Fury drängt nach Comeback auf Duell mit Joshua
Nach 476 Tagen Ringabstinenz hat Tyson Fury sein Comeback mit einem ungefährdeten Punktsieg gegen Arslanbek Machmudow abgeschlossen. Doch der 37-jährige frühere Schwergewichtsweltmeister hatte bereits kurz nach dem Kampf eine andere Mission im Sinn: Ein britisches Boxduell der Spitzenklasse.
Direkte Herausforderung an Joshua
Der Comeback-Routinier, der in seiner Karriere bereits fünf Mal sein Karriereende erklärt hatte, wandte sich direkt an Ringgast Anthony Joshua. "Ich will euch den Kampf geben, auf den ihr alle wartet", rief Fury der Menge im Londoner Fußballstadion der Tottenham Hotspur zu. Vor geschätzten 60.000 Zuschauern forderte er den 36-Jährigen direkt heraus: "Ich fordere dich heraus, Anthony Joshua."
Erstaunlicherweise wirkte Fury nach zwölf Runden im Ring noch agil und energiegeladen. Joshua hingegen zeigte sich zunächst zurückhaltend gegenüber Furys Lockrufen. Der Grund für seine Zurückhaltung liegt in einem tragischen Ereignis.
Joshuas verheerender Autounfall
Anthony Joshua hat seit einem verheerenden Autounfall in Nigeria Ende Dezember keinen Kampf mehr bestritten. Bei der Tragödie kamen zwei seiner Freunde ums Leben, während Joshua selbst als Beifahrer nur leicht verletzt wurde. In einem Interview erklärte er: "Ich hatte einen schweren Unfall. Es gibt ernste Dinge in meinem Leben. Ich weiche niemandem aus. Sobald ich wieder bei 100 Prozent bin, kämpfe ich."
Der Hüne merkte an, dass er nach dem Tod seiner Freunde noch dabei sei, "einige Dinge zu klären". Dennoch signalisierte er grundsätzliche Bereitschaft für das Duell: "Verträge werden verschickt. Und dann sehen wir uns vielleicht im Ring, mehr als wahrscheinlich."
Lange erwartetes Duell der Ex-Weltmeister
Ein Duell der langjährigen Konkurrenten wurde schon oft herbeigesehnt, fand aber bisher nie statt. Beide Boxer haben Wladimir Klitschko besiegt und gehören zu den bekanntesten Schwergewichtsboxern Großbritanniens. Das Interesse an einem möglichen Aufeinandertreffen ist entsprechend groß – nicht nur in der britischen Boxwelt.
Medienberichten zufolge könnte das spektakuläre Duell im Wembley-Stadion ausgetragen werden. Joshua spottete allerdings über Furys wechselhafte Karriere: "Er ist derjenige, der seine Karriere beendet hat. Ich bin im Ring geblieben, das ist sein Problem. Er verschwindet, kommt zurück, verschwindet wieder." Interessant ist auch, dass Joshua zuletzt mit Furys großem Widersacher Oleksandr Usyk trainierte.
Glanzloser Sieg im Hauptkampf
Während die Spekulationen über den möglichen britischen Blockbuster zunahmen, geriet der eigentliche Hauptkampf des Abends etwas in Vergessenheit. Fury besiegte den Russen Machmudow glanzlos, aber sicher. Der "Gypsy King" siegte einstimmig nach Punkten (120:108, 120:108 und 119-109) und feierte damit seinen 35. Profisieg.
Der Kampfverlauf war eindeutig:
- Fury kam besser in den Kampf
- Machmudow wirkte zunehmend müde und unkoordiniert
- Ab der vierten Runde verfehlten immer mehr Schläge ihr Ziel
- Fury kontrollierte das Geschehen konditionell überlegen
- Machmudow umklammerte zunehmend und sorgte kaum noch für Gefahr
Furys wechselvolle Karriere
Tyson Fury hatte 2015 mit dem Sieg gegen Wladimir Klitschko erstmals die WM-Krone gewonnen. Danach folgte eine lange schwere Episode in seinem Leben, und er kämpfte erst drei Jahre später wieder. Weitere Rücktritte und Comebacks prägten seine Karriere. Im Dezember 2024 kassierte Fury seine zweite Niederlage gegen den aktuellen Dreifach-WM-Champion Oleksandr Usyk aus der Ukraine im WM-Rückkampf der beiden Superstars.
Nun scheint der Weg für eines der größten britischen Boxduelle seit langem geebnet. Die Boxwelt wartet gespannt, ob Joshua nach seiner persönlichen Tragödie bereit sein wird, den Ring gegen Fury zu betreten.



