Hohe Heizkosten in Jürgenstorf: Netzverbindung als Lösung
In Jürgenstorf sorgt das Thema Wärmeversorgung regelmäßig für hitzige Diskussionen und Frustration bei den Bewohnern. Die Fernwärme ist hier besonders teuer und belastet die Haushalte spürbar. Bürgermeister Mathias Writschan räumt ein: „Wir wollen die Probleme nicht schönreden.“ Doch nun gibt es einen konkreten Schritt zur Entlastung: Die Verbindung der Fernwärmenetze von Jürgenstorf und Stavenhagen wird gebaut, mit dem Ziel, die Preise ab 2028 zu senken.
Fünf Kilometer lange Trasse geplant
Steffen Oriwol, Geschäftsführer der Wärmeversorgung Stavenhagen, erklärt, dass die Preise erst sinken und stabiler bleiben können, wenn Jürgenstorf an das Fernwärmenetz der Reuterstadt angeschlossen ist und Abwärme aus der Klärschlammverbrennung des EEW (Energy from Waste) erhält. Dieser Prozess wird noch mindestens zwei Jahre dauern. In diesem Jahr soll mit dem Bau einer rund fünf Kilometer langen Verbindungsleitung begonnen werden, die vom Heizhaus am Gülzower Damm über Pribbenow bis zum Wiesengrund Jürgenstorf führt. Bis Mitte 2028 soll die Trasse fertiggestellt sein. Oriwol betont: „Dann wird Jürgenstorf die Nummer Eins bei der klimaneutralen Wärmeversorgung sein. Und darauf sollte man stolz sein.“
Historischer Hintergrund und aktuelle Herausforderungen
Jürgenstorf hat eine Besonderheit: 98 Prozent der Haushalte heizen mit Fernwärme, was selten ist. Vor 33 Jahren entschied sich die Gemeinde, die Wärmeversorgung gemeinschaftlich zu organisieren und ein Fernwärmenetz zu bauen. Die Warener Straße war die erste erschlossene Straße, zuletzt kam das neue Wohngebiet im Wiesengrund vor zehn Jahren ans Netz. Seit 2004 wird zu 30 Prozent Abwärme aus der Biogasanlage des Gutes Jürgenstorf eingespeist. Doch mit dem Ukrainekrieg explodierten die Energiepreise, was die Heizkostenabrechnungen der Jürgenstorfer von Jahr zu Jahr höher ausfallen ließ. Heidelore Köhler berichtet, dass ihre Familie 2021 noch 2600 Euro im Jahr fürs Heizen zahlte, 2023 waren es 3200 Euro und im vergangenen Jahr 5200 Euro. Ein Rentner fühlt sich sogar in seiner Existenz bedroht, da er von 1000 Euro Rente im Monat jährlich 6000 Euro Heizkosten zahlen soll.
Testphase und zukünftige Pläne
Im Vorjahr wurde in Stavenhagen eine Trasse vom EEW in der Schultetusstraße zum Heizhaus am Gülzower Damm fertiggestellt, um Energie aus der Klärschlammverbrennung zu nutzen. Der Betrieb wird derzeit getestet. Ursprünglich sollte danach erst das Netz in Stavenhagen ausgebaut werden, doch nun wird der Zusammenschluss der Netze Stavenhagen und Jürgenstorf vorgezogen. Für den Bau der Verbindungsleitung müssen nur noch einige private Grundstücke erworben werden, dann kann es losgehen. Oriwol versteht den Frust der Kunden, kann aber nichts an der aktuellen Lage ändern. Zukünftig will das Unternehmen nicht mehr auf fossile Brennstoffe angewiesen sein und sich ganz davon trennen.
Preisprognosen und Ausblick
Aktuell zahlen die Jürgenstorfer 211 Euro für eine Megawattstunde Fernwärme, etwas über dem Durchschnitt in Mecklenburg-Vorpommern. Bei Erreichen der Klimaneutralität soll der Preis 2028 nach ersten Berechnungen auf 197 Euro sinken. Mit dem Heizhaus begann vor über 30 Jahren das Projekt Fernwärme in Jürgenstorf, und heute ist fast das ganze Dorf am Netz angeschlossen. Die Einwohnerversammlung zeigte, wie brennend das Thema Wärmeversorgung für viele Jürgenstorfer ist, und die hohe Beteiligung unterstreicht die Dringlichkeit der geplanten Maßnahmen.



