Neubrandenburg öffnet Sportplätze für Freizeitsport trotz Kostenstreit
Neubrandenburg öffnet Sportplätze für Freizeitsport

Die Schulsportanlage an der Kopernikusstraße in der Neubrandenburger Oststadt wird ab dem 7. Juni an Wochenenden und Feiertagen jeweils von 15 bis 19 Uhr frei zugänglich sein. Ebenso steht die kommunale Sportstätte am Weidenweg, allerdings nur sonntags, zur gleichen Zeit dem Freizeitsport zur Verfügung. Einem entsprechenden Antrag der CDUplus-Fraktion hat die Stadtvertretung in ihrer jüngsten Sitzung mit großer Mehrheit zugestimmt. Das Pilotprojekt läuft bis zum 1. November.

Konzept sprengt Budget: Fünffach höhere Kosten geplant

Der Entscheidung war eine Debatte um Kosten und Entscheidungsdruck vorausgegangen. Denn den Prüfauftrag zu einem solchen Pilotprojekt habe die Stadtvertretung schon im Oktober beschlossen, erinnerte Jörg Borchert (CDUplus), der den Antrag einbrachte. Das im Frühjahr aus der Verwaltung vorgelegte Konzept habe jedoch fünfmal mehr gekostet als nötig. Darin seien Öffnungszeiten von 8 bis 20 Uhr an allen Wochenenden, Feiertagen und in den Ferien vorgesehen gewesen, dazu ein dauerhaft anwesender Wachmann und eine Sonderreinigung an jedem Nutzungstag.

„Welches Kind ist sonntags früh um acht auf dem Sportplatz?“, fragte Borchert. Sein geänderter Antrag sehe stattdessen drei Kontrollgänge pro Tag durch einen Wachschutz vor: Öffnen, eine Sichtkontrolle zur Halbzeit, abschließen. Die Reinigung erfolge im 14-Tage-Rhythmus und werde über eine Checkliste dokumentiert. Am Weidenweg sei ohnehin schon ein Wachmann beauftragt, der bisher vier Stunden lang vor verschlossenen Türen Aufsicht halte, so Borchert. Diesen könne man nun für die Öffnung einsetzen. So komme das Vorhaben auf rund ein Fünftel der im Rathaus kalkulierten Summe.

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Kritik an hastiger Vorlage, Zustimmung aus Zeitgründen

Kritik gab es aus mehreren Fraktionen an der Kurzfristigkeit des Antrags. Die Idee unterstütze er ausdrücklich, sagte Holger Hanson (Projekt NB). Die Finanzierung wolle seine Fraktion aber zunächst im Finanzausschuss am 7. Mai prüfen. Im ersten Anlauf habe die CDUplus eine Haushaltsposition herangezogen, die durch frühere Beschlüsse überholt sei. Im Verlauf der Debatte zog Hanson seinen Verweisungsantrag jedoch zurück.

Auch Michael Stieber (SPD/Grüne, Fraktionsvorsitzender) monierte die kurzfristige Einbringung. Einen Antrag dieser Tragweite erst zwei Tage vor der Sitzung vorzulegen, dazu zwei Änderungsblätter, werde weder den Fachausschüssen noch den sachkundigen Einwohnern gerecht. Aus Zeitgründen und wegen der inhaltlichen Zustimmung zum Projekt wolle seine Fraktion das Vorhaben dennoch befürworten.

Björn Bromberger, Fraktionsvorsitzender der CDUplus, räumte die Kurzfristigkeit ein. Die Beschlussvorlage sei in enger Abstimmung mit der Verwaltung entstanden, der Pilotzeitraum solle aber noch vor den Schulferien beginnen können. Tim Großmüller (fraktionslos) verband seine Zustimmung mit der Bemerkung, vergleichbares Engagement vermisse er bei den Jugendclubs der Stadt; dort höre man bei jedem Vorhaben, es sei zu teuer.

Vorbild: Landkreis öffnet Schul-Sportanlagen nachmittags

Vorbilder hat das Neubrandenburger Modell in unmittelbarer Nähe: Am Gymnasium Carolinum in Neustrelitz öffnet der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte als Schulträger die Sportanlage seit dem 2. Juni 2025 nach Schulschluss für den Freizeitsport. Schulleiter Henry Tesch hatte das Pilotprojekt nach Vandalismus und Vermüllung selbst angeregt. Im November 2025 wurde die Erweiterung auf die Integrierte Gesamtschule „Walter Karbe“ angekündigt.

Den ältesten deutschen Vorlauf hat München: Dort beschloss der Stadtrat bereits 1992 das Programm „Vom Schulhof zum Spielhof“ und öffnete Schulhöfe und Schulsportanlagen erstmals nachmittags und an Wochenenden. Der Münchner Stadtrat bestätigte das Modell 2022 ausdrücklich und weitete es aus. In Rostock und Schwerin gibt es bisher kein vergleichbares Konzept zur Öffnung kommunaler Sportanlagen außerhalb vertraglicher Nutzung; beide Hansestädte setzen auf öffentlich frei zugängliche Bolzplätze und ein zentrales Buchungssystem für die übrigen Sportstätten.

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