Nagelsmanns klare Linie: Die WM-Strategie geht vor individueller Form
Am heutigen Abend bestreitet die deutsche Fußballnationalmannschaft in Stuttgart ihr letztes Testspiel vor der entscheidenden WM-Kadernominierung am 12. Mai. Gegner ist Ghana, das erst kürzlich eine deutliche 1:5-Niederlage gegen Österreich hinnehmen musste. Die wohl meistdiskutierte Frage im Vorfeld dieses wichtigen Vorbereitungsspiels hat Bundestrainer Julian Nagelsmann bereits indirekt beantwortet: VfB-Stürmer Deniz Undav wird in seinem Heimstadion nicht in der Startelf stehen, sondern als Einwechselspieler zum Einsatz kommen.
Die Rollen-Gespräche: Nagelsmanns Erfolgsmodell
Der 38-jährige Nationaltrainer hat während der Länderspielpause sogenannte „Rollen-Gespräche“ mit allen Spielern geführt. Dabei wurden drei klare Kategorien definiert:
- Stammspieler, die gesetzt sind und das Gerüst der Mannschaft bilden
- Herausforderer, die nah an der Startelf stehen und um einen Platz kämpfen
- Kaderspieler, die als Joker wichtige Unterstützung leisten sollen
Dieses hierarchische Teamkonzept hat sich der Deutsche Fußball-Bund beim erfolgreichen Basketball-Bundestrainer Gordon Herbert abgeschaut, der 2023 mit der deutschen Basketball-Nationalmannschaft sensationell den Weltmeistertitel gewann.
Undavs Position im Sturm-Ranking
In Nagelsmanns aktueller Sturm-Hierarchie nimmt Deniz Undav eine klar definierte Position ein: Kai Havertz gilt als gesetzter Stammspieler, Nick Woltemade wird als Herausforderer eingestuft, während Undav die Rolle des Jokers zugedacht ist. Der VfB-Stürmer hat in dieser Saison beeindruckende 18 Ligatore erzielt und befindet sich in ausgezeichneter Form.
Dennoch betont Nagelsmann, dass der heutige Test gegen Ghana vorrangig dazu dient, Automatismen einzustudieren und Abläufe zu perfektionieren, damit im Sommer bei der Weltmeisterschaft alles reibungslos funktioniert. Diese kollektive Vorbereitung sei wichtiger, als das gesamte Spielsystem für einen einzelnen, formstarken Spieler umzustellen.
Das große Ganze im Blick
Oder um es noch deutlicher auszudrücken: Die Weltmeisterschaft als Gesamtprojekt ist bedeutender als die individuelle Frage nach einem einzelnen Spieler. Nagelsmann muss konsequent den Weg verfolgen, von dem er persönlich überzeugt ist. Im Sport gilt schließlich eine einfache Wahrheit: Solange der Trainer gewinnt, hat er in der Regel recht.
Interessanterweise wurde Gordon Herbert mit den Basketballern nicht nur ungeschlagen Weltmeister, sondern triumphierte dabei auch gegen vermeintlich weitaus stärkere Gegner. Dies unterstreicht die Wirksamkeit eines klaren Rollenverständnisses und einer festen Teamhierarchie im Hochleistungssport.



