Berlin startet großangelegte Offensive gegen die Vermüllung
Die Hauptstadt Berlin intensiviert ihren Kampf gegen die zunehmende Vermüllung im Stadtgebiet. Mit einem Bündel neuer Maßnahmen will der Senat die zahlreichen Dreckecken beseitigen und die Lebensqualität für Bewohner und Besucher deutlich verbessern.
Touristen als Helfer bei der Spree-Säuberung
Ein besonders innovativer Ansatz sieht vor, dass Touristen aktiv bei der Reinigung der Berliner Gewässer mithelfen sollen. Nach dem Vorbild des dänischen „CopenPay“-Programms plant Berlin unter dem Namen „BerlinPay“ ein Belohnungssystem: Wer Abfälle aus der Spree fischt, erhält im Gegenzug Gutscheine für städtische Angebote.
„Wir orientieren uns am sehr sauberen Kopenhagen“, erklärt Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey von der SPD. Ähnlich wie in Dänemark, wo fleißige Touristen mit kostenlosen Eintritten, Führungen oder Getränken belohnt werden, sucht Berlin derzeit nach Kooperationspartnern für diesen umweltfreundlichen Tourismusansatz.
Massiver Ausbau der Müllsheriffs
Parallel dazu stocken alle zwölf Berliner Bezirke ihre Kapazitäten für die Müllüberwachung deutlich auf. In den kommenden Wochen sollen insgesamt 68 sogenannte Müll-Sheriffs im Einsatz sein, die vor allem kleinere Vergehen wie weggeworfene Zigarettenkippen oder Plastiktüten ahnden.
Diese Fahnder benötigen besondere Geduld und Nervenstärke, da sie rechtlich erst eingreifen dürfen, wenn sich die Müllsünder bereits entfernt haben – andernfalls halten verhängte Bußgelder vor Gericht nicht stand. Spezielle Sondereinsatzkommandos wie in Neukölln überwachen bereits jetzt täglich 13 bekannte Müll-Hotspots, wo regelmäßig Bauabfälle, Matratzen oder Elektrogeräte illegal entsorgt werden.
Bußgelder deutlich erhöht
Seit Ende letzten Jahres gelten in Berlin bereits deutlich verschärfte Sanktionen für Umweltvergehen. Ein weggeworfener Einwegbecher kostet den Verursacher nun 250 Euro statt bisher 55 Euro. Nicht entsorgter Hundekot wird mit mindestens 80 Euro statt 55 Euro geahndet.
Die Stadtreinigung BSR musste im Jahr 2025 allein 13 Millionen Euro für die Entsorgung illegal abgelagerter Abfälle aufwenden. „Wer seinen Müll einfach auf die Straße wirft, wirft auch ein Stück Respekt vor unserer Stadt weg“, kritisiert Wirtschaftssenatorin Giffey das anhaltende Problem.
Verpackungssteuer nach Potsdamer Vorbild?
Besonders kontrovers wird derzeit eine mögliche Einführung der Verpackungssteuer diskutiert. Während das benachbarte Potsdam diese Abgabe bereits im Juli für etwa 650 Gastronomiebetriebe einführt – mit 50 Cent pro To-Go-Becher und 20 Cent für Einwegbesteck – ist die Umsetzung in Berlin politisch umstritten.
In ihren Wahlprogrammen haben sowohl Grüne als auch SPD die Verpackungssteuer für die Zeit nach der Berlin-Wahl am 20. September vorgesehen. Der Rat der Bezirksbürgermeister drängt ebenfalls auf eine Einführung, die zusätzliche Einnahmen von 20 bis 30 Millionen Euro bringen könnte.
Wirtschaft warnt vor zusätzlicher Bürokratie
Kritik kommt dagegen von der Berliner Industrie- und Handelskammer. IHK-Geschäftsführerin Manja Schreiner warnt: „Bereits jetzt fallen im Gastgewerbe pro Woche rund 14 Stunden Bürokratie an, um bis zu 125 verschiedene Vorgaben zu erfüllen.“
Zudem sei die Wirksamkeit der Verpackungssteuer in anderen Städten mit entsprechender Abgabe bisher nicht nachgewiesen worden. „Attraktivere Pfand- und Mehrwegsysteme sind vielversprechender als die nächste Steuer“, so Schreiner.
Internationale Wahrnehmung als Ziel
Regierender Bürgermeister Kai Wegner von der CDU betont die übergeordnete Bedeutung der Sauberkeitsinitiative: „Wenn wir es hinbekommen, dass Berlin wieder sauberer und lebenswerter wird, dann wird das auch international wahrgenommen und sicherlich auch wieder den einen oder anderen noch stärker nach Berlin ziehen.“
Die geplanten Maßnahmen zeigen, dass Berlin den Kampf gegen die Vermüllung auf mehreren Ebenen gleichzeitig führen will – von touristischen Anreizen über verstärkte Kontrollen bis hin zu möglichen steuerlichen Lösungen.



