Sammer mit deutlicher Kritik an Nagelsmanns öffentlichem Umgang mit Privatem
Die deutsche Fußball-Legende Matthias Sammer (58) hat im "Hagedorn Talk" bei Sky gewohnt deutliche Worte gefunden. Der aktuelle BVB-Berater und ehemalige DFB-Sportdirektor (2006-2012) sowie Bayern-Sportvorstand (2012-2016) kritisierte Bundestrainer Julian Nagelsmann (38) scharf für dessen öffentliche Erwähnung seiner Ehefrau Lena Wurzenberger in einer fußballerischen Debatte.
"Das mit seiner Ehefrau ist ein Schmankerl"
Im Gespräch mit Sky-Moderator Ricardo Basile (34) ging Sammer konkret auf Nagelsmanns Äußerungen ein, wonach seine seit Januar 2026 verheiratete Ehefrau Lena ihm geraten habe, sich bei Stuttgart-Stürmer Deniz Undav (29) zu entschuldigen. Nagelsmann hatte sich zuvor trotz Undavs Siegtor zum 2:1 im Testspiel gegen Ghana kritisch über seinen Angreifer geäußert.
Sammer dazu: "Auch das mit seiner Ehefrau – sie sind ja jetzt verheiratet – ist so ein Schmankerl, Lena ins Spiel zu bringen, um zu sagen: 'Mensch, die hat mich darauf hingewiesen.' Das ist so. Nur dass das Thema Undav so kritisch gesehen wurde, dass die Leute jetzt möglicherweise diskutieren: Jetzt braucht er schon seine Ehefrau für die Lösung."
Direkte Ansprache an den Bundestrainer
Sammer richtete sich direkt an Nagelsmann: "Julian, das gehört hier nicht her. Du bist der Bundestrainer, der Nachfolger von Herberger – ich vergesse einige –, Helmut Schön, Franz Beckenbauer, alle haben Titel gewonnen, Jupp Derwall, Berti Vogts, dann Jogi Löw als Weltmeister-Trainer. Deshalb: Schau dir vielleicht an, wie die 'Alten' manche Dinge handhaben würden."
Der erfahrene Fußball-Experte betonte zwar Nagelsmanns Qualitäten: "Er wählt das Beste, davon bin ich überzeugt. Und letztendlich ergeben Erfahrung und ein Stück weit Jugendlichkeit große Unterschiede." Doch gleichzeitig riet er: "Weniger ist manchmal ein bisschen mehr."
Unterschiede zu Bayern-Coach Kompany
Im Interview verglich Sammer auch Nagelsmann mit Bayern-Coach Vincent Kompany (40): "Es ist erst mal ein großer Unterschied erkennbar, keine Frage. Je näher das Turnier kommt und je mehr Julian vermeintlich in der Kritik steht, entwickle ich immer mehr das Gefühl, ihn schützen zu wollen."
Sammer erklärte die unterschiedlichen Rahmenbedingungen: "Vincent Kompany hat seine Spieler täglich, und Julian hat sie in großen Abständen. Und er muss natürlich oftmals – und ich glaube, dass es bei ihm der Fall ist – durch gewisse Aussagen, durch gewisse Reizpunkte etwas auslösen, also eine Reaktion hervorrufen. Nur glaube ich, dass das nur bedingt der richtige Weg ist."
Ratschlag für die WM-Vorbereitung
Für die anstehende WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko – Nagelsmanns zweites großes Turnier mit der DFB-Elf nach dem Viertelfinal-Aus bei der Heim-EM 2024 – hat Sammer einen klaren Rat: "Ich würde ihm, wenn mir das überhaupt zusteht, einfach raten, vor dieser WM gar nicht so viel zu erzählen. Weil diese WM natürlich im Austausch mit der Führung des Verbandes, mit dem Staff und mit den Spielern vorbereitet wird."
Sammer würdigte Nagelsmanns fachliche Kompetenz: "Man wird Julian Nagelsmann keine fehlende Akribie oder kein Fußballfachwissen vorwerfen können. Das ist ja richtig." Doch er verwies auf den unterschiedlichen Werdegang: "Julian hat, glaube ich, mit 21 seine fußballerische Laufbahn beendet. Er ist sehr, sehr schnell Trainer geworden und ein sehr guter Trainer. Aber die Message, die ich ihm eigentlich geben würde, ist: Ruhig bleiben."
Abschließend betonte Sammer: "Kompany hätte das sicherlich so nicht getan, aber Julian hat es getan. Das macht ihn auf der einen Seite sympathisch, auf der anderen Seite – hochprofessionell betrachtet – würde ich sagen: Julian, das gehört hier nicht her."



