Der Bochumer Boxer Agit Kabayel hat Box-Geschichte geschrieben: Der 33-Jährige wurde vom Weltverband WBC zum Schwergewichts-Weltmeister ernannt – der erste deutsche Champion in dieser Gewichtsklasse seit Max Schmeling im Jahr 1932. Die Ernennung erfolgte kampflos, nachdem der bisherige Titelträger Oleksandr Usyk seine drei WM-Gürtel niedergelegt hatte.
„Unbeschreiblich“ – Kabayel reagiert emotional
Kabayel, der sich eigentlich im Spanien-Urlaub befand, erhielt die Nachricht während eines Videoanrufs von WBC-Präsident Mauricio Sulaiman. „Unbeschreiblich, wirklich, mir fehlen die Worte“, sagte er auf Instagram. „Nach knapp 95 Jahren der erste Schwergewichts-Weltmeister nach Max Schmeling, der erste kurdische Schwergewichts-Weltmeister. Es ist wirklich unbeschreiblich.“ Auch sein Box-Promoter aus England sprach von einem „historischen Tag für den Boxsport in Deutschland“.
Kampfloser Titel: Usyk legt Gürtel nieder
Ermöglicht wurde der Titelgewinn durch die Entscheidung von Oleksandr Usyk, der als aktuell bester Schwergewichtler galt. Usyk hatte es geschafft, die Titel der konkurrierenden Boxverbände zu vereinen, ließ jedoch offen, ob er sich komplett zurückzieht. Statt des erwarteten Duells zwischen Kabayel und Usyk in Deutschland im Herbst kommt es nun nicht zu diesem Kampf. Kabayel hatte das Duell in den vergangenen Monaten immer wieder lautstark gefordert, zuletzt im Trikot der Fußball-Nationalmannschaft bei Usyks Kampf in Ägypten. Im Februar hatte der WBC den Kampf angeordnet, weil Usyk immer andere Pläne hatte.
Kabayels Weg zum Titel: Interims-WM und Siege
Kabayel hatte sich den Gürtel gesichert, weil er Anfang 2025 den Interims-WM-Titel nach einem K.o. gegen den Chinesen Zhilei Zhang gewonnen hatte. Er stand damit als Herausforderer in der Pole-Position. Im Januar verteidigte er diesen Gürtel in Oberhausen vor elektrisierender Kulisse erfolgreich gegen den Polen Damian Knyba. Der aktuell in 27 Profiduellen ungeschlagene Profi kämpfte in Deutschland mit Akzeptanzproblemen und betonte immer wieder: „Wenn Deutschland es irgendwann akzeptiert, dass ein Agit Kabayel auch Deutsch sein kann, dann können wir große Meilensteine setzen.“
Ex-Profi Schulz: „Kampflos Weltmeister zu werden, ist ein bisschen ungünstig“
Axel Schulz, ehemaliger Profiboxer, freute sich für Kabayel, bedauerte aber die kampflose Titelvergabe. „Es ist schade für Agit, weil er die letzten drei Kämpfe sensationell bestritten hat. Das waren Bewährungsproben, die er eindrucksvoll gelöst hat“, sagte der 57-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. „Kampflos Weltmeister zu werden, ist ein bisschen ungünstig.“ Schulz kritisierte zudem die undurchsichtigen Titelvergaben durch die vielen konkurrierenden Boxverbände und forderte einen Sender, der Boxkämpfe regelmäßig und ohne Zusatzkosten überträgt.
Usyk als Nummer eins: Schulz vermisst den Kampf
Usyk sei die unangefochtene Nummer eins gewesen, meinte Schulz. „Dass er die Titel niederlegt, ist traurig.“ Er hätte sich gegen Kabayel stellen müssen, befand Schulz. Nun sei es wichtig, dass Kabayel einen guten nächsten Gegner bekomme. Das Management teilte auf dpa-Anfrage mit, dass es Gespräche mit dem Verband geben werde. „Das Ziel ist weiterhin klar: Agit möchte noch im Herbst in Deutschland kämpfen, bestenfalls einen sehr, sehr großen Kampf machen.“
Zukunft: Große Arena in Deutschland?
Die große Frage ist, ob Kabayel weiterhin im Herbst in einer großen Arena wie in Düsseldorf oder Gelsenkirchen kämpfen wird und wie namhaft der Gegner sein wird. Bis dahin genießt er die Freudenbotschaft in der Sonne Spaniens. „Ich brauche noch Zeit, um das Ganze zu realisieren. Nach 16, 17 Jahre harter Arbeit bin ich am Ziel angekommen“, sagte Kabayel. „Ich glaube, die meisten haben mir nicht mal zugetraut, dass ich deutscher Meister werden kann im Schwergewicht. Und jetzt stehen wir in den Geschichtsbüchern drin mit Muhammad Ali, Mike Tyson, Lennox Lewis.“



