Showdown im deutschen Fußball: Entscheidung über Regionalliga-Reform steht bevor
Showdown: Entscheidung über Regionalliga-Reform steht bevor

Showdown im deutschen Fußball: Entscheidung über Regionalliga-Reform steht bevor

Auf dem DFB-Campus in Frankfurt am Main findet am Mittwoch die wohl entscheidendste Sitzung im deutschen Fußball der letzten Jahre statt. Die Arbeitsgruppe des Deutschen Fußball-Bundes kommt zur vorerst letzten Beratung über die umstrittene Reform der Regionalliga zusammen. Nach jahrelangen Diskussionen und kontroversen Debatten steht nun der finale Showdown bevor.

Sechs Wahrheiten zur Lösung des Zoffs

1. Die aktuelle Aufstiegsregelung muss sofort weg

Die seit 2019 geltende Regelung, wonach die Staffelsieger in West und Südwest immer in die 3. Liga aufsteigen dürfen, während die Meister aus Bayern, dem Norden und Osten in zwei von drei Jahren in eine Relegation müssen, hat keinerlei Akzeptanz mehr. Sportwissenschaftler, Ministerpräsidenten, Spielergewerkschaftler, Fans und die deutliche Mehrheit der Klubs kritisieren diese Ungerechtigkeit einhellig. Ralph Grillitsch von Carl Zeiss Jena bringt es auf den Punkt: „Die Aufstiegsregelung hat keine Akzeptanz und ist endgültig am Ende. Es darf und kann kein Zurück geben!“ Die aktuelle Regelung hat nicht nur Tränen gebracht, sondern historische Triumphe wie die Rückkehr des Ex-Europapokalfinalisten Lok Leipzig in den Profifußball mehrfach zerstört.

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2. Alle Argumente sind ausgetauscht

Bereits seit 2012 – also seit 14 Jahren – diskutiert der DFB immer wieder über dieses Thema. Nachdem sich 2019 die erste Arbeitsgruppe verkrachte, ist es nun schon der zweite Arbeitskreis, der sich mit der Reform beschäftigt. Alle Argumente zu verschiedenen Modellen wurden teils in Endlosschleifen wiederholt. Das Hauptproblem bleibt, dass manche Parteien wie der Bayerische Fußballverband immer wieder mit Maximalforderungen in die Verhandlungen gehen. Diese Taktik muss nun endlich beendet werden, denn jetzt muss entschieden werden.

3. Alle Machtspiele sind durchschaut

Die Regionalverbandspräsidenten Dr. Christoph Kern aus Bayern und Ralph-Uwe Schaffert aus dem Norden ignorieren offenbar die Wünsche ihrer eigenen Vereine und sorgen dafür, dass deren Meister nicht aufsteigen können. Unklar bleibt, wie lange auch Peter Frymuth aus dem Westen noch bei seiner Blockadehaltung bleibt, obwohl erste Indizien für ein Umdenken erkennbar sind. Auch der Südwesten agiert mit Doppelmoral. Zwar betont die Pressestelle des Regionalliga-Trägers auf Nachfrage: „Auch wir haben den klaren Wunsch, dass es zu einer einvernehmlichen Lösung kommt, und bringen uns weiterhin aktiv in diesen Prozess ein.“ Doch bislang fielen Liga-Vertreter Maximilian Ziegler-Freisinger und Vereinsvertreter Rafael Kowollik vom FC Homburg eher durch Problemewälzen auf.

4. Fanszenen stehen hinter Kompassmodell

Wann gab es das schon einmal, dass Fußball-Anhänger quasi aller Richtungen so viel Einigkeit für eine Sache und nicht gegen ein Projekt einbrachten? Mit dem eigens entwickelten „Kompassmodell“ hat der DFB die historische Chance, sein Image und seine Glaubwürdigkeit massiv zu stärken. Das Motto „Vier Himmelsrichtungen, doch nur ein Ziel – Kompassmodell jetzt“ war bundesweit in den Stadien zu sehen. 70 Vereine unterstützen die „Aufstiegsreform“-Initiative – eine beeindruckende Zahl. Selbst in Ultra-Szenen, deren Klubs nicht offiziell der Reformbewegung beitraten, wie beispielsweise bei Arminia Bielefeld oder dem SC Paderborn, gab es Spruchbänder für die Kompass-Lösung. Der DFB darf diesen historischen Moment nicht verkennen.

5. Einhundert-Prozent-Lösung wird es nie geben

Franz Gerber von Rot-Weiß Erfurt formuliert es im „kicker“ treffend: „Die jetzige Regelung ist für 85 Prozent der Regionalliga-Vereine eine Katastrophe. Das Kompassmodell wäre zu 95 Prozent gerecht. Eine Lösung, die alle zu 100 Prozent zufriedenstellt, wird es nie geben.“ Auch der DFB kann Flensburg oder Homburg nicht in die Mitte Deutschlands verschieben – manche Vereine werden weiter fahren müssen, das ist ein Fakt. Doch irgendwann muss man ins Handeln kommen und die bestmögliche Lösung umsetzen.

6. Ohne Einigung gibt es nur Verlierer

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Die Arbeitsgruppe sitzt in einem echten Dilemma. Eigentlich kann sich keiner ein Scheitern des Reformprozesses mehr leisten, da dies – wie bereits angedroht – massive Protestaktionen nach sich ziehen würde. Außerdem hat jede Staffel ihre Probleme. Im Südwesten verirrten sich am Samstag ganze 75 Zuschauer zum Spiel Mainz gegen Astoria Walldorf. Wer will das noch als Profifußball verkaufen? Ex-Bundesliga-Profi Marcel Rozgonyi sagte einst den krassesten Satz zur Regionalliga: „Die Aufstiegsregel ist ein Verbrechen am Fußball!“ Jetzt zählen keine Worte mehr, sondern Entscheidungen und Taten, um diesem Trauerspiel ein ganz schnelles Ende zu setzen.