KPMG prüft Cispa: Früherer Wirecard-Ermittler untersucht China-Kooperationen
KPMG prüft Cispa: Früherer Wirecard-Ermittler im Einsatz

Das Bundesforschungsministerium (BMFTR) verschärft die Tonlage im Streit um einen möglichen Datenabfluss aus dem Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit (Cispa) in Saarbrücken nach China. Auf Betreiben des Ministeriums haben die Gesellschafter des Cispa eine vertiefte externe, unabhängige Sonderprüfung durch Alexander Geschonneck und dessen forensisches Team von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG angeordnet.

Hintergrund der Sonderprüfung

Geschonneck ist ein renommierter Experte bei der Abwehr von Cybercrime. Für KPMG leitete er ab Ende 2019 eine Sonderprüfung der Bilanzen von Wirecard. Diese Prüfung bestätigte einen bereits länger schwelenden Verdacht gegen den damaligen Dax-Konzern: Angebliche Umsätze in Milliardenhöhe existierten nicht, Kunden und Konten waren offenbar frei erfunden. Die Erfahrung Geschonnecks in der Aufklärung komplexer Wirtschaftsdelikte soll nun auch beim Cispa-Institut für Klarheit sorgen.

Den Entwicklungen ging eine exklusive Recherche des Handelsblatts voraus, das über die Vorkommnisse im Cispa-Institut berichtet hatte. Die Recherche hatte mögliche Sicherheitslücken und einen unerlaubten Transfer von Forschungsergebnissen nach China offengelegt.

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Maßnahmen des Ministeriums

Eine Sprecherin des Forschungsministeriums betonte, dass ein enger Austausch mit den deutschen Sicherheitsdiensten stattfinde. „Das BMFTR legt größten Wert auf eine sehr rasche und lückenlose Aufklärung der im Raum stehenden Aussagen“, sagte die Sprecherin. Bereits in der vergangenen Woche hatten der Bund und das Saarland als Gesellschafter des Cispa eine Sonderprüfung und den vorübergehenden Stopp aller Forschungsprojekte mit China veranlasst. Die Sonderprüfung soll klären, ob sicherheitsrelevante Forschungsergebnisse an ausländische Stellen gelangt sind.

Bedeutung für die Forschungssicherheit

Der Fall Cispa wirft grundsätzliche Fragen zur Sicherheit deutscher Forschungseinrichtungen auf. Das Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit genießt international einen hervorragenden Ruf, insbesondere in den Bereichen Cybersicherheit und Kryptographie. Ein möglicher Datenabfluss könnte nicht nur den wissenschaftlichen Ruf des Instituts beschädigen, sondern auch nationale Sicherheitsinteressen gefährden. Die Einschaltung von KPMG und die Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbehörden unterstreichen die Dringlichkeit, mit der das Ministerium den Vorfall behandelt.

Nächste Schritte

Die forensische Prüfung durch Alexander Geschonneck und sein Team soll zeitnah beginnen. Das Ministerium erwartet erste Ergebnisse innerhalb weniger Wochen. Parallel dazu wird der vorübergehende Stopp der China-Projekte aufrechterhalten, bis die Untersuchung abgeschlossen ist. Die Gesellschafter des Cispa, darunter der Bund und das Saarland, haben sich darauf verständigt, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Integrität der Forschung zu gewährleisten.

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