Opposition und Wirtschaft kritisieren Schönrechnerei der Schwesig-Regierung in MV
In Mecklenburg-Vorpommern entbrennt ein heftiger Streit um die wirtschaftliche Entwicklung des Bundeslandes. Opposition und Wirtschaftsvertreter werfen der Landesregierung unter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) vor, Wirtschaftsdaten systematisch zu beschönigen und ein verzerrtes Bild der Realität zu zeichnen. Im Zentrum der Kritik steht Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Schulte, der zuvor als Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Landtag tätig war.
Staatssekretär verkündet vermeintlichen Aufschwung
Jochen Schulte hatte in der Karwoche stolz verkündet, dass Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaft im Jahr 2025 deutlich gewachsen sei. Nach Berechnungen des Arbeitskreises Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder sei das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,4 Prozent gestiegen – deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 0,2 Prozent. Damit gehöre Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam mit Bremen zu den wachstumsstärksten Bundesländern Deutschlands. „Das ist ein starkes Signal in wirtschaftlich schwierigen Zeiten“, betonte Schulte optimistisch.
Unternehmerverbände widersprechen vehement
Doch bereits wenige Stunden später erhob die Wirtschaft scharfen Widerspruch. Sven Müller, Stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmerverbände in MV, kritisierte die Darstellung der Landesregierung als irreführend. „Regelmäßig lobt sich die Landesregierung jährlich aufs Neue ob eines über dem Bundesdurchschnitt liegenden Wirtschaftswachstums“, so Müller. Zwar weise eine erste vorläufige Berechnung tatsächlich ein Plus für 2025 aus, doch in den vergangenen Jahren seien die Zahlen im Verlauf weiterer Berechnungen regelmäßig nach unten korrigiert worden.
Müller wies darauf hin, dass Mecklenburg-Vorpommern in den Jahren 2023 und 2024 am Ende sogar jeweils ein Minus habe ausweisen müssen. Das für 2025 vorläufige Plus in Höhe von 1,4 Prozent basiere demnach allein auf dem realen Minus in 2024. Ohne diesen Effekt läge es nach derzeitigem Stand bei nur 0,3 Prozent. „Bei aller Freude über einzelne Erfolge sollte die Landesregierung nicht der Versuchung unterliegen, die Situation im Land schönzureden“, mahnte der Wirtschaftsvertreter.
CDU spricht von politischen Taschenspielertricks
Wolfgang Waldmüller, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, ging in seiner Kritik noch weiter. Er sprach hinsichtlich der Kommunikation der Landesregierung von einem „handfesten Skandal und politischen Taschenspielertricks“. Obwohl die Landesregierung um die Unsicherheiten der ersten Berechnungsstände wisse, verkünde sie weiterhin positive Werte, während Korrekturen zum Negativen totgeschwiegen würden.
„Es ist kein Wunder, dass die Unternehmen des Landes zunehmend eine verzerrte Wahrnehmung der wirtschaftlichen Realität auf Seiten der Landesregierung beklagen“, so Waldmüller. Die Lage vieler Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern unterscheide sich deutlich von dem rosaroten Bild, welches die Regierung Schwesig in ihren Pressemitteilungen zu malen suche. Die harten Fakten, ob bei Beschäftigungsabbau oder Arbeitslosigkeit, sprächen eine deutliche Sprache.
AfD kritisiert systematische Schönfärberei
Ähnlich argumentierte Martin Schmidt, wirtschaftlicher Sprecher der AfD-Fraktion. „Die rot-rote Landesregierung tänzelt seit Jahren systematisch um ihr goldenes BIP-Kalb. Sie jubelt weiterhin mit vorläufigen, kaum belastbaren BIP-Zahlen über Wachstum, obwohl sie genau weiß, dass diese sich regelmäßig dramatisch nach unten korrigieren“, kritisierte Schmidt.
Der AfD-Politiker wies darauf hin, dass Mecklenburg-Vorpommern bei Durchschnittseinkommen und Kaufkraft bundesweit am unteren Ende liege und beim Glücksatlas seit Jahren das Schlusslicht bilde – mit weiter sinkender Lebenszufriedenheit. „Die harten Fakten zu Beschäftigungsabbau, Arbeitslosigkeit und Unternehmensproblemen passen nicht zum Jubel der Regierung“, so Schmidt abschließend.
Unternehmer fordern Fokus auf Transformation
Sven Müller von den Unternehmerverbänden betonte, dass Mecklenburg-Vorpommern wie Gesamtdeutschland einer tiefgreifenden Transformation unterliege und man erst am Beginn dieses Prozesses stehe. Dazu gehöre, das Industriekonzept MV permanent weiterzuentwickeln. Darauf müsse sich die Regierung konzentrieren, anstatt vorläufige Zahlen überzubewerten.
Die Kontroverse zeigt, dass in Mecklenburg-Vorpommern nicht nur Wahlkampf herrscht, sondern auch grundlegende Differenzen in der Bewertung der wirtschaftlichen Entwicklung bestehen. Während die Landesregierung Erfolge betont, sehen Opposition und Wirtschaftsvertreter dringenden Handlungsbedarf und kritisieren eine systematische Schönfärberei wirtschaftlicher Daten.



