KI-generierter Biber wirbt für Briefwahl in der Uckermark
Ein freundlicher, von künstlicher Intelligenz erzeugter Biber hält einen Brief in der Hand und steht in einer Landschaft, die an die Uckermark erinnern soll. Mit der Aufforderung „Für eine weltoffene Uckermark“ ruft das digitale Maskottchen dazu auf, bei der anstehenden Landratswahl am 19. April per Brief zu wählen. Die Kampagne des Vereins Campact verlinkt auf die Plattform „Wahlbrief.de“, die ein vereinfachtes Formular für die Anmeldung zur Briefwahl bei den Einwohnermeldeämtern bereitstellt.
38.000 Euro für umfangreiche Werbekampagne
Hinter der Plattform stehen die Initiativen „Frag den Staat“ sowie „Campact“, wobei letzterer für die aktuelle Kampagne verantwortlich zeichnet. Seit Anfang April wurde der KI-Biber halbseitig in mehreren lokalen Zeitungen und Anzeigenblättern abgedruckt, darunter im „Lokalfuchs“, dem „Märkischen Sonntag“ und der „Märkischen Oderzeitung“. Zusätzlich wurden Postwurfsendungen an zahlreiche Briefkästen verteilt und digitale Anzeigen geschaltet. Die Gesamtkosten dieser umfassenden Werbeoffensive belaufen sich laut Angaben von Campact auf rund 38.000 Euro.
AfD-Kandidat sieht gezielte Wahlbeeinflussung
Für Felix Teichner, den AfD-Kandidaten bei der Landratswahl, stellt diese Kampagne eine Form der Wahlbeeinflussung von außen dar. In einer Pressemitteilung kritisiert er insbesondere die Formulierung auf einem der Flyer: „Dein Kreuz entscheidet, ob die Uckermark bunt, vielfältig und offen bleibt – oder Rechtsextreme regieren.“ Teichner sieht darin einen klaren Angriff gegen seine Kandidatur, obwohl weder er noch die Gegenkandidatin und Amtsinhaberin Karina Dörk (CDU) namentlich erwähnt werden.
Der AfD-Politiker weist darauf hin, dass Campact für diese einzelne Kampagne ein Vielfaches des AfD-Wahlkampfbudgets ausgebe und bezeichnet dies als „willkommene Hilfe für die amtierende Landrätin Karina Dörk“. Gleichzeitig sieht er darin einen eindeutigen Versuch gezielter Wahlbeeinflussung durch eine Organisation, die an dieser Wahl gar nicht direkt beteiligt sei.
Vergangenheit und Finanzierung im Fokus
Diese Kritik knüpft an frühere Vorwürfe an, wonach Campact mit staatlichen Zuschüssen arbeite, diese aber verschleiere. Bereits vor einem Jahr gab es vergleichbare Kampagnen zur Landratswahl in der benachbarten Mecklenburgischen Seenplatte, bei der Campact in Werbevideos explizit dazu aufrief, den AfD-Kandidaten nicht zu wählen. Eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern ergab jedoch, dass es keine Kontakte oder Zuwendungen von staatlichen Stellen an den Verein gebe.
Campact beschreibt sich selbst als Kampagnen-Organisation, mit der über 4,25 Millionen Menschen für progressive Politik eintreten und die Demokratie verteidigen. Der Verein finanziert sich nach eigenen Angaben ausschließlich durch Spendengelder.
Kampagnenziele: Rechtsextremismus verhindern
Eine Sprecherin von Campact verweist auf die historisch niedrige Wahlbeteiligung bei vergangenen Landratswahlen in der Uckermark, die unter einem Drittel lag. „Damit sich bei dieser entscheidenden Wahl möglichst viele Menschen einbringen, ruft Campact breit zur Briefwahl auf. Gerade im ländlichen Raum kann der Weg zum Wahllokal etwas weiter sein. Die Briefwahl ist niedrigschwellig, einfach und sicher“, erklärt sie.
Auf die Frage nach den konkreten Zielen der Kampagne wird die Sprecherin deutlicher: „Die AfD ist in Brandenburg gesichert rechtsextrem.“ Mit der Uckermark drohe der erste Landkreis im Land in die Hände der AfD zu fallen, und Campact setze sich dafür ein, dies zu verhindern. Als warnendes Beispiel wird das thüringische Sonneberg genannt, wo unter einem AfD-Landrat Nazi-Parolen zum Alltag geworden und rechte Gewalt gestiegen sei.
Symbolik des Bibers kontrovers diskutiert
Interessant ist die Wahl des Bibers als Maskottchen für die Kampagne. Während der Biber in der Uckermark tatsächlich wieder heimisch geworden ist, kritisiert Teichner seine Eignung als Symbolfigur mit dem Hinweis, dass das Tier auch Schäden anrichten könne. Diese metaphorische Ebene unterstreicht die politischen Kontroversen, die die Kampagne ausgelöst hat.
Die Landratswahl in der Uckermark entwickelt sich damit zu einem Schauplatz, bei dem nicht nur lokale Kandidaten, sondern auch überregionale Akteure und ihre Methoden im Fokus stehen. Die Diskussion um angemessene Wahlwerbung, Transparenz und politische Einflussnahme wird die letzten Tage des Wahlkampfs sicherlich weiter begleiten.



