Ungewöhnlicher Zwischenfall bei Zweitliga-Partie: Fan sabotiert Videobeweis
Der 2:1-Auswärtssieg von Hertha BSC bei Preußen Münster in der 2. Fußball-Bundesliga wurde von einem außergewöhnlichen Vorfall überschattet. Kurz vor der Halbzeitpause konnte Schiedsrichter Felix Bickel ein mögliches Foul im Strafraum nicht am Bildschirm überprüfen, weil der Monitor schwarz blieb. Der Grund für den technischen Ausfall war ebenso simpel wie kurios: Ein vermummter Mann hatte sich aus dem Fanblock der Heimmannschaft zum Gerät begeben und den Stecker gezogen.
Geplante Aktion mit Bannerankündigung
Wie der Verein Preußen Münster später auf seiner Website bestätigte, handelte es sich bei der Sabotage um eine offenbar geplante Aktion. Im Münsteraner Fanblock war kurz zuvor ein Banner mit der Aufschrift „Dem VAR den Stecker ziehen“ hochgehalten worden. Der Täter nutzte die Gelegenheit, um diese Ankündigung in die Tat umzusetzen. Schiedsrichter Bickel wartete etwa eine Minute vergebens auf ein Bild, bevor er die Entscheidung der Video-Assistentin Katrin Rafalski im Kölner Keller übernahm.
„Wir haben ein mögliches Foulspiel im Strafraum überprüft und meine Kollegin Katrin Rafalski hat festgestellt, dass die Nummer 24 von Münster den Spieler Cuisance klar am Schienbein trifft im Strafraum – deswegen lautet meine finale Entscheidung: Strafstoß“, erklärte Bickel anschließend über die Stadionlautsprecher. Den fälligen Elfmeter verwandelte Fabian Reese in der vierten Minute der Nachspielzeit zur 1:0-Führung für Hertha BSC.
Geteilte Reaktionen von Verein und Spielern
Während der Verein Preußen Münster den Vorfall ausdrücklich bedauerte und ankündigte, den oder die Täter zur Rechenschaft zu ziehen, zeigte Kapitän Jorrit Hendrix Verständnis für die Aktion der Fans. „Unsere Fans sind legendär, die machen alles für die Unterstützung“, sagte Hendrix bei Sky. „Dass ein Fan den Stecker rauszieht, finde ich eigentlich gut, denn die Fans wollen auch unbedingt, dass wir gewinnen, und wenn sie dafür alles machen, dann habe ich dafür volles Verständnis.“
Der SC Preußen Münster betonte in einer Stellungnahme, dass umgehend Maßnahmen ergriffen wurden, um vergleichbare Vorfälle in Zukunft auszuschließen. Herthas Trainer Stefan Leitl äußerte Mitgefühl für die Münsteraner, betonte aber gleichzeitig: „Das geht einfach nicht, man stelle sich nur vor, es müssen weitere Entscheidungen getroffen werden und du hast gar kein Fernsehbild; das ist jetzt eine Technik, die zum Fußball gehört, man kann sie mögen oder auch nicht - aber man muss dafür sorgen, dass solche Dinge nicht passieren.“
Protokollarisch korrektes Vorgehen des Schiedsrichters
Alexander Feuerherdt, Leiter Kommunikation und Medienarbeit der DFB Schiri GmbH, lobte das Verhalten von Schiedsrichter Bickel in dieser ungewöhnlichen Situation. „In achteinhalb Jahren Videobeweis kann ich mich nicht erinnern, dass wir so eine Situation schon mal hatten“, sagte Feuerherdt. Er erklärte, dass es protokollarisch vorgesehen sei, bei einem ausgefallenen Monitor die Empfehlung der Video-Assistenten zur Entscheidung zu übernehmen – genau wie es Bickel getan habe.
„In einer für ihn sicherlich nicht angenehmen Situation ist er sehr ruhig und sicher geblieben“, so Feuerherdt weiter. Nach dem späten Führungstreffer durch Reese glich Jannis Heuer für Münster kurz nach der Pause zum 1:1 aus (46. Minute). Den Siegtreffer für Hertha BSC erzielte schließlich Marten Winkler in der dritten Minute der Nachspielzeit per Konter zum 2:1-Endstand.
Der Vorfall wirft Fragen zur Sicherheit der technischen Einrichtungen in Fußballstadien auf und zeigt, wie anfällig der Videobeweis für externe Einflüsse sein kann. Während einige Fans die Aktion als kreativen Protest gegen den VAR sehen, betonen Verantwortliche die Notwendigkeit, die Integrität des Spiels zu schützen.



