Seit 1855 werden in Hamburg-Horn Galopprennen ausgetragen, doch einen solchen Mammut-Tag gab es noch nie. Am 2. Juli 2026 begann das erste Rennen um 11:20 Uhr, das sechzehnte und letzte endete um 20:15 Uhr – ein neunstündiger Distanzritt in die Zukunft. Neben zwölf Galopprennen spannten auch die Traber an, und dies könnte in den kommenden Jahren häufiger vorkommen. Grund dafür ist die bevorstehende Schließung der Trabrennbahn in Bahrenfeld zum Jahresende, wodurch das Projekt einer Doppelrennbahn neuen Auftrieb erhalten hat.
Großer Preis von Lotto Hamburg: Seguro siegt im Foto-Finish
Den größten Jubel der 5250 Zuschauer gab es beim Großen Preis von Lotto Hamburg über 2000 Meter. Nach einem irren Finale stand Jockey Benjamin Marie (24) jubelnd in den Steigbügeln, während sein Hengst Seguro (3) wieherte. Auf den letzten 50 Metern kämpfte sich Marie ganz innen nach vorne und sicherte Züchter und Besitzer Thomas Schäffer, einem Steuerberater aus Rastatt, 32.000 Euro Siegprämie plus 9600 Euro Züchterprämie. „Ich habe mich wahnsinnig gefreut“, strahlte Trainer Andreas Suborics (54). „Gegen die älteren Pferde so zu bestehen, ist eine tolle Leistung.“ Marie betonte: „Er ist noch sehr babyhaft.“
Vom kleinen Fohlen zum Sieger: Seguros Entwicklungsweg
Seguro war als Fohlen im Gestüt Etzean im Odenwald klein und zierlich. Doch schon damals beruhigte Gestütsleiter Schäffer: „Hauptsache, er hat ein Kämpferherz.“ Im vergangenen Winter musste dem Hengst ein freier Gelenkkörper aus dem Bein operiert werden – ein Grund, warum er nicht für das Derby genannt wurde. „Jetzt ist er deutlich entspannter, auch im Rennverlauf, das war heute perfekt“, sagte Suborics. „Spekulationen, wie es im Derby gewesen wäre, bringen ja nichts.“
Tralopp-Renntag: Traber mit Startproblemen
Passend zum „Tralopp-Renntag“: Der Vater von Sieg-Jockey Marie arbeitet in Frankreich als Trabertrainer, Benjamin selbst war in seiner Heimat ebenfalls im Trabreiten erfolgreich. Die Trabrennen in Horn begannen am Mittag jedoch mit einem kapitalen Motorschaden. Der Rennverein HTZ hatte extra den Startwagen aus Cuxhaven herbringen lassen, der bei den Duhner Wattrennen im Einsatz ist. Doch als er vom Anhänger rollte, rauchte der Motor ab. Die Folge: Die vier Trabrennen mussten mit der Flagge gestartet werden. Für Goldhelm Michael Nimczyk (40) war dies jedoch kein Problem. Er gewann zweimal mit Pferden von Bahrenfeld-Mäzen Günter Herz (85). Der Unternehmer verhandelt seit Monaten im Hintergrund mit Galopp-Vertreter Dr. Andreas Jacobs (62) und der Stadt über den Bau der Doppelrennbahn. Trab-Geschäftsführer Peter Weihermüller sagte: „Ich denke, wir haben eine gute Visitenkarte hinterlassen.“



