Eine archäologische Stätte in Nordirland könnte zu den frühesten stadtähnlichen Siedlungen Europas gehören. Wie eine neue Studie im Fachblatt „Antiquity“ zeigt, war Haughey's Fort in der Nähe von Armagh bereits ab etwa 1200 v. Chr. besiedelt. Die Forscher der University of Glasgow und der Queen's University Belfast fanden Hinweise auf eine dichte Bebauung, Handwerksproduktion und gemeinschaftliche Feste.
Hinweise auf mehr als 200 Wohngebäude
Die Archäologen identifizierten Spuren von mehr als 200 möglichen Wohngebäuden, was auf eine sehr strukturierte Siedlung hindeutet. „Unsere Forschung belegt ein Ausmaß an Größe, Organisation und Vernetzung im Irland der Bronzezeit, das bisher nicht vollständig erkannt wurde“, sagt James O'Driscoll, Co-Autor der Studie. Neben den Wohnhäusern fanden sich kreisförmige Bauten mit einem Durchmesser von bis zu 30 Metern, die wahrscheinlich als Gemeinschaftsräume dienten.
Handwerk und Fernhandel
Es gibt Belege für spezialisierte Bronze- und Goldverarbeitung sowie für groß angelegte Festmähler. Importierte Gegenstände deuten auf Verbindungen bis zur Iberischen Halbinsel und nach Mitteleuropa hin. „Im breiteren westeuropäischen Kontext zählt Haughey's Fort damit zu den deutlichsten Beispielen für ein proto-urbanes Zentrum“, so O'Driscoll.
Teil eines größeren Komplexes
Haughey's Fort war Teil eines größeren Ensembles, zu dem auch die Stätte King's Stables gehört – ein künstlicher Teich, der für rituelle Niederlegungen genutzt wurde. Eine Allee verband das Becken mit dem Fort und diente wahrscheinlich für Prozessionen. Die Creeveroe-Erdwälle umfassen das gesamte Gebiet und machen es mit 109 Hektar zu einem der größten archäologischen Denkmäler in Irland und Großbritannien.
Funktionale Zonierung der Landschaft
Die Studie zeigt eine klare Aufteilung: Produktion, Feste und Besiedlung konzentrierten sich auf Haughey's Fort, während King's Stables für Rituale und Bestattungen diente. „Die Studie macht deutlich, dass es sich nicht um isolierte Monumente handelt, sondern um eine einzige, hochgradig organisierte Landschaft“, sagt Patrick Gleeson, Co-Autor der Studie. „Unsere Arbeit zeigt, dass Haughey's Fort, King's Stables und die Creeveroe-Erdwälle alle Teil eines miteinander verbundenen Systems waren, das sorgfältig strukturiert war, um Besiedlung, Produktion und Rituale zusammenzuführen.“



