Nach dem desaströsen Auftritt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko zeichnet sich eine Absetzbewegung des DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf von Bundestrainer Julian Nagelsmann ab. In einer ersten Stellungnahme aus Winston-Salem, dem Quartier der deutschen Mannschaft, vermied Neuendorf jede Form von Rückendeckung für den Coach. Die DFB-Elf war bereits in der Gruppenphase ausgeschieden, was als eines der größten Turnierdesaster der Verbandsgeschichte gilt.
Keine Rückendeckung für Nagelsmann
„Wir werden nun in Ruhe analysieren, was schiefgelaufen ist. Das betrifft alle Bereiche – Sport, Organisation und Führung“, sagte Neuendorf. Auf die direkte Frage, ob Nagelsmann weiterhin das Vertrauen des Präsidiums genieße, antwortete der 63-Jährige ausweichend: „Wir werden alle Gespräche intern führen. Jetzt ist nicht der Moment für personelle Entscheidungen.“ Beobachter werten dies als deutliches Signal, dass der Bundestrainer seinen Job verlieren könnte.
Historisch schlechtes Abschneiden
Die deutsche Mannschaft verlor zwei ihrer drei Gruppenspiele und beendete die Vorrunde mit nur drei Punkten auf dem dritten Platz. Es war das erste Mal seit 1938, dass Deutschland bei einer WM ohne Sieg gegen einen europäischen Gegner blieb. Die Mannschaft kassierte sieben Gegentore und erzielte lediglich drei Treffer. Nagelsmann hatte erst im September 2023 das Amt von Hansi Flick übernommen, nachdem dieser nach einer 1:4-Testspielniederlage gegen Japan entlassen worden war.
Kritik an Turniervorbereitung
Experten und ehemalige Nationalspieler kritisierten vor allem die mangelhafte Vorbereitung. „Die Mannschaft wirkte ideenlos und ohne klare Strategie. Das lag nicht nur an den Spielern, sondern auch an der taktischen Ausrichtung“, erklärte der frühere Nationalspieler Lothar Matthäus. Auch die Zusammenstellung des Kaders wurde hinterfragt: Nagelsmann hatte auf einige erfahrene Spieler verzichtet und stattdessen auf junge, unerfahrene Kräfte gesetzt. „Es war ein Risiko, das nicht aufgegangen ist“, so Matthäus.
Neuendorfs Rolle unter Druck
Neuendorf selbst steht ebenfalls unter Druck. Der frühere SPD-Politiker war erst 2022 zum DFB-Präsidenten gewählt worden und hatte eine Erneuerung des Verbandes versprochen. Nach dem WM-Desaster fordern erste Stimmen aus den Landesverbänden Konsequenzen. „Der DFB braucht einen Neuanfang – sportlich und strukturell. Da muss sich auch der Präsident hinterfragen lassen“, sagte ein nicht namentlich genannter Funktionär.
Wie der DFB mit der Situation umgeht, bleibt abzuwarten. Eine Präsidiumssitzung ist für die kommende Woche anberaumt. Dort soll auch über die Zukunft von Nagelsmann beraten werden. Sollte der Bundestrainer gehen müssen, stünden mögliche Nachfolger wie Stefan Kuntz oder Ralf Rangnick im Raum. Für Neuendorf geht es nun darum, die Wogen zu glätten und einen Weg aus der Krise zu finden – ohne dabei selbst zum Opfer der Entwicklung zu werden.



