogenannten Redispatchkosten, steigt auch der Strompreis, teilte das Energieministerium mit.
Rückgang in Sachsen und Thüringen
In Sachsen konnten 682 Gigawattstunden Strom nicht in die Netze eingespeist werden, in Thüringen waren es 28 Gigawattstunden. Mit mehr als 17 Prozent in Sachsen und fast 60 Prozent in Thüringen ging die Gesamtzahl des nicht eingespeisten Stroms teils deutlich zurück im Vergleich zum Jahr 2023. Im Bundesländervergleich liegen Sachsen und Sachsen-Anhalt im Mittelfeld, während Thüringen zu den Ländern mit den wenigsten Abregelungen gehört. Am stärksten betroffen waren Niedersachsen und Schleswig-Holstein mit jeweils mehr als 2.700 Gigawattstunden abgeschaltetem Strom, wenngleich auch dort die Zahlen im Vergleich zu 2023 zurückgingen.
Anstieg durch Photovoltaik
Starke Anstiege verzeichneten dagegen Bayern, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Die Bundesnetzagentur wies darauf hin, dass die Abregelungen im Bereich der Windenergie zurückgegangen seien, während es bei Photovoltaikanlagen einen deutlichen Anstieg um 94 Prozent von 2024 auf 2025 gab. Ausschlaggebend sei der deutliche Zubau von Erzeugungskapazitäten sowie eine überdurchschnittlich hohe Sonneneinstrahlung im Frühjahr und Sommer.
Abregelungen kein neues Phänomen
Insgesamt wurden im vergangenen Jahr etwa 96 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren Energien genutzt, so die Bundesnetzagentur. In Sachsen-Anhalt waren es rund 98 Prozent. „Abregelungen sind kein Phänomen der Energiewende: Es gab sie auch vorher schon“, teilte das Ministerium mit. Nach den Plänen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sollen Betreiber neuer Wind- und Solaranlagen in Gebieten mit stark überlasteten Netzen bei Abregelungen für zehn Jahre keinen finanziellen Ausgleich mehr erhalten. Sowohl das geplante „Netzpaket“ als auch die Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes sind bislang noch nicht beschlossen.
In Sachsen wird die Debatte um neue Regeln für den Netzbetrieb und die Verteilung der Kosten kontrovers diskutiert. Gerade Versorger sehen durch einen möglichen Wegfall von Ausgleichszahlungen die Wirtschaftlichkeit neuer Ausbauprojekte gefährdet.



