Fatale Verkettung in Anklam: Stromabschaltung durch Systemfehler
Ein Anklamer stand plötzlich im Dunkeln, obwohl er regelmäßig seine Stromrechnungen bezahlte. Die Ursache: ein fehlerhafter automatischer Anbieterwechsel, der zu einer ungewollten Vertragsänderung und schließlich zur Stromsperrung führte. Dieser Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Risiken der zunehmenden Digitalisierung in der Energiebranche.
Doppelte Belastung und undurchsichtige Prozesse
Der betroffene Anklamer war überzeugt, weiterhin Kunde bei Energie Vorpommern zu sein, da von diesem Versorger weiterhin Abschläge abgebucht wurden. Gleichzeitig erhielt er jedoch Mahnungen und Sperrandrohungen von Eon, die ihn angeblich mit Strom belieferten. „Ich habe die Schreiben zunächst beantwortet, dann aber einen Anwalt eingeschaltet, weil ich doppelte Zahlungen ablehne“, erklärte der Mann dem Nordkurier.
Energie Vorpommern bestätigte später, dass es „Fehler mit den Abbuchungen“ gab. Die vollautomatisierte Verarbeitung von Lieferantenwechseln habe den fehlerhaften Vorgang nicht erkannt. „Wir nehmen dieses Beispiel zum Anlass, die Prüfroutinen und Automatismen auf Optimierungspotenziale zu untersuchen“, versicherte ein Unternehmenssprecher.
Grundsicherung als Auslöser des Debakels
Eon lieferte den Strom im Rahmen der sogenannten Grundsicherung, da kein anderer Lieferant die Belieferung beim Netzbetreiber angemeldet hatte. Ein Sprecher von Eon betonte, dass der Anklamer bereits seit mehreren Monaten durchgehend von Eon beliefert wurde. Die Sperrung erfolgte, weil „die Kosten für den angefallenen Energieverbrauch über einen längeren Zeitraum nicht beglichen wurden“.
Wie der Anklamer jedoch überhaupt zum Eon-Kunden wurde, bleibt unklar. Weder Energie Vorpommern noch Eon konnten dies erklären. Der Betroffene betonte, keinen persönlichen Kontakt zu Eon-Mitarbeitern gehabt und nichts unterschrieben zu haben.
Betrügerische Methoden in der Region
In der Region Vorpommern häufen sich offenbar Fälle, in denen Stromkunden Verträge auf betrügerische Weise untergeschoben werden. Oft geben sich Personen als Mitarbeiter von Energieversorgern aus, fordern Unterschriften zur Zählerstandbestätigung und schließen so ungewollt neue Verträge ab.
- Anfang des Jahres ereignete sich ein solcher Fall in Eggesin.
- In Pasewalk wurden vermeintliche Vertreter eines Stromanbieters beobachtet, wie sie von Aufgang zu Aufgang gingen.
Die Polizei rät Verbrauchern, Post von neuen Stromanbietern aufmerksam zu lesen und unerwünschte Verträge innerhalb von 14 Tagen zu kündigen. Besonders gefährdet sind Mehrfamilienhäuser mit frei zugänglichen Stromzählern.
Konsequenzen und Entschädigung
Energie Vorpommern hat die kurzfristige Rückzahlung der fehlerhaft eingezogenen Beträge veranlasst. Der Unmut des Anklamers sei verständlich, so der Versorger. Dieser Vorfall zeigt, wie wichtig transparente Prozesse und manuelle Kontrollen in der vollautomatisierten Datenverarbeitung sind, um Verbraucher vor solchen Pannen zu schützen.



