Nach Jahren der Unsicherheit und juristischer Auseinandersetzungen um die Pacht der Insel Kaninchenwerder steht die Stadt Schwerin nun vor einem Neustart. Per Jurysitzung haben die Stadt und ihr Eigenbetrieb, das Zentrale Gebäudemanagement (ZGM), die Weichen für eine neue Perspektive des Kleinods im Schweriner See gestellt. „Wir möchten nicht zurückblicken, sondern in die Zukunft schauen“, sagt Michael Helms, Bereichsleiter Liegenschaften beim ZGM.
Jury favorisiert Konzept mit Umweltfokus
In der Vergangenheit hatte die Insel aufgrund von Streitigkeiten zwischen dem ehemaligen Pächter und der Stadt immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Der Grund: Der Altpächter hatte Verträge bis ins Jahr 2030. Dennoch schrieb die Stadt die Bewirtschaftung neu aus. Nun solle alles besser werden, betont Vize-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum. Schwerin suchte nach einem neuen Pächter, der nicht nur wirtschaftliche Interessen verfolgt, sondern auch die Umweltbelange ernst nimmt, da die Insel unter Naturschutz steht. Immerhin blieben von einst 30 Interessenten über ein Jahr fünf Favoriten weiter an Bord. „Wir haben uns auf diese Bewerber konzentriert, von denen vier weiterhin Interesse bekundeten und ihre Konzepte vor der Jury präsentierten“, so Helms.
Die Jury, bestehend aus Vertretern der Verwaltung, des Tourismus- und des Umweltbereichs, zeigte sich beeindruckt von einem Konzept, das jetzt in intensivere Verhandlungen geht. „Der mögliche neue Betreiber ist ein überregional tätiges Unternehmen, das bereits in Schwerin aktiv ist und sich vorstellen kann, den Firmensitz komplett in die Region zu verlegen“, sagt Helms, ohne jedoch den Namen preiszugeben. Man wolle erst mit Abschluss der Verträge den Namen öffentlich machen.
Investitionen und Ordnung: Insel-Plan mit 700.000 Euro
Ein wesentliches Ziel bleibt, den Tourismus auf der Insel zu fördern und gleichzeitig Ordnung zu bewahren. „Es braucht jemanden vor Ort, der vom Frühling bis in den späten Herbst hin für Ordnung sorgt und die Touristenströme lenkt“, so Helms weiter. Dafür soll es noch in diesem Jahr Investitionen in Höhe von 700.000 Euro in die Infrastruktur der Insel geben, einschließlich der lange gesperrten Terrasse und des durch Feuchtigkeitsschäden betroffenen Daches des Saalgebäudes. „Die Fördergelder liegen bereit“, sagt Helms. Wichtig sei der Stadt auch, dass der zukünftige Pächter selbst Investitionen tätigt, um den Pachtzins niedrig zu halten.
Schwerin plant Shuttle zur Insel
Erklärtes Ziel für Schwerin bleibt, die Insel stärker an den öffentlichen Nahverkehr anzubinden und eventuell einen Shuttle-Verkehr zwischen dem noch im Bau befindlichen Fähranleger Freilichtmuseum Mueß und der Insel zu initiieren. Während die genauen Vertragsbedingungen noch ausgehandelt werden, strebt das ZGM an, bis zur Sommersaison zumindest erste Vornutzungen im Sinne der Wasserwanderer und weiterer Gäste zu realisieren. „Wir möchten einen Pachtvertrag abschließen, der im besten Fall für mehrere Jahrzehnte hält“, erklärt Helms zuversichtlich. Möglich sei ebenso ein Erbpachtvertrag, heißt es seitens der Stadt Schwerin.



