Während Robotaxis aus den USA und China zunehmend nach Europa drängen, steckt Deutschland noch in Feldversuchen fest. Doch mit den autonomen Bullis Edgar und Moia gibt es eine Chance, gegen die Techriesen anzukommen. Das berichtet DER SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe 26/2026.
Die Ausgangslage: Deutschland hinkt hinterher
Während Waymo in San Francisco bereits tausende Fahrten pro Tag absolviert und chinesische Anbieter wie Baidu in Peking und Shanghai Robotaxis einsetzen, sind in Deutschland lediglich Pilotprojekte erlaubt. Die Bundesregierung hat zwar 2021 ein Gesetz zum autonomen Fahren verabschiedet, doch die praktische Umsetzung kommt nur schleppend voran. Laut einer Studie des Beratungsunternehmens McKinsey könnten bis 2030 weltweit rund 1,5 Millionen autonome Fahrzeuge im Einsatz sein – der Großteil davon in den USA und China.
Edgar und Moia: Die deutschen Hoffnungsträger
Zwei Projekte stechen besonders hervor: der autonome Bulli Edgar, entwickelt von der Volkswagen-Tochter Moia, und der selbstfahrende Kleinbus Moia. Edgar, ein umgebauter VW-Bus, soll ab 2027 in Hamburg im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt werden. „Edgar ist ein Gamechanger der Mobilitätswende“, zitiert der Spiegel einen Projektbeteiligten. Moia, ein Tochterunternehmen von VW, testet bereits in Hannover autonome Fahrzeuge.
Technische Hürden und regulatorische Bremsen
Die größten Herausforderungen liegen in der Technik und den rechtlichen Rahmenbedingungen. Während US-amerikanische und chinesische Firmen auf künstliche Intelligenz und massive Datenmengen setzen, fehlt es in Deutschland an Teststrecken und Genehmigungen. „Wir müssen schneller werden, sonst verlieren wir den Anschluss“, warnt ein Brancheninsider. Zudem sind die deutschen Datenschutzbestimmungen strenger, was die Datenerhebung erschwert.
Wirtschaftliche Perspektiven: Milliardenmarkt in Sicht
Der Markt für autonomes Fahren wird auf Milliarden geschätzt. Laut einer Prognose der Unternehmensberatung PwC könnte das Segment bis 2030 ein Volumen von 800 Milliarden Euro erreichen. Deutsche Unternehmen wie VW, BMW und Mercedes investieren zwar Milliarden, doch der Vorsprung der US- und chinesischen Konkurrenz ist beträchtlich. „Wenn wir nicht aufholen, droht eine Abhängigkeit von ausländischen Technologien“, warnt der Spiegel.
Fazit: Eine Chance, aber die Zeit drängt
Edgar und Moia zeigen, dass Deutschland durchaus Potenzial im autonomen Fahren hat. Doch die Konkurrenz schläft nicht. Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Politik und Wirtschaft enger zusammenarbeiten und regulatorische Hürden abbauen. Andernfalls droht Deutschland den Anschluss an die globale Entwicklung zu verlieren.



