VfL Wolfsburg in historischer Tiefkrise: Trainer Bauer stellt Clubkultur infrage
Der VfL Wolfsburg befindet sich in der wohl schwersten sportlichen und strukturellen Krise seiner fast dreißigjährigen Bundesligageschichte. Nach einer 0:4-Niederlage beim VfB Stuttgart, die den Verein auf einen Abstiegsplatz katapultierte, hat Trainer Daniel Bauer deutliche Worte gefunden. Der 43-Jährige, der im November 2025 die Nachfolge von Paul Simonis antrat, sieht grundlegende Probleme.
„Kultur des Clubs nicht bundesligatauglich“
„Fakt ist, dass wir viele Strukturen ändern müssen, dass die Atmosphäre und die Kultur innerhalb des Clubs aktuell auch nicht bundesligatauglich sind“, erklärte Bauer nach dem Debakel in Stuttgart. Er forderte ein neues Mindset in der gesamten Vereinsstruktur und beschrieb den Weg nach vorne als „sehr, sehr hart“. Bauer betonte, dass sich die internen Probleme letztlich auf dem Platz widerspiegelten.
Diese Einschätzung teilte auch langjähriger Spieler Yannick Gerhardt, der seit einem Jahrzehnt beim VfL unter Vertrag steht. „Der Verein sieht gerade nicht gut aus, er ist nicht gesund“, sagte der Mittelfeldspieler und verwies auf „sehr komplexe“ interne Schwierigkeiten. Die Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität sei derzeit erdrückend groß.
Trainerwechsel im Raum – Dieter Hecking als Retter?
Angesichts von sieben sieglosen Spielen in Folge und insgesamt acht Niederlagen in 14 Partien unter Bauer kursieren bereits Gerüchte über einen erneuten Trainerwechsel in dieser Saison. Laut Medienberichten gibt es „ernsthafte Überlegungen“, den angeschlagenen Coach durch Ex-Erfolgstrainer Dieter Hecking zu ersetzen.
Der 61-jährige Hecking arbeitete bereits von 2013 bis 2016 in Wolfsburg und gewann in dieser Zeit DFB-Pokal und Supercup. Zuletzt war er beim Zweitligisten VfL Bochum beschäftigt, wurde dort jedoch im September 2025 entlassen. Obwohl Sport-Geschäftsführer Peter Christiansen betonte, dass die Probleme nicht allein bei Bauer lägen, sondern den gesamten Verein beträfen, steht der Trainer unter immensem Druck.
VW-Konzernchef mischt sich ein – Krisensitzung nach Pleite
Wie ernst die Lage ist, zeigte sich auch daran, dass nach der Niederlage in Stuttgart sogar VW-Konzernchef Oliver Blume in der Kabine des VfL auftauchte. Am Abend soll es zudem eine Krisensitzung gegeben haben, bei der über die Zukunft des Clubs beraten wurde.
Bauer selbst zeigte sich trotz der prekären Situation kämpferisch. Er sei „total bereit und willens, den Weg bis zum Ende zu gehen“, betonte der Trainer. Wichtig sei jetzt, das Spiel sauber aufzuarbeiten und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Doch die Zeit drängt: Das Nordduell am Samstag gegen den Hamburger SV ist für Wolfsburg bereits zur Pflichtaufgabe geworden.
Yannick Gerhardt brachte die Stimmung im Verein auf den Punkt: „Es sieht sehr schlecht aus. Die Tabelle lügt gerade nicht. Wir haben den Anspruch, Bundesligaspieler zu sein, das müssen wir zeigen.“ Ob dies unter der aktuellen Führung gelingen kann, bleibt fraglich.



