Landratswahl in der Uckermark: Überraschende Übereinstimmungen trotz politischer Gegensätze
Knapp zwei Stunden nahmen sich Karina Dörk (CDU) und Felix Teichner (AfD) im Medienturm des Uckermark Kurier Zeit, um die Fragen besorgter Bürger zu beantworten. Im Vorfeld der entscheidenden Landratswahl am 19. April stellten sich beide Kandidaten den drängenden Problemen des Landkreises.
Haushaltskrise: 42,6 Millionen Euro Defizit belastet Landkreis
Die finanzielle Situation der Uckermark bereitet vielen Einwohnern erhebliche Sorgen. Die Verwaltung prognostiziert, dass Ausgaben in Höhe von 42,6 Millionen Euro nicht durch Einnahmen gedeckt werden können. Diese Summe muss aus den schwindenden Rücklagen aufgebracht werden, was beide Kandidaten zu klaren Aussagen veranlasste.
Felix Teichner sieht dringenden Handlungsbedarf: „In zwei Jahren sind die Rücklagen des Landkreises aufgebraucht“, prognostizierte der AfD-Kandidat. Er macht dafür vor allem unzureichend finanzierte Aufgabenübertragungen von Bund und Land verantwortlich. Gleichzeitig kritisiert er den Personalzuwachs in der Verwaltung um 25 Prozent seit 2018, was zusätzliche Kosten von 27 Millionen Euro verursacht habe. Seine Lösung: Stellen, die durch Pensionierungen frei werden, nicht neu besetzen und durch Digitalisierung sowie Künstliche Intelligenz kompensieren.
Karina Dörk verweist auf strukturelle Probleme: „60 Millionen Euro werden allein im Jugendamt für pflichtige Aufgaben nicht bezahlt. Da hätten wir das Defizit schon ausgeglichen“, betonte die amtierende Landrätin. Sie lehnt eine Erhöhung der Kreisumlage ab, um die bereits angespannten Kommunen nicht zusätzlich zu belasten, und setzt auf Unterstützung durch Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD).
ÖPNV: Teure Notwendigkeit trotz Bevölkerungsrückgang
In der Frage des öffentlichen Personennahverkehrs zeigen sich beide Kontrahenten überraschend einig. Trotz sinkender Bevölkerungszahlen und erheblicher Kosten betonen sowohl Dörk als auch Teichner die Notwendigkeit, den Nahverkehr aufrechtzuerhalten.
Die Landrätin machte die Dimensionen deutlich: „Der Landkreis steckt knapp 10 Millionen Euro in den ÖPNV, der insgesamt 16 Millionen Euro kostet. Allein durch die hohen Dieselpreise benötigen wir monatlich 50.000 Euro mehr, also 600.000 Euro jährlich“. Diese immense Summe müsse aufgebracht werden, ohne dass sich für die Bürger etwas verbessere. Dörk hofft auf höhere Förderungen, insbesondere für die Plus-Bus-Linien.
Felix Teichner sieht Verbesserungspotenzial: „Busse können vielleicht früher und auch später fahren, dass für Schichtarbeiter arbeitnehmerfreundlichere Zeiten angestrebt werden“. Er plädiert für einen Ausbau von Flixbus-Angeboten nach Prenzlau und betont die Bedeutung einer verlässlichen Verkehrsanbindung für die gesamte Region.
Tierschutz: Katzenschutzverordnung liegt in der Warteschleife
Aktive in Tierschutzvereinen fühlen sich mit dem Problem herrenloser Katzen alleingelassen. Michaela Bentzin, Vorsitzende des Templiner Tierschutzvereins, forderte von den Kandidaten endlich eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Freigängerkatzen.
Karina Dörk informierte, dass ein Entwurf für eine Katzenschutzverordnung bereits vorliege, den Amtstierarzt Henry Strathmann erarbeitet habe. „Wir haben die Verordnung bisher nicht umgesetzt, weil die Kommunen in der Pflicht wären, das zu bezahlen“, erklärte sie. Die Landrätin sucht nach einem konsensualen Lösungsweg mit den Amtsdirektoren und Bürgermeistern.
Felix Teichner sprach sich klar für die Verordnung aus: „Vielleicht muss man schauen, welche Kommunen nach einem oder zwei Jahren besonders finanziell belastet sind. Da kann man dann eventuell nachsteuern. Aber dringend ist erst mal, dass wir diese Verordnung brauchen“. Aus eigener kommunaler Erfahrung kennt er die Problematik und die unterschiedlichen lokalen Gegebenheiten.
Jagdgebühren: Kontroverse um acht Euro für Trichinenproben
Die Jägerschaft der Uckermark kritisiert die Wiedereinführung der Gebühr für Trichinenproben in Höhe von acht Euro zum 1. April. Jürgen Schirmer, Vorsitzender des Jagdverbandes Prenzlau, warnte, dass sich die Bejagung von Frischlingen nicht mehr lohne, wenn Gebühren und Fahrtkosten den Wert der Tiere überstiegen. Unregulierte Bestände könnten jedoch bei einem erneuten Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP) teuer werden.
Karina Dörk verteidigte die Gebührenerhebung angesichts der Haushaltslage, die Einnahmen von 60.000 bis 70.000 Euro generiere. Gleichzeitig verwies sie auf Bemühungen, Restriktionen zurückzufahren, damit Jäger ihr Wild wieder vernünftig vermarkten können: „Ich glaube, das ist ein größerer Mehrwert als diese acht Euro, die die Jäger zu bezahlen haben“.
Felix Teichner betonte den Solidargedanken: „Nicht zuletzt dank der Unterstützung durch die Jäger sei es gelungen, die ASP im Land Brandenburg einzudämmen“. Wenn die Gebühr dazu führe, dass Frischlinge nicht mehr bejagt würden, müsse man unbedingt noch einmal mit den Jägern reden.
Infrastruktur: Straßennetz und Krankenhausstandort im Fokus
Neben dem ÖPNV beschäftigt die Bürger auch der Zustand des Straßennetzes. Karina Dörk informierte über regelmäßige Abstimmungen mit dem Landesbetrieb für Straßenwesen zur Priorisierung von Straßen- und Radwegebauprojekten. Felix Teichner betonte die Notwendigkeit, das Straßennetz auf gutem Stand zu halten, was er als wichtigen Schritt für die Entwicklung der Region ansieht.
Ebenso brisant ist die Sicherung des Krankenhaus-Standortes in Prenzlau, ein Thema, das im direkten Duell der Kandidaten ebenfalls zur Sprache kam. Beide zeigten sich der Bedeutung des Gesundheitsstandortes für die Uckermark bewusst, ohne jedoch konkrete Lösungsansätze im Detail zu erläutern.
Das vollständige Wahlforum mit allen Fragen und Antworten steht den Bürgern der Uckermark als Video zur Verfügung und bietet umfassende Einblicke in die Positionen der beiden Landratskandidaten vor der entscheidenden Wahl am 19. April.



