Das Schicksal eines in der Ostsee gestrandeten Buckelwals berührt derzeit viele Menschen. Doch es gab Zeiten, in denen Deutschland die Meeressäuger nicht schützte, sondern systematisch jagte. Während des Nationalsozialismus zählte die Bundesrepublik zu den drei größten Walfangnationen der Welt. Zwischen 1936 und 1939 töteten deutsche Fangflotten in der Antarktis Tausende Blau- und Finnwale, wie das Deutsche Schifffahrtsmuseum (DSM) in Bremerhaven mitteilt.
Walöl als Margarine-Grundstoff
Hintergrund war die Knappheit von Fetten und Ölen in jener Zeit. „Walöl der großen Furchenwale war bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts einer der Hauptbestandteile von Margarine“, erklärt Annika Opitz vom DSM. Auch für Seifen und Waschmittel wurde Walöl genutzt. Um unabhängig von Importen aus Norwegen und Großbritannien zu werden, ließ Deutschland sieben Fabrikschiffe und über 50 Fangschiffe bauen. An Bord der Fabrikschiffe wurden die Wale vollständig verwertet: Barten dienten als Korsettstangen, Knochenmehl wurde zu Dünger verarbeitet.
Scrimshaws: Kunst auf Walzähnen
Die Seeleute vertrieben sich die Zeit auf den langen Fahrten, indem sie Bilder in die Zähne erlegter Wale ritzten. Diese Scrimshaws genannten Kunstwerke sind heute im DSM ausgestellt. Ein besonders historisches Zeugnis ist das Fangboot „Rau IX“, das 1939 gebaut wurde und heute als Museumsschiff in Bremerhaven liegt. Es gehört zu einer Serie von Schiffen, die der Margarine-Fabrikant Walter Rau in Niedersachsen in Auftrag gab. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs brach der internationale Walfang in der Antarktis zusammen. Seitdem besitzt Deutschland keine eigene Walfangflotte mehr.



