Das große Finale: Sechs WM-Tickets warten auf ihre Besitzer
Heute Abend steigt das große Finale der WM-Qualifikation. Insgesamt sechs Tickets für die Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko sind noch zu vergeben. Vier davon werden in den europäischen Playoff-Finals der UEFA ausgespielt, zwei weitere im interkontinentalen Turnier in Mexiko. Die UEFA-Spiele beginnen zeitgleich um 20.45 Uhr, während die Duelle zwischen Jamaika und der Demokratischen Republik Kongo (23.00 Uhr) sowie Irak und Bolivien (5.00 Uhr) sich bis in den Mittwochmorgen hinziehen. Dann stehen endgültig alle 48 Teilnehmer der WM fest. Sämtliche Spiele werden live auf dem Streaming-Dienst DAZN übertragen.
Die Bundesliga als tragende Säule der europäischen Playoffs
Ohne die Bundesliga wären die europäischen Playoff-Finals deutlich ärmer. Fast 30 Profis aus der ersten und zweiten deutschen Liga sind in den vier entscheidenden Spielen mindestens im Kader vertreten. Einzige Ausnahme ist Italien, das keinen Deutschland-Legionär in seinen Reihen hat. Bosnien-Herzegowina stellt mit sechs Profis das größte deutsche Kontingent. Stürmerlegende Edin Dzeko, Ermedin Demirovic und Elfmeterspezialist Nikola Vasilj könnten im Duell gegen Italien eine Schlüsselrolle einnehmen.
Der Kosovo könnte sich erstmals in der Geschichte für ein großes Turnier qualifizieren. Gegen die Türkei dürften mit Fisnik Asllani und Albian Hajdari von Hoffenheim, Elvis Rexhbecaj vom FC Augsburg und Florent Muslija aus Düsseldorf alle vier in Deutschland spielenden Profis in der Startelf stehen. Tschechien setzt gegen Dänemark auf Torjäger Patrik Schick von Bayer Leverkusen. Beim Spiel Schweden gegen Polen steht aus Bundesliga-Sicht wohl nur Polens Torwart Kamil Grabara vom VfL Wolfsburg im Fokus.
Irak: Eine strapaziöse Reise nach 40 Jahren WM-Abstinenz
Eine außergewöhnlich beschwerliche Anreise hatte der Irak zu seinem interkontinentalen Finale gegen Bolivien. Da der irakische Luftraum aufgrund des anhaltenden Iran-Kriegs seit Wochen gesperrt ist, reiste das Team unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen auf dem Landweg ins benachbarte Jordanien. Von der Hauptstadt Amman aus ging es für einen Teil der Mannschaft mit einem Privatflugzeug nach Mexiko. Der Rest der Spieler reiste später oder direkt aus Europa an.
„Es hat drei volle Tage gedauert, um aus Bagdad hierherzukommen“, berichtete Trainer Graham Arnold. Nach zwei Tagen Regeneration begann die Mannschaft sieben Tage vor dem entscheidenden Spiel in Monterrey mit der konzentrierten Vorbereitung. „Ich muss das Positive sehen, und das Positive ist, dass wir hier sind. Wir haben einen Job zu erledigen“, sagte Arnold entschlossen. „Wir wollen 46 Millionen Menschen im Irak stolz machen.“ Zuletzt hatte sich der Irak 1986 für eine Weltmeisterschaft qualifiziert – das sind genau 40 Jahre her.
Mittelfeldspieler Zaid Ismail betonte die historische Bedeutung: „Wir wissen, dass dies ein historisches Spiel wird. Es ist vier Jahrzehnte her, seit wir uns zuletzt für eine WM qualifiziert haben. Dieses Spiel wird den irakischen Fans immense Freude bereiten.“
Schweden: Die Hintertür der Nations League
Trotz einer enttäuschenden Qualifikation träumt Schweden weiterhin von der WM-Teilnahme. In der Qualifikationsgruppe belegte man den letzten Platz, ohne einen einzigen Sieg zu erringen – trotz vorhandener Stars wie dem aktuell verletzten Alexander Isak und Viktor Gyökeres. Dennoch spielt Schweden heute gegen Polen um das begehrte WM-Ticket. Dies ist einer besonderen Hintertür zu verdanken.
Die UEFA vergab nämlich Wildcards an die vier besten Gruppensieger der vergangenen Nations League, die in der regulären WM-Qualifikation nicht unter die besten beiden Teams gekommen waren. Die anderen Wildcard-Mannschaften Rumänien, Nordirland und Nordmazedonien scheiterten bereits im Halbfinale – nur Schweden ist noch im Rennen und nutzt diese zweite Chance.
Das Drama vor den Playoffs: Elfmeter in der Nachspielzeit
Zweifellos werden heute Abend Tränen fließen – Freudentränen bei den Siegern mit dem WM-Ticket in der Hand und Tränen der Enttäuschung bei den Verlierern. Doch echtes Drama gab es bereits vor den Playoffs. Das zweite und letzte interkontinentale Finale zwischen dem Irak und Bolivien am Mittwochmorgen steht sinnbildlich für diese emotionalen Geschichten.
Der Irak qualifizierte sich erst durch einen Elfmeter in der 17. Minute der Nachspielzeit im Spiel gegen die Vereinigten Arabischen Emirate. Amir Al Ammari behielt in Basra vor fast 65.000 begeisterten Fans die Nerven und verwandelte cool. Bolivien hingegen war in der südamerikanischen Qualifikation eigentlich schon nahezu gescheitert. Am letzten Spieltag besiegte man jedoch überraschend Rekordweltmeister Brasilien durch einen Elfmeter mit 1:0 und zog noch an Venezuela vorbei. Nun geht es für beide Teams um das letzte verfügbare WM-Ticket – eine Geschichte, die kaum spannender sein könnte.



