Wieder Sturzfestival bei der Tour de France? UCI-Regeln in der Kritik
Sturzfestival bei Tour de France? UCI-Regeln umstritten

Sturzserie beim Giro und Horror-Crash von Pogacars Freundin: Sicherheitsdebatte im Radsport

Die Sicherheit im Profi-Radsport bleibt ein brisantes Thema, ungeachtet oder gerade wegen der zahlreichen Maßnahmen des Weltverbandes UCI. Nach der Sturzserie beim Giro d'Italia und dem schweren Unfall von Tadej Pogacars Freundin Urska Zigart bei der Tour de Suisse steht die Branche vor der Frage: Gibt es auch bei der am Samstag in Barcelona startenden Tour de France ein erneutes Sturzfestival? Die Erfahrungen der letzten Jahre lassen dies befürchten, denn beim wichtigsten Radrennen der Welt geht es noch hektischer zu – zu viel steht auf dem Spiel, zu viel Geld ist im Umlauf, für Fahrer und Teams gleichermaßen.

Red-Bull-Teamchef Ralph Denk: „Einfach die Hausaufgaben machen“

Red-Bull-Teamchef Ralph Denk betrachtet die vielen Regeländerungen mit großer Skepsis. „Also mir gibt es zu viele Stürze. Man kann das Ganze sehr analytisch betrachten, Geld ausgeben im Consulting und so weiter. Aber man kann auch einfach nur die Hausaufgaben machen“, sagte Denk und verwies auf den Sturz von Zigart. Die slowenische Freundin von Tour-Champion Pogacar stürzte bei der Tour de Suisse einen Kilometer vor dem Ziel bei Tempo 50 über eine Bodenschwelle und erlitt einen Kieferbruch. „Da muss ich kein Prophet sein, dass das einfach Scheiße ist. Ich kann da keinen Zieleinlauf machen. Da würde ich mir wünschen, dass einfach der normale Sachverstand angewendet wird“, so Denk.

UCI-Maßnahmen: Gelbe Karten, verlängerte Drei-Kilometer-Regel und Drei-Sekunden-Regel

Der Weltverband hat in den vergangenen Jahren – aufgeschreckt durch die tragischen Todesfälle von Gino Mäder bei der Tour de Suisse 2023 und Muriel Furrer bei der WM 2024 – viele Maßnahmen ergriffen, um den immer schneller werdenden Profi-Radsport sicherer zu machen. Dazu gehören die Einführung von Gelben Karten, die im Wiederholungsfall zu Rennausschlüssen und Sperren führen, sowie die Ausweitung der Drei-Kilometer-Regel auf fünf Kilometer. Bei Stürzen auf Flachetappen innerhalb dieses Bereichs werden die betroffenen Fahrer mit der gleichen Zeit der Gruppe zum Zeitpunkt des Zwischenfalls gewertet. „Das bringt schon eine Verbesserung. Du musst einfach nicht mehr ganz so darauf drängen, dass du vorne bist“, sagt der deutsche Meister Felix Engelhardt. Auch die Drei-Sekunden-Regel bei Sprintankünften findet Zuspruch: „Das sind fast 100 Meter, da kann man auch mal weiter hinten sitzen, ohne dass man jetzt ein Risiko eingeht, unnötig Zeit zu verlieren. Das entschärft die Sache schon gewaltig“, erklärte Nico Denz der ARD.

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Kritik an fragwürdigen Regeländerungen – Rechtsstreit mit SRAM

Es gibt jedoch auch fragwürdige Regeländerungen. Ob nun Vordertaschen im Trikot oder größere Rad-Computer wirklich verboten werden müssen, geht vielen zu weit. Manche Maßnahmen sind zudem teuer: Die Begrenzung der Kurbelumdrehung führte zu einem Rechtsstreit mit dem Hersteller SRAM, den das US-Unternehmen gewann. Die Rechtskosten sollen im sechsstelligen Bereich liegen. Die Frauen-Fahrergewerkschaft CPA forderte eine „grundlegende Überprüfung“ der UCI-Sicherheitsinitiative SafeR, in der Vertreter von Fahrern, Teams und Veranstaltern sitzen, um die Sicherheit zu verbessern.

Zweifel an der Tauglichkeit der Maßnahmen

Die Bilder vom Giro, als es auf den ersten Etappen zahlreiche Massenstürze und Ausfälle prominenter Fahrer gab, lassen Zweifel an der Wirksamkeit der Maßnahmen aufkommen. Engelhardt zeigt sich selbstkritisch: „Also der große Sturz in Bulgarien beim Giro, da war jetzt weder die Straße schuld, noch die Strecke schuld, noch der Kommissär schuld. Da waren einfach wir schuld.“ Der Youngster, der bei der Tour sein Debüt gibt, beschäftigen mehr die Stürze bei hoher Geschwindigkeit: „Was wir wirklich vermeiden wollen, sind diese großen Massenstürze in den Abfahrten, weil da zu viel Rennen gefahren wird. Dann liegst du bei 80 auf der Nase. Das geht nie gut aus für irgendwen.“

UCI plant einheitliche Kennzeichnung von Gefahrenstellen

Die UCI will die Kennzeichnung von Gefahrenstellen im Rennen vereinheitlichen und fordert, dass Zielgeraden bei Sprintankünften „so lang wie möglich, aber mindestens 200 Meter“ sein sollen. Ob dies ausreicht, bleibt fraglich. Die Debatte um die Sicherheit im Radsport wird die Tour de France auch in diesem Jahr begleiten.

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