Von Münster nach Chiang Mai: Dominik Schads thailändisches Abenteuer
Während der SC Preußen Münster in der 2. Fußball-Bundesliga um den Klassenerhalt kämpft, verfolgt ein ehemaliger Spieler das Geschehen aus großer Entfernung. Dominik Schad, der im vergangenen Jahr noch für die Schwarz-Weiß-Grünen auflief, hat sich einem neuen Abenteuer verschrieben – 11.000 Kilometer entfernt in Thailand.
Vom Preußen zum Warrior: Ein ungewöhnlicher Karriereschritt
Nachdem sein Vertrag in Münster nicht verlängert worden war, suchte der 29-jährige Rechtsverteidiger sechs Monate vergeblich nach einem neuen Verein. Im Winter entschied er sich dann für einen mutigen Schritt: Schad unterschrieb beim thailändischen Erstligisten Lamphun Warriors, der in Chiang Mai beheimatet ist. Die zweitgrößte Stadtregion Thailands mit etwa 2 Millionen Einwohnern bietet nicht nur kulturelle Herausforderungen, sondern auch klimatische Extreme.
„Aktuell haben wir hier eine Temperatur von 37 Grad Celsius,“ berichtet Schad, „doch nächste Woche soll's noch heißer werden. Da sind über 40 Grad vorhergesagt.“ Für einen Europäer sind diese Bedingungen gewöhnungsbedürftig, doch der gebürtige Unterfranke aus Aschaffenburg hat sich arrangiert: „Man kann sich dran gewöhnen. Zumal hier bei uns, anders als im Süden rund um Bangkok, eine trockenere Hitze herrscht.“
Familienleben in der neuen Heimat
Nicht nur sportlich, auch privat hat Schad einen kompletten Neuanfang gewagt. Seine Frau Franziska und der eineinhalbjährige Sohn Lian sind mit nach Thailand gezogen. Die Familie wohnt in einem sogenannten Condo – einem Appartement in einer großzügigen Anlage mit Garten, Pool und Fitnessräumen.
„Wir fühlen uns in Chiang Mai sehr wohl und sicher. Die Gastfreundschaft der Menschen ist unglaublich,“ schwärmt Schad. Besonders schätzt er die hohe Lebensqualität bei vergleichsweise geringen Unterhaltungskosten. „Die Stadt ist sehr wuselig. Aber bei weitem nicht so anstrengend wie Bangkok. Die Metropole schläft nie, ist unfassbar laut und schrill. Bei uns können wir dagegen gut zur Ruhe kommen.“
Sportliche Integration und neue Positionen
Bei den Lamphun Warriors fand Schad schnell seinen Platz. Ein entscheidender Vorteil: Mit Trainer Dennis Amato aus Ludwigshafen hat der Club einen deutschen Chefcoach. Zwei weitere Landsleute komplettieren das deutsche Trio: Mittelstürmer Peniel Mlapa (35) und Innenverteidiger Jonas Schwabe (22).
Unter Amato hat Schad neue Aufgaben übernommen. Statt als Rechtsverteidiger spielt er nun entweder als Sechser oder rechts in einer Dreierkette. „Wobei ich im defensiven Mittelfeld mehr meine läuferischen Stärken einbringen kann,“ erklärt der 29-Jährige. In den ersten zehn Ligaspielen fehlte er keine einzige Minute.
Das sportliche Niveau der Thai League beschreibt Schad als „gutes Drittliga-Format vielleicht“. Aktuell stehen die Warriors auf dem 13. von 16 Plätzen, nur einen Punkt vor der Relegationszone. Die Rahmenbedingungen unterscheiden sich deutlich vom deutschen Fußball: Wegen der hohen Temperaturen finden Spiele grundsätzlich erst ab 18 Uhr statt, und das Zuschauerinteresse hält sich in Grenzen. Während Rekordmeister Buriram United im Schnitt 25.000 Fans anlockt, kommen die Lamphun Warriors auf knapp 3.000 Zuschauer.
Fernweh und Heimweh
Trotz der neuen Herausforderungen verfolgt Schad die Entwicklung seines alten Vereins aufmerksam. „Wenn möglich schaue ich jedes Spiel,“ gesteht er. „Wäre verdammt schade, wenn sie wieder runter in die 3. Liga müssten. Gerade jetzt, wo sich so viel im und um den Verein herum entwickelt.“
Sein Vertrag bei den Warriors läuft zunächst bis zum Sommer, eine Verlängerung ist möglich – und denkbar. „Wir können uns gut vorstellen, länger zu bleiben,“ sagt Schad. Ein längerer Aufenthalt hätte den Vorteil, dass Sohn Lian dreisprachig aufwachsen könnte: mit Deutsch, Englisch und Thai.
Die Reisekosten halten sich in Grenzen: Für Inlandsflüge innerhalb Thailands zahlt die Mannschaft nur etwa 40 Euro pro Person. „Wir verbringen schon viel Zeit in der Luft,“ so Schad, denn zehn der sechzehn Thai-League-Klubs befinden sich im Großraum Bangkok, etwa 700 Kilometer von Chiang Mai entfernt.
Während die Preußen in Münster um den Klassenerhalt zittern, hat Dominik Schad in Thailand nicht nur sportlich, sondern auch privat eine neue Heimat gefunden. Die Hoffnung auf den Verbleib in der zweiten Liga stirbt zuletzt – in Münster genauso wie in Chiang Mai.



