Der VfL Gummersbach zählt zu den positiven Überraschungen dieser Saison in der Daikin Handball-Bundesliga. Der Traditionsverein, der zwischen 1966 und 1991 zwölfmal Deutscher Meister wurde, liegt auf Platz vier und hat noch Chancen auf die Champions-League-Qualifikation. Im Heimspiel am Donnerstag in der ausverkauften Schwalbe Arena (45. Mal in Folge) gab es ein Happy End: Nationalspieler Miro Schluroff erzielte mit seinem neunten Tor den 29:29-Ausgleich gegen Frisch Auf Göppingen. Der VfL holte nach einer starken Aufholjagd einen Punkt, obwohl er zur Pause mit sieben Toren zurücklag. Doch Trainer Gudjon Valur Sigurdsson war trotzdem nicht zufrieden.
Wutrede nach dem Spiel
Der Isländer ließ nach dem Spiel seinen Emotionen freien Lauf. In einer Wutrede machte er seinem Ärger Luft, nachdem ihm Trainerkollege Ben Matschke zum Punktgewinn gratuliert hatte: „Danke für die Glückwünsche für diesen absolut unverdienten Punkt. Göppingen war heute die viel, viel, viel, viel bessere Mannschaft, das muss man anerkennen. Was sie uns an Einsatzwille und Kampfbereitschaft vorgemacht haben, war vorbildlich. Wenn es bei uns nicht läuft, dann schmeißen wir Bälle weg.“ Sigurdsson, den alle nur „Goggi“ nennen, redete sich richtig in Rage – und erinnerte stark an die legendäre „Flasche leer“-Pressekonferenz des damaligen Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni aus dem Jahr 1998.
Kritik an der Einstellung
Ohne Pause spie der isländische Vulkan weiter Worte wie Lava in Richtung seiner Stars: „Wie lustlos wir in die Zweikämpfe gehen, das kann ich nicht durchgehen lassen! Das werde ich nicht akzeptieren! Ohne Wille, dieses Logo des VfL Gummersbach zu verteidigen. Wenn wir unter Druck kommen, dann werfen wir Bälle weg. Dann sind wir noch ganz weit weg davon, eine Spitzenmannschaft zu sein. Miro Schluroff kugelt sich den Finger aus, tapet ihn und hält uns im Alleingang im Spiel.“ Auch die bisher so gute Saison kann Sigurdsson nicht beschwichtigen. Stattdessen schickt er eine glasklare Botschaft an seine Spieler: „Mir ist das scheißegal, ob wir viele Spiele gewonnen haben, es zählt nur die Leistung in deinem letzten Spiel.“
Gründe für die schwache Leistung
Nach seinem minutenlangen Monolog erklärte er auf Nachfrage nach den Gründen für die schwache Leistung: „Es ist eine Frage der Einstellung, eine Kopfsache. Wir hatten einen sehr guten Gegner, der uns das Leben schwer gemacht hat. Es ist auch mal normal, eine schlechte Halbzeit zu haben, es war klar, dass das mal kommen würde. Aber wie schlecht es war und welche Ausfälle wir heute hatten, deutet darauf hin, dass wir uns mental nicht vorbereitet haben für den Kampf. Wir waren schon Freitag im Training nicht richtig da.“ Er beendete seine Ausführungen mit den einzigen Sätzen, die man ihm nicht abnahm: „Dass so viele Leute neben der Spur gelegen haben … Ist dann wahrscheinlich ein Trainerproblem. Ich nehm's auf mich.“ Wahrscheinlicher ist, dass den VfL-Profis ein paar ungemütliche Tage drohen.



