Kronprinzessin Mette-Marit bricht Schweigen über Epstein-Freundschaft
In einem bewegenden Fernsehinterview hat Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit (52) erstmals ausführlich über ihre umstrittene Freundschaft mit dem verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein gesprochen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, Kronprinz Haakon (52), gewährte sie dem norwegischen Sender NRK Einblicke in eine schwierige Phase ihres Lebens, die von Manipulation und späterer Reue geprägt war.
„Ich fühle mich so manipuliert“ – Geständnis unter Tränen
Mit zittriger Stimme und sichtlich emotional berichtete Mette-Marit von ihrer Beziehung zu Epstein zwischen 2011 und 2014. „Ich fühle mich so manipuliert“, gestand die Kronprinzessin. „Und wenn man manipuliert wird, begreift man das ja nicht von Anfang an.“ Sie betonte, damals nicht gewusst zu haben, dass Epstein bereits wegen Prostitution einer Minderjährigen verurteilt worden war. Der Multimillionär habe ihre Gutgläubigkeit ausgenutzt: „Ich sehe gerne das Beste in den Menschen.“
Freundschaftlicher Kontakt trotz dunkler Vergangenheit
Die beiden hatten sich 2011 durch gemeinsame Bekannte kennengelernt, als Mette-Marit aufgrund ihrer Arbeit mit einem internationalen Hilfsprojekt häufig in die USA reiste. „Ich wünschte natürlich, ich hätte ihn niemals getroffen“, sagte sie rückblickend. Dennoch beschrieb sie die Beziehung als freundschaftliches Verhältnis, das sich auch in privaten E-Mail-Korrespondenzen zeigte.
Besonders kritisch wurden in Norwegen folgende Passagen aus den Mails bewertet:
- „Du bringst mich immer zum Lächeln“ und „Ich vermisse dich“
- Liebestipps an Epstein, als dieser in Paris auf „Frauenjagd“ war
- Der Kommentar: „Paris ist gut für Ehebruch. Skandinavierinnen sind die besseren Ehefrauen.“
Mette-Marit bezeichnete diesen Austausch heute als „Geplänkel unter Freunden“ und bedauerte den unbedachten Ton.
Googeln mit Smiley – die umstrittene E-Mail
Noch mehr Aufsehen erregte eine E-Mail vom Oktober 2011, in der Mette-Marit Epstein geschrieben haben soll: „Habe dich nach der letzten Mail gegoogelt. Du hast recht, das sieht nicht gut aus :).“ Die Kronprinzessin erklärte, sich nicht mehr an den genauen Kontext erinnern zu können. „Ich wünschte, ich hätte den Rest dieser E-Mail-Korrespondenz noch“, sagte sie. „Aber hätte ich etwas gefunden, das mir klargemacht hätte, dass er ein Sexualstraftäter ist, hätte ich natürlich keinen Smiley geschickt.“
Der Wendepunkt und wachsende Zweifel
Allmählich seien ihr Bedenken gekommen, besonders während eines Aufenthalts in Epsteins Haus in Palm Beach, Florida, im Jahr 2013. Sie habe dort mit einer Bekannten gewohnt, ohne dafür zu bezahlen, und Epsteins Dienstleistungen wie Chauffeur und Friseurbesuche in Anspruch genommen. „Das ist das, was mich am meisten beschäftigt hat“, gestand Mette-Marit unter Tränen, „die Tatsache, dass ich dort war, und nicht zuletzt meine Schuldgefühle gegenüber den Opfern.“
Obwohl sie nie etwas Illegales beobachtet habe – alle Personen seien erwachsen gewesen –, habe sie sich zunehmend unwohl gefühlt. Ein bestimmter Moment habe sie schließlich veranlasst, ihren Mann anzurufen.
Kronprinz Haakon stand seiner Frau zur Seite
Haakon bestätigte im Interview, von der Freundschaft seiner Frau zu Epstein gewusst zu haben. „Das war kein Geheimnis zwischen uns“, sagte der Kronprinz. Seine Unterstützung für Mette-Marit stehe außer Frage: „Wenn man heiratet, dann tut man das schließlich in guten wie in schlechten Tagen.“ Auch König Harald und Königin Sonja hätten ihre Schwiegertochter in dieser schwierigen Zeit sehr unterstützt.
Späte Warnung und öffentliche Reaktion
Mette-Marit bereut heute, nach dem Kontaktabbruch im Sommer 2014 nicht mehr Menschen vor Epstein gewarnt zu haben. „Ich wusste immer noch nichts von all den Übergriffen. Aber mir war klar, dass er ein übler Kerl war, mit dem man nichts zu tun haben sollte“, erklärte sie. „Und ich hatte aus nächster Nähe miterlebt, wie er andere erpresste.“
Die späte Stellungnahme der Kronprinzessin hatte in Norwegen zuvor für Kritik gesorgt. Der Hof hatte dies mit Mette-Marits Gesundheitszustand begründet – sie leidet an einer chronischen Lungenkrankheit. Zudem belastete sie der gerade beendete Vergewaltigungsprozess gegen ihren Sohn Marius Borg Høiby (29).
„Ich bin die Mutter eines jungen Mannes, der sich in einer sehr schwierigen Situation befunden hat“, sagte Mette-Marit. „Außerdem ist mein Gesundheitszustand so, dass ich sehr viel Ruhe brauche. Und dieser Zustand hat sich noch etwas verschlechtert.“
Seit der Veröffentlichung neuer Epstein-Akten im Januar, in denen ihr Name hunderte Male auftauchte, ist die Zustimmung zur Monarchie in Norwegen laut NRK-Umfragen gesunken. Die Kronprinzessin hofft nun, dass ihr Verhalten das Vertrauen in die Monarchie nicht dauerhaft schwächen wird.



