Ein Großprojekt wird das Gesicht von Rostock verändern: Die Warnowbrücke, eine 541 Meter lange Verbindung von Gehlsdorf über die Warnow, soll bis Sommer 2030 fertiggestellt werden. Ab September beginnen die Bauarbeiten, doch die Vergangenheit des Geländes birgt Herausforderungen. Der Boden rund um die Warnow ist mit Schadstoffen belastet, die bei den Bauarbeiten freigesetzt werden könnten. Die Stadt Rostock hat daher strenge Auflagen für die Bauunternehmen erlassen.
Schadstoffbelastung im Boden: Gefahr für Mensch und Umwelt?
Die Ausschreibung für den Bau läuft noch bis zum 31. Juli. Die detaillierte Baubeschreibung umfasst 189 Seiten und weist auf die besonderen Risiken hin. So sind die oberflächennahen Bodenschichten am Gehlsdorfer Ufer aufgrund bekannter Schadstoffbelastungen als allgemein wassergefährdend eingestuft. Im Überschwemmungsbereich der Warnow ist eine Zwischenlagerung kontaminierter Böden daher untersagt. Der Boden muss vor Ort mittels eines in-situ-Verfahrens untersucht werden. Anschließend werden die einzelnen Schichten deklariert und geeignete Entsorgungswege festgelegt.
Ursachen der Belastung: Historische Nutzung und Wassersport
Die Belastung geht auf historische Aufschüttungen und die jahrzehntelange Nutzung des Geländes durch Wassersportvereine zurück. Dabei wurden unter anderem Löse- und Abbeizmittel, Farben, Lacke und Antifouling-Mittel eingesetzt. Erste Bodenuntersuchungen haben Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW), polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Schwermetalle sowie zinnorganische Verbindungen nachgewiesen. Die Stadt betont jedoch, dass keine Gefährdung für Mensch, Boden, Grund- und Oberflächenwasser sowie Pflanzen erkennbar sei.
Risikobewertung und Maßnahmen
Für das Warnow-Projekt wurden differenzierte Risikobewertungen für Teilbereiche wie Widerlager, Uferpromenade, Verkehrsanbindung, Planstraße A, Stadtstrand und Sattelplatz durchgeführt. Entsprechende Maßnahmeempfehlungen sollen in der Ausführungsplanung und beim Bau umgesetzt werden. Vertiefende Schadstoffuntersuchungen sind im Einzelfall vorgesehen. Ziel ist es, schädliche Bodenveränderungen und negative Auswirkungen auf die Gesundheit und die Umwelt zu vermeiden.
Trinkwasser nicht gefährdet
Das Trinkwasser in Rostock ist durch die Bauarbeiten nicht gefährdet. Das Wasserwerk in der Blücherstraße entnimmt Rohwasser aus der Oberwarnow, die hydraulisch nicht von dem betroffenen Gewässerabschnitt (Unterwarnow – Gehlsdorf) beeinflusst wird. Somit besteht kein Gefährdungspotenzial.
Der Baustart für die Brücke ist für September geplant. Die Fertigstellung soll bis Sommer 2030 erfolgen. In den Bau fließen Fördermittel in Höhe von 36 Millionen Euro, die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 63 Millionen Euro.



