Fabian Reese verlässt Hertha BSC: Wechsel zum VfL Wolfsburg
Fabian Reese verlässt Hertha BSC: Wechsel zu Wolfsburg

Drei Jahre lang hat sich Fabian Reese als Herthaner durch und durch inszeniert. Jetzt wechselt er zum VfL Wolfsburg. Aus sportlichen Gründen, obwohl auch der VfL nur Zweitligist ist. Ein Kommentar von Stefan Hermanns.

Sympathien in der Relegation

Als der VfL Wolfsburg vor gut vier Wochen in der Relegation gegen den Zweitligadritten SC Paderborn um den letzten verbliebenen Platz in der Fußball-Bundesliga gespielt hat, waren die Sympathien im Volk recht einseitig verteilt. Alle gegen Wolfsburg! Alle? Nicht alle! Neben den Anhängern des VfL gab es auch noch ein kleines Häufchen unter den Fans von Hertha BSC, die den Wolfsburgern aus eigennützigen Gründen die Daumen gedrückt haben. Für den Fall nämlich, dass der VfL in der Liga bleiben würde, so hieß es, würde Fabian Reese, Herthas Kapitän, nach Wolfsburg wechseln. Es war nur eine kleine und radikale Minderheit, die so gedacht hat. Aber es gab sie. Denn eigentlich war längst absehbar, dass Hertha sich Reese nicht mehr würde leisten können. Mit seinem Weggang und der daraus resultierenden Ablöse hat er dem Klub sogar noch einen letzten wichtigen Dienst erwiesen.

Reeses Zeit bei Hertha

Drei Jahre lang hat Reese für Hertha gespielt. Er war in dieser Zeit die dominante Persönlichkeit des Vereins, in erster Linie wegen seiner fußballerischen Klasse; aber eben auch durch seine exaltierte Art, die er in Berlin so selbstverständlich ausleben konnte wie vielleicht nirgends sonst in Deutschland. 35 Tore hat Reese in 91 Pflichtspielen für Hertha BSC erzielt.

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Dass Hertha ihm bei aller Verbundenheit zur Stadt Berlin einmal zu klein werden könnte, war trotzdem zu befürchten. Der Klub geht in diesem Sommer in seine vierte Saison als Zweitligist, und die Wahrscheinlichkeit, dass es die vorerst letzte sein wird, ist nach derzeitigem Stand nicht übermäßig groß. Fabian Reese hat andere Ambitionen. „In erster Linie bin ich Sportler und sehr ehrgeizig“, hat er nun in einem Video seines neuen Arbeitgebers über die Motive für seinen Weggang aus Berlin gesagt.

Der neue Arbeitgeber VfL Wolfsburg

Dieser neue Arbeitgeber ist der VfL Wolfsburg, ein Verein also, der in der kommenden Saison mit Hertha in einer Liga spielen wird und der zumindest in der vergangenen Spielzeit gezeigt hat, dass Ehrgeiz in der Mannschaft eher ein Fremdkörper ist. Wenn es im deutschen Fußball einen Klub gibt, der aus seinen Möglichkeiten verlässlich und dramatisch zu wenig herausholt, dann ist es der VfL.

Schon deshalb bleibt nach diesem Transfer ein schales Gefühl. Aber auch wegen der Art, wie sich Reese bei seinem neuen Arbeitgeber präsentiert hat. Es sei „ein super Gefühl“, bei „diesem großen Verein“ sein zu dürfen, hat er in die vereinseigene Kamera gesäuselt. Die Werte dieses Klubs (und natürlich auch die des Mehrheitseigners VW) hätten ihn überzeugt. Und: „Jeden Tag wird’s gefühlt besser.“

Fazit: PR oder echte Verbundenheit?

Ja, das ist die übliche PR, die von den Nomaden des Turbokommerzfußballs erwartet wird, wenn sie ihr Herz an den nächsten Klub verlieren. Und doch provoziert es vor allem eine Frage: War das, was man bei Reese und Hertha drei Jahre lang für echt gehalten hat, vielleicht auch nur PR?

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