Jamal Musiala hat im exklusiven SPORT BILD-Interview über die WM 2026 in den USA gesprochen. Der 23-jährige Offensivstar des FC Bayern äußerte sich zu seiner Rolle als Führungsspieler, den Einfluss von Lionel Messi und die besondere Vorliebe seines Teamkollegen Deniz Undav für scharfe Soßen – die Musiala kategorisch ablehnt.
Qualifikation für die K.o.-Runde: „Wir wollen im Flow bleiben“
Nach dem 2:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste hat sich Deutschland erstmals seit 2014 wieder für die K.o.-Runde einer WM qualifiziert. Musiala zeigte sich zufrieden mit der Leistung: „Das Spiel gegen die Elfenbeinküste war nicht leicht, weil wir auf einen körperlich starken Gegner getroffen sind. Wir haben uns aber gewehrt, den Gegner die ganze Zeit gestresst.“ Die Erfahrung, nach einem Rückstand zurückgekommen zu sein, könne dem Team im weiteren Turnierverlauf helfen. Für das Gruppenfinale gegen Ecuador fordert er: „Wir wollen im Flow bleiben. Über irgendwelche Spiele in der K.o.-Runde und mögliche Gegner nachzudenken bringt sowieso nichts.“
Vorbild Lionel Messi: „Jeder Spieler kann von ihm lernen“
Auf die Frage nach seinem Kindheitsidol Lionel Messi, der am Mittwoch 39 Jahre alt wird, schwärmte Musiala: „Die Qualität, die er heute noch zeigt, wird er wahrscheinlich auch noch mit 60 Jahren haben. Er ist ein Superspieler, der seine Mannschaft immer noch besser macht.“ Trotz des Aufstiegs junger Stars wie Lamine Yamal und ihm selbst sieht Musiala keinen Generationswechsel: „Wir wollen bei diesem Turnier zeigen, was wir draufhaben. Von so einer großen Auszeichnung will ich aber jetzt gar nicht sprechen, das ergibt sich – wenn, dann irgendwann, und an erster Stelle steht immer das Team.“
Basketball-Leidenschaft: „Knicks haben verdient gewonnen“
Neben Fußball begeistert sich Musiala für Basketball. Die NBA-Finals zwischen den New York Knicks und den San Antonio Spurs verfolgte er: „Es war leider am Ende fast ein bisschen langweilig, weil die Serie so schnell beendet war. Aber die New York Knicks haben gegen die San Antonio Spurs verdient gewonnen.“ Er zieht Parallelen zum DFB-Team: „Was die Knicks so stark macht, ist der mannschaftliche Zusammenhalt. Das kann bei uns auch der entscheidende Faktor werden.“ Vom Basketball-Superstar Steph Curry möchte er lernen: „Ich möchte die gleiche Freude versprühen, die er auf dem Platz vermittelt. Er hat hart gearbeitet, um da hinzukommen, wo er heute ist.“
Rolle als Leader: „Niemand macht mir mehr Druck als ich selbst“
Im Vergleich zur WM 2022, als er noch ein unbekümmerter Dribbler war, hat sich Musialas Rolle verändert: „Meine Aufgaben für das Team sind mehr geworden. Ich bin auch mehr verantwortlich für unsere Abschlüsse und will genauso in der Defensive mithelfen.“ Er bezeichnet sich selbst als seinen größten Kritiker: „Ich brauche keinen Druck von außen, denn niemand macht mir mehr Druck als ich selbst.“ Zugleich habe er gelernt, nicht zu hart mit sich zu sein: „Wenn ich einen Fehler mache und danach aufstecke, tut mir das nicht gut. Ich möchte versuchen, locker zu bleiben und einen kühlen Kopf zu bewahren.“
Zusammenarbeit mit Florian Wirtz: „Wir zocken richtig gut zusammen“
Das Zusammenspiel mit Florian Wirtz bereitet Musiala große Freude: „Ich glaube, Flo und ich zocken richtig gut zusammen. Das gilt auch für Kai, Leroy, Felix und Pavlo. Die gesamte Mannschaft ist super drauf.“ Den Bayern-Block im Kader sieht er als Vorteil: „So ein Block ist zu 100 Prozent positiv. Aber die Stimmung ist nicht nur bei uns Bayern-Spielern super, sondern im gesamten Team. Wir haben ein echtes Wir-Gefühl.“
Undav-Soße: „Das ist nichts für mich“
Zur öffentlichen Diskussion um seine Startelf-Position neben Deniz Undav äußerte sich Musiala gelassen: „Von der Diskussion habe ich nichts mitbekommen. Ich mag Deniz, mit ihm kann ich sehr gut reden.“ Auf die Frage nach Undavs extrascharfer Soße, die ihm der DFB-Koch separat reicht, antwortete Musiala lachend: „Eine habe ich mal ausprobiert. Aber die war nicht so scharf wie die von Deniz. Das ist nichts für mich, ich habe keine Lust auf Bauchprobleme.“
Kapitän Kimmich und Lektüre: „Finde schon einen Weg“
Kapitän Joshua Kimmich liest im WM-Quartier den Bestseller „Belonging“ von Owen Eastwood. Musiala: „Tatsächlich habe ich in das Buch von Jo schon reingeblättert und will es mir mal ausleihen. Falls er es nicht rausrückt, finde ich schon einen Weg, da ranzukommen.“ Er selbst hat alte Tim-Grover-Bücher über Michael Jordan und Kobe Bryant dabei, betont aber: „Zurzeit brauche ich gar nicht viel Einfluss von außen. Für mich ist es am besten, einfach mal runterzukommen, sich auszuruhen, vielleicht auch mal Atemübungen zu machen.“



