Ukraine-Krieg: Frauen berichten von Plünderungen und ihrem neuen Leben in Deutschland
Ukraine-Krieg: Frauen berichten von Plünderungen und neuem Leben

Vier Jahre Krieg: Ukrainische Frauen berichten von Verlust und Neuanfang

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine tobt seit vier Jahren und hat unermessliches Leid über die Bevölkerung gebracht. Anlässlich dieses traurigen Jahrestages haben wir mit Frauen gesprochen, die vor der Gewalt in ihre Heimat nach Deutschland geflohen sind. Ihre Geschichten zeugen von Zerstörung, Verlust, aber auch von ungebrochenem Willen und Hoffnung.

Plünderungen bis in die intimsten Bereiche

Eine der interviewten Frauen ist Vlada, die ursprünglich aus Mariupol stammt. Bereits 2014 musste ihre Familie vor der russischen Bedrohung nach Odessa fliehen, nur die Großmutter blieb in der Heimatstadt zurück. Nach dem Einmarsch der russischen Armee wurde die Familienwohnung systematisch geplündert. Nicht nur Erinnerungsstücke und Fotoalben wurden zerstört oder gestohlen – die Soldaten rissen sogar die Toilette aus der Wohnung. Für Vlada bedeutet dies den Verlust eines Stücks ihrer Kindheit und Identität.

„Unsere Dreizimmerwohnung, wo ich aufgewachsen bin, existiert nicht mehr“, berichtet Vlada emotional. „Alle unsere Erinnerungen, Fotos, Fotoalben, Andenken, Technik – alles, was da war, existiert nicht mehr.“ Auch die Wohnung ihrer Großmutter in Mariupol sei von russischen Soldaten ausgeraubt worden.

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Getrennte Familien und ständige Angst

Irina lebt mittlerweile mit zwei ihrer drei Kinder in Deutschland. Eine Tochter ist mit ihrem Mann und Enkelkind in Mykolaiv im Süden der Ukraine geblieben. Die ständige Sorge um deren Sicherheit belastet Irina auch in ihrer neuen Umgebung schwer. „Das Wärmekraftwerk ist zerstört und sie haben keine Heizung. Es ist sehr kalt“, beschreibt sie die Situation ihrer Tochter.

Noch dramatischer war die Erfahrung von Vladas Familie: Ihr Bruder blieb nach Kriegsbeginn in Mariupol und lebte zeitweise unter russischer Besatzung. Drei Monate lang gab es kein Lebenszeichen von ihm. „Meine Mutter hat jeden Tag schrecklich geweint. Wir wussten nicht, ob er am Leben ist oder nicht“, erinnert sich Vlada. Der Tag, an dem sie schließlich seine Stimme am Telefon hörte, sei einer der glücklichsten ihres Lebens gewesen.

Unermüdlicher Einsatz trotz allem

Trotz der traumatischen Erlebnisse und der anhaltenden Sorge um ihre Heimat geben die Frauen nicht auf. Tetiana engagiert sich in einem Verein, der Ukrainerinnen und Ukrainer in diesen schweren Kriegsjahren unterstützt. Aktuell sammeln sie Spenden für Generatoren in Kyjiw, wo viele Menschen ohne Strom, Heizung und fließendes Wasser auskommen müssen.

„Wir sammeln Geld für Generatoren für die Leute, die ohne Wasser, ohne Strom, ohne warmes Essen leben müssen“, erklärt Tetiana. „Ältere Menschen und Soldaten, die vom Krieg zurückgekehrt sind, sind besonders betroffen. Sie können oft nicht aus ihren Wohnungen herauskommen.“

Die Situation in der Ukraine bleibt prekär

Vier Jahre nach Kriegsbeginn ist die Lage in vielen Teilen der Ukraine weiterhin katastrophal. Besonders im Winter werden Stromausfälle und eisige Kälte zur täglichen Herausforderung. Vlada beschreibt die aktuellen Zustände: „In Kyjiw und der Region herrscht extreme Kälte. Es gibt keine Heizung, keine Elektrizität und kein Wasser – das sind unmenschliche Bedingungen.“

Die Frauen betonen, wie wichtig die Unterstützung aus Deutschland und der Europäischen Union für ihre Landsleute ist. Gleichzeitig machen sie deutlich, dass sich die Menschen nicht einfach an den Krieg „gewöhnt“ haben. „Jeden Tag ist schrecklich, jeden Tag belastet es die Psyche der Menschen mehr und mehr“, so Vlada.

Der Wunsch nach Frieden und Gerechtigkeit

Für die Zukunft wünschen sich die Frauen vor allem eines: Frieden in der Ukraine und die Möglichkeit, wieder mit ihren Familien vereint zu sein. Der Gedanke, dass besetzte Gebiete im Rahmen eines möglichen Friedensabkommens an Russland fallen könnten, ist für Vlada unerträglich.

„Das ist eine außergewöhnliche Belastung für die Seele und natürlich ungerecht“, sagt sie. „Im 21. Jahrhundert, wo Demokratie herrschen sollte, ist das ganz schrecklich.“ Trotz aller Schwierigkeiten arbeiten die Frauen weiter für die Zukunft ihres Landes – in der Hoffnung, dass der Krieg eines Tages enden wird und sie in eine friedliche Ukraine zurückkehren können.

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