Fan-Eklat in Dresden: Innenminister Schuster droht mit harten Konsequenzen für Fußball
Fan-Eklat in Dresden: Innenminister droht mit harten Konsequenzen

Fan-Eklat in Dresden: Innenminister Schuster droht mit harten Konsequenzen für Fußball

Die massiven Ausschreitungen beim Zweitliga-Spiel zwischen Dynamo Dresden und Hertha BSC am vergangenen Samstag haben nicht nur den Verein erschüttert, sondern könnten weitreichende Folgen für den gesamten deutschen Fußball haben. Sachsens Innenminister Armin Schuster (CDU) kündigte an, nach diesem erneuten Skandalspiel kein Pardon mehr zu zeigen und verlangt drastische Maßnahmen.

„Meine Geduld hat hier endgültig ein Ende“

„Nach diesem erneuten Skandalspiel kann es für die weiteren Verhandlungen oder Gespräche kein Pardon mehr geben. Meine Geduld hat hier endgültig ein Ende“, erklärte Sachsens Innenminister Armin Schuster gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Die Vorkommnisse in Dresden stünden symbolisch für eine Gewaltfolklore in deutschen Fußballstadien und stellten den gesamten bisherigen Verhandlungsweg mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und der Deutschen Fußball Liga (DFL) infrage.

Schuster betonte, dass er sich die Ergebnisse einer präzisen Aufarbeitung des Spiels durch die Vereine und die Stadt in Zusammenarbeit mit der Polizei persönlich vorlegen lassen werde. Der Charakter der kommenden Innenministerkonferenz im Juni werde maßgeblich davon geprägt sein, wie drakonisch die Konsequenzen aus diesen Krawallexzessen gezogen würden.

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750 Polizisten verhinderten Schlimmeres

Beim Spiel am Samstagabend waren 750 Polizisten aus Bayern und Thüringen sowie der Bereitschaftspolizei Sachsen im Einsatz, um Schlimmeres zu verhindern und einen möglichen Abbruch in der ersten Hälfte abzuwenden. Das Spiel wurde schließlich fortgesetzt, wobei Hertha BSC mit 1:0 gewann. Bei der Polizei sind mehrere Ermittlungsverfahren gegen Fans anhängig, und der DFB kündigte an, nach den Osterfeiertagen Ermittlungsverfahren gegen die Clubs einzuleiten.

Die Ausschreitungen begannen mit dem Abbrennen von Pyrotechnik auf beiden Seiten, woraufhin Anhänger beider Teams über die Zäune kletterten. Dresdner Fans rannten vermummt entlang des Spielfeldes zum Hertha-Fanblock, wo es zu einem kurzen Aufeinandertreffen kam, bei dem Pyrotechnik als Wurfgeschosse eingesetzt wurde. Schiedsrichter Sven Jablonski musste die Begegnung zweimal unterbrechen und schickte die Teams nach den Krawallen in die Kabine.

Vereine reagieren geschockt

Dynamos Sport-Geschäftsführer Sören Gonther zeigte sich tief erschüttert: „Es torpediert, was wir uns rundherum erarbeiten, mit Fanvertretern, Vereinsvertretern, DFL, Polizei und so weiter. Alle arbeiten seit Monaten daran, ein sicheres Stadionerlebnis zu garantieren. Und das nimmt uns als Verein jegliche Argumentation, für Faninteressen einzustehen.“

Sein kaufmännischer Kollege Stephan Zimmermann ergänzte: „Die Bilder sind nicht akzeptabel und schaden nicht nur unserem Verein, sondern dem gesamten Fußball in Deutschland massiv. Da sind solche Szenen ein absoluter Schlag ins Kontor.“

Hertha-Verantwortliche kritisieren eigenes Fehlverhalten

Auch auf Seiten von Hertha BSC wurde das Fehlverhalten der eigenen Fans deutlich kritisiert. Geschäftsführer Peter Görlich räumte ein: „Das ist natürlich Wasser auf die Mühlen der großen Kritiker. Das ist uns bewusst.“ Die Geschehnisse entsprächen nicht seinem Wertegerüst. Hertha-Trainer Stefan Leitl bezeichnete die Vorkommnisse als „Schande für den deutschen Fußball“.

Historische Vorfälle bei Dynamo Dresden

Schwere Ausschreitungen sind bei Dynamo Dresden kein neues Phänomen:

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  • 1991 wurde das Europapokalspiel gegen Roter Stern Belgrad abgebrochen, nachdem Fans Steine Richtung Spielfeld geworfen hatten.
  • Im Relegations-Rückspiel beim VfL Osnabrück im Mai 2011 drohte am Ende der Verlängerung ein Abbruch, als die Polizei bereits auf dem Rasen stand.
  • Nach dem Aufstieg in die 2. Liga gab es im Mai 2021 Krawalle am Rande des Spiels gegen Türkgücü München, bei denen 185 Polizeibeamte verletzt wurden.
  • Beim Relegations-Rückspiel gegen Kaiserslautern im Jahr 2022 kam es erneut zu Ausschreitungen.

Trainer Stamm enttäuscht über verpasste Würde

Dynamos Cheftrainer Thomas Stamm zeigte sich sichtlich niedergeschmettert, da das Spiel eigentlich würdevoll mit einer Schweigeminute für den verstorbenen Ehrenspielführer Hans-Jürgen Kreische begonnen hatte. „Keiner hat irgendeinen Mucks gegeben“, sagte Stamm. „Dann stehen nachher leider andere Dinge im Vordergrund, die nichts zu suchen haben im Fußball.“

Die Ereignisse in Dresden haben gezeigt, dass die Debatte um Fan-Verhalten und Stadionsicherheit dringend neu aufgerollt werden muss. Mit der angekündigten harten Linie von Innenminister Schuster und den bevorstehenden Ermittlungen von DFB und Polizei könnte dieser Vorfall zu einem Wendepunkt in der deutschen Fußballkultur werden.