Borussia Gladbachs Strategie-Chef Korell: Hintergrundmann mit Einfluss
Steffen Korell (54) ist seit mehr als einem Vierteljahrhundert in verschiedenen Funktionen für Borussia Mönchengladbach tätig. Als ehemaliger Innenverteidiger, Analyst, Teammanager, Kaderplaner und Direktor Scouting blieb er stets ein Mann im Hintergrund. Im exklusiven Interview erklärt er nun, warum er nie die große Bühne suchte und weshalb er sich beruflich beim VfL erneut verändert hat.
Strategischer Wechsel im sportlichen Bereich
Bei Borussia gab es zuletzt erhebliche Fluktuation, allein in dieser Saison wurden Trainer- und Managerposten neu besetzt. Korells Entscheidung, sich ebenfalls zu verändern, ist jedoch kein spontaner Entschluss. „Das ist tatsächlich ein Plan, den ich schon seit längerer Zeit im Kopf habe“, erklärt der 54-Jährige. Nach der erfolgreichen Suche nach dem neuen Sportchef Rouven Schröder teilte Korell diesem mit, dass er in absehbarer Zeit aus dem Tagesgeschäft ausscheiden möchte.
„Ich finde es einfach sehr wichtig, dass sich der sportliche Bereich nicht nur auf das nächste Spiel, den nächsten Transfer, das nächste Trainingslager fokussiert – sondern dass wir strategisch denken: Wo will Gladbach hin, wofür wollen wir stehen, was setzen wir für Leitplanken?“ betont Korell. Diese strategischen Aspekte seien in den vergangenen Jahren teilweise zu kurz gekommen, weshalb er nun vermehrt diese Aufgaben vorantreiben wolle.
Leitplanken und Werte des Vereins
Zu den konkreten Leitplanken, die zu Borussia passen, möchte Korell nicht zu weit ausholen. Als Beispiel nennt er jedoch die Schnittstelle zwischen Lizenz- und Jugendbereich. „Alle wollen eigene Talente im Borussia-Park spielen sehen. Dafür ist diese Schnittstelle sehr wichtig. Hier würde ich zukünftig gerne unterstützen“, so der Strategie-Chef. Sein Wechsel sei jedoch keine Altersteilzeit, auch wenn er nicht mehr im täglichen operativen Geschäft präsent sein werde.
Aktuell ist Korell weiterhin aktiv, wie seine jüngste Reise nach Japan zeigt, wo er die sportliche und wirtschaftliche Kooperation in diesem interessanten Markt auslotete. „Ob es insgesamt weniger Arbeit wird, wird sich zeigen“, fügt er schmunzelnd hinzu.
Warum immer Borussia?
Auf die Frage, warum er stets bei Borussia geblieben ist und ob nie ein anderer Klub versucht habe, ihn wegzulotsen, antwortet Korell: „Doch, da gab es das ein oder andere. Es hat sich für mich aber immer besser und richtiger angefühlt, meinen Job hier zu machen.“ Auch das Rampenlicht habe ihn nie gereizt, obwohl er nach dem Wunsch von Ex-Boss Rolf Königs vor vier Jahren Max Eberl hätte beerben sollen.
„Es ist nicht so, dass es mich abgeschreckt hat, im Fernsehen aufzutreten oder Interviews zu geben. Aber gebraucht habe ich das Rampenlicht tatsächlich nie. Was ich immer brauchte und brauche, war Jobzufriedenheit und auch Einfluss, beispielsweise bei den Transfers“, erklärt Korell. In seinen jeweiligen Funktionen habe er stets diesen Einfluss gehabt, weshalb eine Veränderung nicht notwendig erschien. Möglicherweise sei er für den Verein in einer Position der zweiten Reihe sogar wertvoller.
Neuer Scouting-Direktor und aktuelle Kadersituation
Sein Nachfolger als Scouting-Direktor ist André Hechelmann, der von Bayern München kam und zuvor bei Schalke und Mainz mit Rouven Schröder zusammengearbeitet hat. Korell beschreibt ihn als „ausgesprochen fleißigen und extrem akribischen Arbeiter mit einem Top-Netzwerk“. Hechelmanns Erfahrungen, auch bei Transfers aus dem allerhöchsten Regal in München, würden dem Verein helfen.
Den aktuellen Bundesliga-Kader verantwortet Korell noch maßgeblich mit. Auf die Frage, ob dieser stark genug für den Kampf gegen den Abstieg sei, antwortet er mit einem klaren Ja. „Das Spiel jetzt gegen Union hat gezeigt, was diesen Verein extrem auszeichnet: Wenn es richtig eng wird, halten alle zusammen. Egal, was vorher passiert ist, wie groß der Frust bei den Fans war: Wenn es drauf ankommt, sind alle da“, betont der Strategie-Chef.
Zwar sei die Lage aufgrund der leistungsmäßig zusammengerückten Liga und der Verletzungen von Schlüsselspielern wie Tim Kleindienst und Robin Hack angespannt, doch Korell ist zuversichtlich: „Trotzdem bin ich sicher, dass wir es schaffen werden.“



