Ein technisches Wunderwerk kehrt zurück: DDR-Legende VT 18.16 rollt wieder
Nach vielen Jahren intensiver Restaurierungsarbeiten erstrahlt eine eisenbahntechnische Legende aus DDR-Zeiten wieder in neuem Glanz. Der legendäre Schnelltriebwagen VT 18.16, liebevoll als DDR-ICE bezeichnet, hat nach siebenjähriger Arbeit der gemeinnützigen Gesellschaft SVT Görlitz seine ersten Testfahrten absolviert und könnte bald wieder an der Ostsee rollen.
Sieben Jahre harter Arbeit für die Rückkehr der Legende
Die besten Zeiten dieser DDR-Legende schienen längst gezählt, doch ein engagierter Trupp aus Eisenbahnenthusiasten machte sich an die Arbeit. Nach exakt 2542 Tagen, also etwa sieben Jahren intensiver Restaurierung, bewegte sich der VT 18.16.07/10 erstmals wieder auf öffentlichen Gleisen. "Wir hoffen, dass alles gut wird. An der Elektrik und den Zugsicherungssystemen sind noch Korrekturen vorzunehmen", erklärt Mario Lieb, Geschäftsführer der SVT Görlitz gGmbH, nach der ersten erfolgreichen Testfahrt.
Zu DDR-Zeiten waren die Züge der Baureihe VT 18.16 das absolute Aushängeschild der Deutschen Reichsbahn und galten als eleganter als ihre westlichen Pendants. International reiste es sich komfortabel in diesen Schnellverkehrstriebwagen, die auf prestigeträchtigen Transitstrecken unterwegs waren und wichtige Devisen ins Land brachten.
Historische Bedeutung und technische Daten
Der erste Zug dieser Baureihe wurde bereits 1963 auf der Leipziger Frühjahrsmesse präsentiert, 1965 folgte die offizielle Inbetriebnahme. Bis 1968 wurden insgesamt sieben vierteilige Triebwagenzüge, zwei Reservemaschinenwagen und sechs Einheitsmittelwagen beschafft. Bekannt wurden die Züge unter Namen wie "Karlex", "Vindobona", "Berlinaren", "Sorbenexpress" oder "Neptun".
Die technischen Daten des vierteiligen Zuges mit zwei Triebwagen und zwei Mittelwagen beeindrucken noch heute:
- Höchstgeschwindigkeit von bis zu 160 Kilometern pro Stunde
- Zwei Motoren mit je 1000 PS für die entsprechende Leistung
- Platz für etwa 140 Fahrgäste
- MITROPA-Restaurantwagen mit 23 Plätzen für die Verköstigung
Fahrten an die Ostsee bereits buchbar
Besonders spannend für Norddeutschland: Zwei der fünf Hauptrouten durchquerten auf dem Weg nach Skandinavien auch Mecklenburg-Vorpommern. Der "Berlinaren" fuhr von Berlin über Pasewalk, Stralsund in Richtung Rügen zum Fährhafen nach Sassnitz, während der "Neptun" an Neustrelitz, Güstrow und Rostock vorbei nach Warnemünde rollte.
Und genau diese Tradition könnte bald wieder aufleben. Im Dresdner Reisebüro Maertens werden bereits Fahrten für Ende 2026 angeboten, darunter eine Fahrt Richtung Ostsee nach Usedom. Angekündigt als "SVT 18.16 Sonderzug Glühwein-Express Usedom", dauert diese Reise fünf Tage mit Abfahrt von Dresden aus und Zustiegsmöglichkeiten in Cottbus und Berlin.
Zukunftspläne und Herausforderungen
Mario Lieb zeigt sich offen für verschiedene Reiseziele: "Grundsätzlich fahren wir dorthin, wo es sich die Leute wünschen." Fahrten zur Hanse Sail nach Rostock oder zu den Störtebeker-Festspielen auf Rügen wären möglich, benötigten aber entsprechende Charteranfragen von privaten Personen, Firmen oder Reisebüros.
Ein besonderer Höhepunkt wären Fahrten nach Schweden über Rostock: "Das macht man aber nicht jedes Jahr, sondern eher alle drei oder vier Jahre", erklärt Lieb, da dies mit hohem Aufwand und Kosten verbunden sei. Der Zug würde jedenfalls auf die Fähre von Rostock nach Trelleborg passen, was eine Mischung der alten "Neptun"- und "Berlinaren"-Routen ermöglichen würde.
Finanzierung und weitere Arbeiten
Die Restaurierung wurde durch Spenden aus ganz Deutschland sowie Fördermittel vom Bundesverkehrsministerium, dem Freistaat und teilweise aus SED-Parteivermögen ermöglicht. Millionenbeträge flossen in den Zug, wobei auch die Ostmecklenburgische Bahnwerk GmbH aus Neustrelitz mitwirkte und die Maschinendrehgestelle des Schienen-Oldies aufarbeitete.
Nun steht der Feinschliff an, und die Zugretter freuen sich weiterhin über Spenden. Denn ein großer Zug verursacht kontinuierlich Kosten - für den teuren Diesel, für weitere finale Arbeiten im Zug oder für die Halle in Radebeul, wo der Zug geschützt untergestellt wird. Eine eisenbahntechnische Legende aus DDR-Zeiten kehrt zurück - und mit ihr vielleicht bald wieder regelmäßige Fahrten in den Norden Deutschlands und an die Ostsee.



