Bayerns Verbands-Boss verspottet DFB mit 'Frankfurter Würstchen' - Machtkampf um Ligen-Reform
Bayerns Verbands-Boss verspottet DFB mit 'Frankfurter Würstchen'

Bayerns Verbands-Chef verspottet DFB mit deftiger Wurst-Metapher

Der anhaltende Streit um die Struktur der deutschen Fußballligen hat eine neue, pikante Note erhalten. Dr. Christoph Kern, der 43-jährige Präsident des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV), hat in einem Interview mit dem Bayerischen Rundfunk den Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit einer ungewöhnlichen kulinarischen Metapher lächerlich gemacht und damit für erhebliche Irritationen gesorgt.

„Frankfurter Würstchen“ statt bayerische Extra-Wurst

Kern bezog sich in seinen provokanten Äußerungen auf die vom DFB eingesetzte Arbeitsgruppe, die Lösungen für die Aufstiegsfrage in den Regionalligen erarbeiten sollte. „Mir wäre ein Frankfurter Würstchen lieber gewesen als eine bayerische Extra-Wurst, um es mal deutlich zu sagen“, erklärte der Verbandspräsident – eine klare Anspielung auf die DFB-Zentrale in Frankfurt am Main.

Der BFV-Chef ließ in seiner Kritik nicht nach und zeigte sich gegenüber dem weltgrößten Sportverband ausgesprochen selbstbewusst. Auf die Frage, ob er befürchte, dass sich der DFB mit einer Lösung durchsetzen könnte, grinste Kern und konterte: „Die Regionalligen werden von den Trägern und Verbänden entschieden, vom DFB kann und wird da auch nichts vorgegeben werden.“

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Der Verbandspräsident machte deutlich, dass er den DFB nicht wirklich ernst nimmt: „Da wird sich der DFB bewegen müssen, was die 3. Liga oder die Diskussionsbereitschaft darüber betrifft.“

Widersprüchliche Positionen und neue Reformvorschläge

Besonders kurios erscheint dabei, dass der Bayerische Fußball-Verband in der DFB-Arbeitsgruppe das bereits seit 2018 bekannte Regionen-Modell als Gegenvorschlag zum sogenannten Kompassmodell durchsetzte – obwohl der bayerische Vereinsvertreter in derselben Arbeitsgruppe vehement gegen diese zweite Variante gestimmt hatte.

Noch merkwürdiger: Nur drei Wochen später wollte Kern vom Regionen-Modell nichts mehr wissen und brachte stattdessen völlig neue Ideen ins Spiel. Der BFV-Präsident schlug nun ein Zwei-Phasen-Modell vor, bei dem die bisherigen fünf Regionalligen in die Hinrunde starten und jeden Winter Aufstiegsrunden mit vier Staffeln und vier Meistern gebildet werden sollen.

Obwohl dieses Konzept bereits bekannt war und auch bei den ostdeutschen Klubs Chancen gehabt hätte, wurde es nicht in die DFB-Arbeitsgruppe eingebracht. Jetzt spricht Kern davon, dass die 3. Liga wieder zweigleisig werden oder aufgestockt werden müsste, damit alle fünf Meister aufsteigen können – eine Position, die in der Branche als wirr und wenig zielorientiert wahrgenommen wird.

Proteste aus der bayerischen Basis

Das Kern-Problem für den Verbandspräsidenten: Die bayerischen Vereine und Fans stehen keineswegs hinter ihm. Bei Drittligist SSV Jahn Regensburg hieß es auf einem Spruchband am vergangenen Wochenende deutlich: „RL-Reform: keine Extra-Wurst für den BFV!“ In Schweinfurt stand auf einem Transparent: „Kompassmodell jetzt – BFV-Privilegien zerschlagen“.

Die Zuschauer scheinen ein feines Gespür dafür zu haben, was wirklich hinter den Reformideen steckt: Kern will mit seinen Vorschlägen offenbar die Regionalliga Bayern und damit seine eigene Machtposition erhalten. Diese Wahrnehmung wird durch die Tatsache gestützt, dass der BFV in der DFB-Arbeitsgruppe nach Informationen der BILD-Zeitung größtenteils als Blockierer auftrat.

Der Widerstand gegen den eigenen Verbandspräsidenten ist in Bayern breit gestreut: Proteste gab es zuletzt nicht nur in Regensburg und Schweinfurt, sondern auch in Burghausen, Bayreuth, Memmingen, Würzburg, Augsburg und sogar von der zweiten Mannschaft des FC Bayern. In den Fanblöcken hängten Bayern-Fans Bilder von Kern und anderen Reform-Blockierern wie Peter Frymuth (Westen) und Ralph-Uwe Schaffert (Norden) verkehrt herum auf.

Fassungslosigkeit in der Fußball-Branche

In der Branche herrscht vor der nächsten wichtigen Sitzung der Verbandspräsidenten am 14. Mai allgemeine Fassungslosigkeit über die Entwicklung. Torsten Ziegner, MDR-Experte und ehemaliger Drittliga-Trainer, bringt die Stimmung auf den Punkt: „Ich bin sauer, dass diese Thematik jetzt nochmal aufkommt, wo man so weit ist. Es bleibt dabei, dass einige Herren Alleingänge versuchen und das gegen den gesamtdeutschen Fußball.“

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Dass Kern mit seinen Äußerungen und widersprüchlichen Positionen DFB-Präsident Bernd Neuendorf brüskiert, scheint den Bayerischen Verbands-Chef nicht zu stören. Neuendorf, der eine Reform der Regionalliga unterstützt und deshalb die DFB-Arbeitsgruppe mit der Erarbeitung von Vorschlägen beauftragt hatte, sieht sich nun mit einer Blockadehaltung konfrontiert, die den gesamten Reformprozess gefährdet.

Die nächste Sitzung der Verbandspräsidenten am 14. Mai wird zeigen, ob der DFB tatsächlich – wie von Kern gefordert – „sich bewegen muss“ oder ob sich der Bayerische Fußball-Verband mit seiner widersprüchlichen Haltung zunehmend isoliert. Fest steht: Der Machtkampf um die Zukunft der deutschen Fußballligen ist noch lange nicht entschieden.