Neue E-Auto-Prämie: Wo das Laden in Deutschland zum Problem wird
Neue E-Auto-Prämie: Wo das Laden zum Problem wird

Seit vergangener Woche können Käuferinnen und Käufer für ein E-Auto eine staatliche Prämie von bis zu 6.000 Euro beantragen – und der Andrang ist offenbar groß. Die Bundesregierung hofft damit auf neuen Schwung für die Elektromobilität. Doch kann Deutschlands Ladeinfrastruktur mit einem möglichen E-Auto-Boom überhaupt Schritt halten?

Deutschland beim Ausbau der Ladeinfrastruktur im EU-Vergleich gut aufgestellt

Deutschland hat beim Ausbau der Ladeinfrastruktur in den vergangenen Jahren deutlich zugelegt. Zum 1. April 2026 gab es laut Bundesnetzagentur landesweit 200.255 öffentliche Ladepunkte – rund 17 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Darunter waren 51.253 Schnellladepunkte, ein Plus von 31 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die verfügbare Ladeleistung wuchs kräftig: von 6,6 auf 8,5 Gigawatt, ein Zuwachs von 28 Prozent.

Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit im oberen Feld. Das zeigt eine Auswertung des ADAC auf Basis von Lemnet-Daten zur öffentlichen Ladeinfrastruktur in Europa. Deutschland kommt demnach auf rund 70 Ladepunkte pro 100 Kilometer Straße. Der Spitzenreiter, die Niederlande, liegt bei 122 Ladepunkten pro 100 Straßenkilometer, es folgen Dänemark mit 109 und Luxemburg mit 97 Ladepunkten pro 100 Kilometer Straße. Frankreich (15), Italien (12) oder Großbritannien (8) liegen nach dieser Auswertung dagegen deutlich unter dem deutschen Wert. In vielen süd- und osteuropäischen Staaten ist die Dichte noch geringer, etwa in Spanien (4), Portugal (1), Rumänien (1) oder Bulgarien (1).

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Große regionale Unterschiede innerhalb Deutschlands

Auch wenn Deutschland europaweit recht gut dasteht, bleibt der Ausbau im Land ungleich verteilt. Während Nordrhein-Westfalen (21.246), Bayern (21.552) und Baden-Württemberg (17.970) jeweils über Zehntausende öffentliche Ladepunkte verfügen, fällt die Ausstattung in kleinen oder dünn besiedelten Ländern erwartbar geringer aus. Im Saarland (765), in Bremen (853) oder Mecklenburg-Vorpommern (1627) stehen laut Bundesnetzagentur jeweils nur wenige Hundert bis Tausend Ladepunkte zur Verfügung.

Die Zahlen bilden die tatsächliche Infrastruktur allerdings nur teilweise ab. Erfasst werden nur Ladeeinrichtungen von Betreibern, die das Anzeigeverfahren bei der Bundesnetzagentur vollständig abgeschlossen haben. Die tatsächliche Zahl öffentlich zugänglicher Ladepunkte dürfte daher höher liegen.

Viele Gemeinden haben noch keinen öffentlichen Ladepunkt

Für Nutzer bedeutet das: Die Verfügbarkeit öffentlicher Ladepunkte hängt weiterhin stark vom Wohnort ab. „In etwa einem Drittel der Gemeinden (31 Prozent) gibt es bislang keinen öffentlichen Ladepunkt und in fast zwei Dritteln (63 Prozent) keinen öffentlichen Schnellladepunkt“, kritisiert etwa der Verband der Automobilindustrie (VDA). „Deshalb ist es wichtig, den Ausbau der Ladeinfrastruktur zügig und entschlossen voranzutreiben. Gleiches gilt für die Erweiterung und Modernisierung der dazugehörigen Stromnetze.“ Zudem müsse die Bundesregierung unter anderem die Stromnebenkosten senken und die Preistransparenz erhöhen. Dies betreffe insbesondere die Stromsteuer für Ladestrom.

Entscheidend wären auch aus Sicht des ADAC Maßnahmen, die den Ausbau nicht nur beschleunigen, sondern vor allem verbraucherorientiert machen. „Viele Nutzer erleben eine hohe Preisstreuung und teils schwer nachvollziehbare Tarife“, so ein Sprecher. „Dazu kommt, dass Bezahlen und Freischalten je nach Betreiber noch immer unterschiedlich funktionieren und oft App oder Vertragsbindungen erfordert.“

Masterplan Ladeinfrastruktur 2030: Mehr Transparenz und Wettbewerb

Die Bundesregierung will diese Probleme mit dem „Masterplan Ladeinfrastruktur 2030“ angehen. Geplant sind klare Rahmenbedingungen, um Preistransparenz, digitale Preisinformationen und einen dynamischen Wettbewerb zu gewährleisten. Eine „Preistransparenzstelle“ soll künftig dafür sorgen, dass Preis- und Ladeinformationen besser in Apps und Navigationssysteme integriert werden.

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Laden auf der Autobahn wird besser, aber nicht überall

Ob Elektromobilität im Alltag funktioniert, entscheidet sich auch auf der Langstrecke. Laut VDA sind gute Lademöglichkeiten entlang der Autobahnen und Landstraßen mitunter ausschlaggebend für die Entscheidung zum E-Auto. Doch sieht der ADAC hier positive Signale: „Entlang der Autobahnen hat sich die Situation spürbar verbessert“, sagt ein Sprecher. „Langstrecken sind heute grundsätzlich gut machbar, und auf vielen Hauptachsen ist Schnellladen zunehmend alltagstauglich.“

Dennoch gebe es weiterhin strukturelle Schwächen, die vor allem in Spitzenzeiten sichtbar werden. „Dann können Auslastung und Wartezeiten steigen und einzelne Standorte sind nicht immer ausreichend groß dimensioniert“, so der ADAC. Zusätzlich bleibe das Preisniveau beim HPC-Laden an Fernstraßen häufig hoch. Das treffe insbesondere Vielfahrer und Familien auf Urlaubsreisen.

Deutschlandnetz: Flächendeckendes Schnellladenetz geplant

Um den Ausbau voranzutreiben, setzt die Bundesregierung auf das sogenannte Deutschlandnetz. Geplant ist ein flächendeckendes Schnellladenetz mit mehr als 1000 neuen Stationen entlang von Autobahnen und wichtigen Verkehrsachsen. Ziel ist es, dass überall im Land in vertretbarer Entfernung ein Schnellladepunkt erreichbar ist – unabhängig von Betreiber oder Region. Der Großteil des Ausbaus soll Ende 2026 abgeschlossen sein.

Laden zu Hause: Wallbox als Königsweg, aber nicht für alle

Doch öffentliche Ladepunkte sind nur ein Teil des Gesamtbilds. Laut einer Studie der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur aus dem Jahr 2024 laden etwa 75 Prozent der E-Auto-Besitzer mit eigener Wallbox überwiegend zu Hause. „Für viele Fahrerinnen und Fahrer mit Wallbox oder festem Ladepunkt funktioniert Elektromobilität bereits sehr gut, doch für Laternenparker, Menschen in dicht besiedelten Quartieren oder in weniger gut versorgten Regionen bleibt Laden im Alltag teils mühsam“, sagt auch der ADAC.

Denn: Wer kein Eigenheim mit Wallbox besitzt, ist häufig auf öffentliche Ladepunkte angewiesen. Derzeit besitzen vor allem Menschen mit eigenem Haus ein E-Auto: Rund drei Viertel der E-Auto-Halter wohnen laut VDA im Eigenheim. Ein Viertel lebt zur Miete oder in einer Eigentumswohnung. Gerade in Mehrparteienhäusern sei die Ladesituation oft schwierig: „Rund 40 Prozent aller Haushalte in Deutschland haben keinen eigenen Stellplatz und sind auf öffentliches Laden oder Ladeangebote am Zielort bzw. beim Arbeitgeber angewiesen“, erklärt der Verband. 30 Prozent lebten zwar in Mehrparteienhäusern mit Stellplatz, hätten aber mit anderen Hürden zu kämpfen: hohe Installationskosten, fehlende Netzkapazitäten oder langwierige Abstimmungen in Eigentümergemeinschaften.

Neue Förderprogramme für Mehrfamilienhäuser geplant

Laut Bundesregierung sind deshalb neue Förderprogramme für Mehrfamilienhäuser vorgesehen – vorausgesetzt, der Bundeshaushalt lässt dies zu. Auch über den Pkw-Bereich hinaus wächst der Druck auf die Infrastruktur. Der VDA verweist darauf, dass stärker auch Nutzfahrzeuge berücksichtigt werden müssten: Leistungsfähige Lade- und Netzanschlüsse auf Betriebshöfen seien für den Güterverkehr entscheidend. Die Bundesregierung hat daher eine Förderung für Ladeinfrastruktur in Depots und auf Betriebsgeländen angekündigt – sofern der Haushalt das zulässt.