Die dritte WM-Apokalypse: Italien erleidet historisches Qualifikations-Aus
Es war ein Abend der bitteren Enttäuschung für den viermaligen Fußball-Weltmeister. Italien verpasst zum dritten Mal in Folge die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft – ein historisch einmaliger Tiefpunkt für die traditionsreiche Fußballnation. Im entscheidenden Qualifikationsspiel unterlag die Squadra Azzurra Bosnien-Herzegowina mit 1:4 im Elfmeterschießen nach einem dramatischen 1:1 nach regulärer Spielzeit und Verlängerung.
Drama mit Platzverweis und Elfmeter-Nervenschwäche
Die Italiener schienen zunächst auf Kurs, als Moises Kean in der 15. Minute die Führung erzielte. Doch die Wende kam noch in der ersten Halbzeit: Alessandro Bastoni sah in der 41. Minute nach einer Notbremse die Rote Karte und ließ seine Mannschaft mit zehn Spielern zurück. Trotz der zahlenmäßigen Unterlegenheit hielten die Italiener lange Zeit ihre Führung, bis Haris Tabakovic von Borussia Mönchengladbach in der 79. Minute den Ausgleich erzielte.
In der Verlängerung blieb es beim 1:1, sodass das Elfmeterschießen über das WM-Schicksal entscheiden musste. Hier zeigte sich die mentale Schwäche der Italiener: Francesco Pio Esposito schoss den Ball über das Tor, Bryan Cristante traf nur die Latte. Die Bosnier dagegen bewiesen bemerkenswerte Nervenstärke und verwandelten alle vier ihrer Elfmeter.
Donnarummas Verzweiflung und Gattusos Entschuldigung
Torhüter Gianluigi Donnarumma, der eigentlich als Rückhalt der Mannschaft gilt, konnte den entscheidenden Elfmeter von Esmir Bajraktarevic nicht halten. Der Ball rutschte durch seine Hände ins Tor – ein Bild, das die italienische Niederlage symbolisierte. Nach dem Spiel krümmte sich der Torwart verzweifelt auf dem Rasen, während die bosnischen Spieler ihren Matchwinner umjubelten.
Italiens Trainer Gennaro Gattuso zeigte sich nach der Niederlage betroffen: „Die Jungs haben so eine Niederlage nicht verdient. Sie haben bis zum Ende gekämpft, und es tut mir leid, dass es so ausgegangen ist.“ Der ehemalige Mittelfeldstratege übernahm die Verantwortung für das erneute Qualifikations-Aus: „Ich entschuldige mich, dass wir es nicht geschafft haben. Meine Zukunft ist jetzt nicht wichtig. Wichtig war, sich für die Weltmeisterschaft zu qualifizieren.“
Historischer Erfolg für Bosnien-Herzegowina
Für Bosnien-Herzegowina bedeutet der Sieg einen historischen Erfolg. Das Land qualifiziert sich erstmals seit 2014 wieder für eine Weltmeisterschaft. Damals in Brasilien war auch Italien zum letzten Mal bei einem WM-Turnier dabei – eine bittere Ironie der Fußballgeschichte.
Verbandspräsident Gabriela Gavano sprach sich trotz der enttäuschenden Niederlage für eine Weiterbeschäftigung von Trainer Gattuso aus: „Ich habe Gennaro gebeten zu bleiben und weiterzumachen.“ Ob der ehemalige Raubein tatsächlich im Amt bleibt, ist jedoch ungewiss nach diesem dritten WM-Aus in Folge.
Die italienischen Medien reagierten mit scharfer Kritik auf das erneute Scheitern. Die Gazzetta dello Sport sprach von einem „Albtraum“, während der Corriere della Sera die „italienische Apokalypse“ beklagte. Für die Azzurri beginnt nun eine Phase der intensiven Analyse und des Neuaufbaus, während Bosnien-Herzegowina die Vorbereitung auf das WM-Turnier 2026 beginnen kann.



