Ex-Kanzler Gusenbauer im Fokus der Ermittlungen: Untreue-Vorwürfe im Signa-Komplex
Im Zuge der andauernden Ermittlungen rund um den Zusammenbruch des Signa-Imperiums hat die österreichische Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) neue Schritte unternommen. Gegen den ehemaligen Bundeskanzler Alfred Gusenbauer wird nun der Verdacht der Untreue geprüft. Dies gab die Behörde in einer offiziellen Mitteilung bekannt.
Hausdurchsuchungen und konkrete Vorwürfe
Die Ermittlungsbehörden führten Hausdurchsuchungen in Wien und dem umliegenden Gebiet durch. Die Untersuchungen richten sich nicht nur gegen Gusenbauer, sondern auch gegen ein früheres Vorstandsmitglied der Signa-Gruppe. Konkret wirft die Staatsanwaltschaft dem Ex-Kanzler vor, in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender zweier Signa-Gesellschaften im Oktober und November 2022 seine Befugnisse missbraucht zu haben.
Laut den Ermittlern soll Gusenbauer dafür gesorgt haben, dass die beiden Gesellschaften einen finanziellen Schaden in Höhe von insgesamt zehn Millionen Euro erlitten haben. Der Vorwurf lautet, dass er die Zahlung von ungerechtfertigten Abschlagszahlungen an das besagte Vorstandsmitglied ermöglichte.
Gusenbauers Karriereweg und Verbindung zu Signa
Alfred Gusenbauer, 66 Jahre alt, war von 2000 bis 2008 Bundesvorsitzender der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) und bekleidete das Amt des Bundeskanzlers in den Jahren 2007 und 2008. Bereits im Jahr seines Ausscheidens aus der Regierung wechselte er in den Beirat der Signa-Holding, die vom Investor René Benko gegründet wurde. In dieser beratenden Position verdiente der ehemalige Spitzenpolitiker Millionen.
Die Signa-Gruppe, ursprünglich auf Immobilienprojekte spezialisiert und äußerst erfolgreich, expandierte später durch den Erwerb der Warenhauskonzerne Karstadt und Kaufhof auch in den Handelssektor. Aufgrund finanzieller Schwierigkeiten brach das Imperium, das aus über 1000 Gesellschaften bestand, schließlich zusammen.
Rechtliche Auseinandersetzungen und weiterer Kontext
In einem parallelen Zivilverfahren vor dem Handelsgericht Wien hat Gusenbauer ähnliche Vorwürfe bereits zurückgewiesen. Der Fall fügt sich ein in die umfassenden juristischen Probleme rund um Signa. René Benko, der Gründer der Holding, sitzt seit Januar 2025 in Untersuchungshaft. Er wurde in zwei Verfahren wegen Schädigung von Gläubigern verurteilt, wobei diese Urteile noch nicht rechtskräftig sind. Weitere Ermittlungen gegen Benko laufen derzeit.
Die Entwicklung unterstreicht die anhaltenden Turbulenzen im Nachgang der Signa-Pleite, die nicht nur wirtschaftliche, sondern auch politische Kreise erfasst hat. Die Ermittlungen der WKStA bleiben aktiv, und weitere Enthüllungen werden erwartet, während die Justiz die komplexen Verflechtungen des Falls aufarbeitet.



