Jan-Lennard Struff hat als 36-Jähriger Tennisgeschichte geschrieben: Er ist der älteste Profi der Open Era, der erstmals ein Grand-Slam-Viertelfinale erreicht. In Wimbledon setzte er sich im Achtelfinale gegen den Polen Hubert Hurkacz durch, der im fünften Satz verletzt aufgeben musste. Zuvor hatte Struff einen 0:2-Satzrückstand aufgeholt und das Match mit 3:6, 6:7 (5:7), 7:6 (7:2), 7:5, 4:2 für sich entschieden.
Dramatische Wende im vierten Satz
Bis zum Ende des vierten Satzes verlief die Partie ausgeglichen. Bei 5:5 und Aufschlag von Struff verließ Hurkacz, der frühere Wimbledon-Halbfinalist und ehemalige Top-Ten-Spieler, den Platz für eine Behandlung. Er hatte bereits nach dem dritten Satz Rückenprobleme gehabt. Struff nutzte die Schwäche seines Gegners und gewann den vierten Satz mit 7:5. Hurkacz versuchte es im fünften Satz mit Risikospiel, doch Struff gab sein erstes Aufschlagspiel ab, glich aber sofort wieder aus. Nach erneuter Behandlung gab Hurkacz beim Stand von 4:2 für Struff auf. „Nur das Beste für Hubi“, sagte Struff nach dem Match. „Das Ende ist hart.“
Rekord für den 36-Jährigen
Mit diesem Sieg steht Struff erstmals in seiner Karriere im Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers. Zuvor war er bei den vier großen Turnieren nie über die dritte Runde hinausgekommen. Nun trifft er auf den italienischen Titelverteidiger Jannik Sinner, sofern dieser seine Favoritenrolle gegen Shintaro Mochizuki aus Japan bestätigt. Struff ist mit 36 Jahren der älteste Spieler, der in der Open Era (seit 1968) sein erstes Grand-Slam-Viertelfinale erreicht. Dies unterstreicht seinen späten Durchbruch auf höchstem Niveau.
Zverev lobt „riesigen Teddybären“
Der deutsche Spitzenspieler Alexander Zverev hatte Struff bereits vor dem Achtelfinale große Erfolge zugetraut. „Das liebe ich an Struffi, der kann 37-mal in Folge erste Runde verlieren und dann auf einmal spielt er Viertelfinale beim Grand Slam“, sagte der Hamburger. „Er ist ein riesiger Teddybär. Er hat, glaube ich, keinen Gramm Böses in sich.“ Zverev selbst steht ebenfalls im Achtelfinale von Wimbledon und trifft am Montagabend (3. Match nach 14.30 Uhr/Prime Video) auf den Tschechen Jiri Lehecka. Der French-Open-Sieger möchte endlich sein erstes Viertelfinale in London erreichen – bisher war für ihn stets im Achtelfinale Schluss.



