Uli Hoeneß verschärft Kritik an Spielerberatern: 'Halsabschneider müssen aussortiert werden'
Bayern Münchens Ehrenpräsident Uli Hoeneß hat seine langjährige Kritik an Spielerberatern deutlich verschärft. Bei einem Auftritt in der Frankfurt School of Finance & Management in Frankfurt am Main forderte der 74-Jährige laut Berichten des Kicker eine klare Trennung zwischen seriösen Beratern und sogenannten Halsabschneidern.
Hoeneß: 'Es kann nicht sein, dass Berater mehr verdienen als Spieler'
Hoeneß betonte in seiner Rede: 'Es gibt sehr viele seriöse Berater, und es gibt sehr viele Halsabschneider. Es muss uns allen gelingen, die Halsabschneider auszusortieren.' Er kritisierte insbesondere die exorbitanten Honorare, die in der Branche üblich geworden sind: 'Teilweise gibt es für drei Mittagessen zehn Millionen, das kann es nicht sein.' Entscheidend sei laut Hoeneß, dass ein Berater nicht den Anspruch habe, mehr zu verdienen als der von ihm vertretene Spieler.
Der Ehrenpräsident kündigte an, dass der FC Bayern München in den kommenden Monaten ein Konzept entwickeln werde, um sich gegen unfaire Praktiken zu wehren. 'Wir haben das Thema auch bei uns sehr kontrovers diskutiert und werden versuchen, ein Konzept zu entwickeln, dass wir uns das nicht mehr gefallen lassen.'
Rekordhonorare trotz jahrelanger Kritik
Die Forderungen von Hoeneß kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Spielerberaterbranche ein Rekordjahr erlebt hat. Laut Angaben des Fußball-Weltverbandes FIFA haben die weltweit 10.525 lizenzierten Spielerberater im Zeitraum vom 1. Januar bis zum 1. Dezember 2025 insgesamt rund 1,167 Milliarden Euro an Honoraren für Transfers kassiert. Damit wurde die bisherige Bestmarke von 758 Millionen Euro aus dem Jahr 2023 deutlich übertroffen.
Seit Jahren versuchen Vereine, die Einnahmen von Spielerberatern zu begrenzen, doch bisher ohne durchschlagenden Erfolg. Hoeneß hatte bereits in der Vergangenheit immer wieder die Branche angegriffen. Nach den langwierigen Vertragsverhandlungen mit Bayern-Innenverteidiger Dayot Upamecano zu Jahresanfang sagte Hoeneß im Februar, der Club werde künftig 'verstärkt Nein sagen und diesen Wahnsinn nicht mitmachen'.
Er drohte damals damit, unfaire Berater auf eine schwarze Liste zu setzen und Spieler, die sie vertreten, nicht mehr zu verpflichten. Upamecano verlängerte schließlich seinen Vertrag bei den Münchnern und soll dort nun zu einem der Topverdiener aufgestiegen sein.
Ausblick: Konzept gegen unfaire Beraterpraktiken
Die verschärfte Rhetorik von Uli Hoeneß unterstreicht die wachsende Frustration in der Fußballwelt über die Macht und die Einnahmen von Spielerberatern. Während seriöse Berater weiterhin als wichtige Partner für Spieler und Vereine gelten, nimmt der Druck zu, gegen unlautere Praktiken vorzugehen.
Die Ankündigung eines konkreten Konzepts durch den FC Bayern München könnte Signalwirkung für andere Clubs haben und eine breitere Diskussion über Regulierung und Transparenz in der Beraterbranche auslösen. Ob dies tatsächlich zu einer nachhaltigen Veränderung führt, bleibt abzuwarten, doch Hoeneß hat mit seinen deutlichen Worten erneut einen wichtigen Impuls gesetzt.



