DDR-Fußball-Olympiasieger von 1976 feiern emotionales Wiedersehen in Dierhagen
Olympiasieger von 1976 treffen sich in Dierhagen

Vor 50 Jahren feierte der DDR-Fußball seinen größten Erfolg: Bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal gewann die DDR-Nationalelf nach einem 3:1-Sieg im Finale gegen Polen die Goldmedaille. Jetzt haben sich einige der Spieler von damals im Ostseebad Dierhagen wiedergetroffen – ein emotionales Wiedersehen, das von Gerd Kische initiiert wurde. „Manche habe ich 50 Jahre nicht gesehen. Es ist wirklich so schön, dass es dieses Treffen gab“, sagte Gert Heidler, einst wieselflinker Stürmer bei Dynamo Dresden.

Initiator Gerd Kische

Der ehemalige Starverteidiger des FC Hansa Rostock und 63-fache Nationalspieler hatte vor zwei Jahren bereits das Wiedersehen der WM-Elf von 1974 organisiert. Jetzt trommelte er die 76er-Fußballer zusammen. „Es wurde Zeit, weil wir eigentlich ja keine Zeit mehr haben“, sagte Kische, der im Oktober seinen 75. Geburtstag feiert, und betonte, dass dieses Treffen ohne die Hilfe des FC Hansa Rostock nicht möglich gewesen wäre.

Nicht alle Olympiasieger dabei

In Dierhagen waren nicht alle Olympiasieger anwesend. Einige wie Jürgen Croy, Hans-Jürgen Riediger oder Hans-Ulrich Grapenthin mussten absagen, andere wie Bernd Bransch, Hans-Jürgen Dörner, Reinhard Häfner und Reinhard Lauck sind bereits verstorben. Der Dresdner „Dixie“ Dörner gehörte zu den Stars des Turniers und war mit vier Treffern hinter dem Polen Andrzej Szarmach sogar zweitbester Torschütze.

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Das Finale 1976

Die Polen, zwei Jahre zuvor Dritter der WM in der BRD, galten als Favorit im Endspiel vor mehr als 71.000 Zuschauern. Doch die frühen Tore des Dresdners Hartmut Schade (7. Minute) und Martin Hoffmann (14., Magdeburg) brachten sie völlig aus dem Konzept. Grzegorz Lato gelang nach der Pause (59.) zwar der Anschluss, doch sechs Minuten vor dem Schlusspfiff machte Reinhard Häfner nach einem Sololauf den 3:1-Sieg perfekt.

„Polen hatte damals eine große Mannschaft, aber wir hatten keine Angst, keine Hemmungen“, erzählte Gerd Weber. Der Dresdner war der Jüngste im DDR-Aufgebot und musste im Finale wegen einer Verletzung zuschauen. Mit einem Schmunzeln sagte Weber, dass die Mannschaft schon damals jene Tugend ausgemacht habe, die später als das deutsche Erfolgsgeheimnis bei großen Turnieren galt: „Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert. Man spricht ja heute gern von Turniermannschaft, in dem Fall waren wir das.“

Turnierverlauf

Die Vorrunde in der Dreiergruppe A hatte die DDR nach einem 0:0 gegen Brasilien und einem 1:0 gegen Spanien als Zweiter abgeschlossen. Wegen des Olympiaboykotts der drei qualifizierten afrikanischen Teams waren die geplanten Vierergruppen auf drei Teams je Staffel reduziert worden. Die Aufgabe erleichterte diese Konstellation nicht, im Gegenteil. Eine Niederlage konnte schon das Aus bedeuten. „Ich kann mich noch gut erinnern, dass Trainer Georg Buschner deshalb immer wieder deutlich gemacht hat, dass wir das erste Spiel gegen Brasilien auf keinen Fall verlieren dürfen“, sagte Lothar Kurbjuweit und fügte hinzu: „Wir haben es gut gemacht.“

In der K.o.-Runde folgten dann Siege gegen Frankreich (4:0) und die Sowjetunion (2:1). Im Finale am 31. Juli 1976 krönten sich die DDR-Männer dann zu Olympiasiegern.

Ein Sieg für die Ewigkeit

„Dieser Erfolg wird nie normal sein, es ist ein Sieg für die Ewigkeit“, sagte Hartmut Schade. Lothar Kurbjuweit, damals Abwehrass beim FC Carl Zeiss Jena, sprach von einer „goldenen Zeit, die wir erleben durften“. Es sei eine Mannschaft ohne Egoisten gewesen, eine Einheit, sagte Gerd Kische: „Das war ausschlaggebend für den Erfolg.“ Am Ende der erfolgreichsten Wochen des DDR-Fußballs gab es sogar den Vaterländischen Verdienstorden. Die Orden sind vielleicht verblichen – geblieben ist der Ruhm.

Die DDR-Auswahl von 1976: Jürgen Croy, Hans-Ulrich Grapenthin, Bernd Bransch, Hans-Jürgen Dörner, Wilfried Gröbner, Reinhard Häfner, Gert Heidler, Martin Hoffmann, Gerd Kische, Lothar Kurbjuweit, Reinhard Lauck, Wolfram Löwe, Hans-Jürgen Riediger, Dieter Riedel, Hartmut Schade, Gerd Weber, Konrad Weise. Trainer: Georg Buschner.

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