Hertha BSC sichert Zukunft von Leitl und Weber trotz bevorstehendem Kaderumbau
Der Zweitligist Hertha BSC wird auch bei einem erneuten Verpassen des Bundesliga-Aufstiegs keine personellen Konsequenzen in der sportlichen Führung ziehen. Geschäftsführer Peter Görlich hat Trainer Stefan Leitl und Sportdirektor Benjamin Weber eine klare Jobgarantie für die kommende Spielzeit erteilt. Diese Entscheidung fällt in einer Phase, in der der Berliner Klub gleichzeitig tiefgreifende Einschnitte im Spielerkader ankündigt.
Kontinuität als strategische Entscheidung
Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung begründete Görlich seine Entscheidung mit der Notwendigkeit von Stabilität. „Es ist meine Führungsverantwortung zu fragen: Was ist es wert, das Alte zu ersetze? Diesem Verein tut in seiner Wankelmütigkeit Kontinuität gut“, erklärte der Geschäftsführer. Gleichzeitig betonte er, dass diese Kontinuität nicht mit Passivität verwechselt werden dürfe. „Aber Kontinuität ist nicht mit Mutlosigkeit zu verwechseln. Diese Gesamtorganisation muss sich daran gewöhnen, dass wir kompetitiver werden.“
Die direkte Frage, ob Leitl und Weber auch in der nächsten Saison an Bord bleiben werden, beantwortete Görlich mit einem klaren „Ja“. Damit sendet der Verein ein deutliches Signal der Beständigkeit, während gleichzeitig fundamentale Veränderungen im Kader bevorstehen.
Ungewisse Zukunft für Schlüsselspieler
Während die Führungsetage gesichert ist, bleibt die Zukunft wichtiger Leistungsträger ungewiss. Görlich ließ offen, ob Spieler wie Fabian Reese, Torhüter Tjark Ernst oder das Top-Talent Kennet Eichhorn bei einem Verbleib in der 2. Bundesliga gehalten werden können. „Am liebsten würde ich keinen unserer Spieler abgeben. Aber es gibt einen Markt“, räumte der Geschäftsführer ein.
Die finanzielle Realität zwingt den Klub zu pragmatischen Entscheidungen: „Wenn Angebote für Spieler reinkommen, müssen wir die aufgrund unserer Situation gewissenhaft prüfen und gemeinsam mit den Spielern Entscheidungen treffen. Wir sind nicht der Verein, der es sich leisten kann, Angebote für Spieler einfach wegzuatmen.“ Görlich erinnerte daran, dass Hertha früher über beträchtliche finanzielle Mittel verfügte, diese aber „verspielt“ habe.
Radikaler Umbau des Kaders steht bevor
Klar ist, dass der Kader in der kommenden Saison deutlich schlanker ausfallen wird. Görlich sprach von einem notwendigen „Neustart“ und dem Ziel, „mit einer anderen Kaderstruktur als in den vergangenen Jahren zu starten“. Konkret bedeutet dies eine Reduzierung der Kadergröße und eine Anpassung der Ausgabenstruktur.
Der Geschäftsführer forderte zudem eine grundlegende Mentalitätsänderung: „Der Verein und das Umfeld müssten sich derweil komplett auf die 2. Liga einstellen und sie annehmen. Dazu gehört auch, dass man annimmt, dass man einen Aufstieg nicht mit Hurrafußball erreicht.“ Die aktuelle Saison sieht Görlich als möglichen „Startpunkt für etwas, das tatsächlich zu etwas Größerem führt“.
Hertha vor größter Transformation der Vereinsgeschichte
Peter Görlich beschrieb die Herausforderungen, vor denen Hertha BSC steht, in drastischen Worten: „Wir sind ein hoch verschuldeter Klub. Wir sind ein Klub mit mangelhafter Infrastruktur. Das beginnt beim Trainingsplatz und hört bei den Räumlichkeiten auf. Wir haben keine Trainingsbedingungen auf Bundesligastandard.“
Die Diskrepanz zwischen Selbstverständnis und Realität sei besonders problematisch: „Wir sind ein Klub, der sich in der ersten Liga sieht, aber in der zweiten Liga kickt. Wir sind ein Klub, der sich radikal verändern muss.“ Görlich sieht Hertha vor der „größten Transformation im Fußball“, die sich in allen Bereichen des Vereins widerspiegeln werde.
Diese umfassende Veränderung findet somit unter der bewährten Führung von Trainer Stefan Leitl und Sportdirektor Benjamin Weber statt, die trotz der schwierigen Ausgangslage das Vertrauen der Geschäftsführung genießen.



