Das große Finale: Sechs WM-Tickets warten auf ihre Besitzer
Es ist der letzte Akt der langen Qualifikationsphase: Noch sechs Startplätze für die Fußball-Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko sind zu vergeben. Vier davon werden in den europäischen Playoff-Finals vergeben, zwei weitere im interkontinentalen Turnier in Mexiko. Alle UEFA-Spiele beginnen heute zeitgleich um 20.45 Uhr, während die Duelle zwischen Jamaika und der Demokratischen Republik Kongo (23.00 Uhr) sowie Irak und Bolivien (5.00 Uhr) sich bis in den Mittwochmorgen hinziehen werden. Dann stehen endgültig alle 48 Teilnehmer der WM fest. Sämtliche Spiele werden exklusiv auf dem Streamingdienst DAZN übertragen.
Bundesliga-Profis im Fokus der europäischen Entscheidungsspiele
Ohne Spieler aus der deutschen Bundesliga wären die europäischen Playoff-Finals kaum denkbar. Fast 30 Profis aus den ersten beiden deutschen Ligen sind in den vier entscheidenden Spielen mindestens im Kader vertreten – nur die italienische Nationalmannschaft verzichtet komplett auf Deutschland-Legionäre. Bosnien-Herzegowina stellt mit sechs Profis das größte deutsche Kontingent. Stürmerlegende Edin Dzeko, Torjäger Ermedin Demirovic und Elfmeterspezialist Nikola Vasilj könnten im Duell gegen Italien eine Schlüsselrolle einnehmen.
Der Kosovo könnte sich erstmals in der Geschichte für ein großes Turnier qualifizieren. Gegen die Türkei dürften alle vier in Deutschland spielenden Profis in der Startelf stehen: Fisnik Asllani und Albian Hajdari von der TSG Hoffenheim, Elvis Rexhbecaj vom FC Augsburg und Florent Muslija von Fortuna Düsseldorf. Tschechien setzt im Spiel gegen Dänemark auf seinen Torjäger Patrik Schick vom Bayer Leverkusen, während beim skandinavischen Duell zwischen Schweden und Polen aus Bundesliga-Sicht wohl nur Polens Torwart Kamil Grabara vom VfL Wolfsburg im Mittelpunkt stehen wird.
Historische Chance für den Irak nach vier Jahrzehnten Wartezeit
Eine außergewöhnlich beschwerliche Anreise hatte der Irak zu seinem entscheidenden Spiel gegen Bolivien. Weil der irakische Luftraum aufgrund des anhaltenden Iran-Kriegs seit Wochen gesperrt ist, reiste das Team unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen auf dem Landweg ins benachbarte Jordanien. Von der Hauptstadt Amman aus ging es für einen Teil der Mannschaft mit einem Privatflugzeug nach Mexiko, während der Rest später oder direkt aus Europa anreiste.
„Es hat drei Tage gedauert, um aus Bagdad heraus hierherzukommen“, berichtete Trainer Graham Arnold. Nach zwei Tagen Regeneration begann das Team sieben Tage vor dem entscheidenden Spiel in Monterrey mit der konzentrierten Vorbereitung. „Ich muss das Positive sehen, und das Positive ist, dass wir hier sind. Wir haben einen Job zu erledigen“, sagte Arnold entschlossen. „Wir wollen 46 Millionen Menschen im Irak stolz machen.“
Im Jahr 1986 hatte sich der Irak zuletzt für eine Fußball-Weltmeisterschaft qualifiziert – das sind genau 40 Jahre her. „Wir wissen, dass es ein historisches Spiel wird. Es ist vier Jahrzehnte her, dass wir uns zuletzt für eine WM qualifiziert haben. Dieses Spiel wird den irakischen Fans immense Freude bereiten“, erklärte Mittelfeldspieler Zaid Ismail mit spürbarer Emotion.
Schwedens unerwartete Hintertür zur WM-Teilnahme
Trotz einer enttäuschenden Qualifikationsphase träumt Schweden weiterhin von der WM-Teilnahme. In der Qualifikationsgruppe landete das Team auf dem letzten Platz – nicht einmal ein Sieg gelang trotz vorhandener Stars wie dem aktuell verletzten Alexander Isak und Torjäger Viktor Gyökeres. Dennoch spielt Schweden heute gegen Polen um die WM-Teilnahme – dank einer speziellen Regelung der UEFA.
Der europäische Fußballverband vergab nämlich Wildcards an die vier besten Gruppensieger der vergangenen Nations League, die es in der regulären WM-Qualifikation nicht unter die besten beiden Teams geschafft hatten. Die anderen Wildcard-Mannschaften Rumänien, Nordirland und Nordmazedonien scheiterten bereits im Halbfinale – nur Schweden ist noch im Rennen um das begehrte Ticket.
Dramatische Vorgeschichte der Playoff-Spiele
Natürlich werden bei den Entscheidungsspielen Emotionen hochkochen und Tränen fließen – Freudentränen bei den Siegern mit dem WM-Ticket in der Tasche, Tränen der Enttäuschung bei den Verlierern. Doch besonders dramatisch war bereits die Vorgeschichte der Playoffs, wie das zweite und letzte interkontinentale Finale zwischen dem Irak und Bolivien am Mittwochmorgen beispielhaft zeigt.
Der Irak qualifizierte sich für die Playoffs erst durch einen Elfmeter in der 17. Minute der Nachspielzeit im Spiel gegen die Vereinigten Arabischen Emirate. Amir Al Ammari behielt in Basra vor fast 65.000 begeisterten Fans die Nerven und verwandelte den entscheidenden Strafstoß. Bolivien hingegen stand in der südamerikanischen Qualifikation eigentlich schon nahezu vor dem Aus. Am letzten Spieltag besiegte das Team jedoch überraschend den Rekordweltmeister Brasilien durch einen Elfmeter mit 1:0 und zog noch an Venezuela vorbei. Nun geht es für beide Teams um das letzte verfügbare WM-Ticket – und um einen Platz in der Fußballgeschichte.



