Attacke aus den eigenen Reihen: CDU rechnet mit Spitzenkandidat Hagel ab
Mitten in den kritischen grün-schwarzen Sondierungsgesprächen in Baden-Württemberg kommt es zu einer ungewöhnlich scharfen internen Abrechnung innerhalb der CDU. Der gescheiterte Spitzenkandidat Manuel Hagel wird von Parteikollegen massiv angegriffen und für die verlorene Landtagswahl verantwortlich gemacht.
»Fatale Inhaltslosigkeit und fehlende Spontanität«
Der Landeschef der CDU-Mittelstandsvereinigung (MIT) Baden-Württemberg, Bastian Atzger, übt in einem Meinungsbeitrag für die MIT-Mitgliederzeitschrift »Wirtschaftsforum« fundamentale Kritik an Hagel und dessen Team. Atzger gibt ihnen die Schuld daran, dass ein sicher geglaubter Wahlsieg verspielt worden sei. Ein »schlecht geplanter und ungeschickt ausgeführter Wahlkampf« habe den ursprünglichen Vorsprung der CDU dahinschmelzen lassen.
Nun stehe die Südwest-CDU »vor den Trümmern einer Strategie«, der es an »jeder Form von Angriffslust« gefehlt habe. Der gesamte Wahlkampf habe einer »Fahrt im Schlafwagen« geglichen, »die in kollektive Panik mündete und schließlich in Depression endete«.
Ungenutzte Angriffspunkte und fehlende Authentizität
Atzger hält Hagel dem Grünen-Spitzenkandidaten Cem Özdemir für deutlich unterlegen und bezeichnet das Duell als »asymmetrische Begegnung«. Während Özdemir es »meisterhaft« verstanden habe, sich digital authentisch zu präsentieren und nahbar zu wirken, habe die CDU zahlreiche Angriffspunkte ungenutzt gelassen.
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Als besonders symbolträchtig für das Scheitern nennt Atzger das sogenannte »Rehaugen-Video«. Hagels »unbeholfene Reaktion« habe dabei »eine fatale Inhaltslosigkeit und eine fehlende Spontaneität« entlarvt. Insgesamt sei der Spitzenkandidat »in all seinen Auftritten zu kontrolliert, mit auswendig gelernten Statements, ohne Authentizität« gewesen.
Parteiinterne Abrechnung auf Social Media
Bereits am 9. März hatte Atzger auf der Plattform X (ehemals Twitter) eine schonungslose Bilanz gezogen: »Unklare Inhalte, feige Kampagne und wirre Botschaften – die Boygroup hat sich mit ihrem Wahlkampf selbst besiegt.« Der Begriff »Boygroup« wurde parteiintern für Hagels Umfeld verwendet, das vor allem aus jüngeren Männern bestand.
Als »schmerzhafte Erkenntnis« formuliert Atzger in seinem Beitrag: »Charismatische Führungsstärke lässt sich nicht simulieren.« Die CDU stehe nun vor der Aussicht auf fünf weitere Jahre grüne Regierungsbeteiligung in Baden-Württemberg.
Manuel Hagel selbst wollte sich zu den massiven Vorwürfen seines Parteikollegen bislang nicht öffentlich äußern. Die interne Kritik fällt dabei in eine besonders sensible Phase, da gleichzeitig Sondierungsgespräche zwischen Grünen und CDU über eine mögliche Regierungsbildung laufen.



