Schulneubau in Löcknitz: Millionenlücke droht - Gemeinde fordert Bund und Land zum Handeln auf
Schulneubau Löcknitz: Millionenlücke - Gemeinde fordert Hilfe

Schulneubau in Löcknitz: Millionenlücke droht finanziellen Kollaps

In der Gemeinde Löcknitz herrscht akute Alarmstimmung. Der hochmoderne Neubau der Regionalen Schule, der eigentlich als Leuchtturmprojekt für die Region geplant war, steht plötzlich vor einem finanziellen Abgrund. Statt der ursprünglich veranschlagten 14,5 Millionen Euro belaufen sich die Gesamtkosten nun auf über 16,3 Millionen Euro. Damit klafft eine gewaltige Finanzierungslücke von 4,6 Millionen Euro, die die kleine Gemeinde mit ihren rund 3.300 Einwohnern alleine nicht stemmen kann.

Verzweifelte Gemeinde sucht Unterstützung

Die Situation eskalierte jüngst bei einer Pressekonferenz, zu der die Gemeindevertreter geladen hatten. In der Hoffnung auf Unterstützung von höheren politischen Ebenen warteten sie vergeblich: Weder Vertreter des Kreises, des Landes Mecklenburg-Vorpommern noch des Bundes fanden sich ein. Diese Abwesenheit stieß bei den Anwesenden auf großes Unverständnis und Empörung. Amtsvorsteher Stefan Müller (CDU) bezeichnete das Fernbleiben der Politiker als "beschämend" und betonte die Dringlichkeit der Angelegenheit für die Bildung von etwa 1.000 Kindern im Amtsbereich Löcknitz-Penkun.

Ursachen für die Kostenexplosion und Verzögerung

Die Gründe für die finanzielle Schieflage sind vielschichtig. Ein Hauptproblem stellt der erhebliche Bauverzug dar. Die Fertigstellung, ursprünglich für den 31. Dezember 2025 geplant, wird sich voraussichtlich bis zum Spätsommer 2026 hinziehen. Laut Bauamtsleiter Karsten Stahl sind dafür vor allem die komplexen europäischen Ausschreibungsverfahren verantwortlich. Für das Großprojekt mussten insgesamt 51 Ausschreibungen durchgeführt werden, davon 27 auf europäischer Ebene, die teilweise wiederholt werden mussten. Allein diese Prozedur sorgte für eine Verzögerung von vier Monaten. Hinzu kam eine aufwendige Prüfstatik, die den Zeitplan weiter strapazierte.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Fördermittel in der Schwebe

Die finanzielle Unsicherheit wird durch die Fördermittelregelung verschärft. Der Bund hatte ursprünglich eine Förderung von 9 Millionen Euro in Aussicht gestellt, zahlte jedoch bisher nur knapp 6,2 Millionen Euro aus. Das Land Mecklenburg-Vorpommern sagte 1,5 Millionen Euro zu. Da der Fertigstellungstermin nicht eingehalten wurde, droht nun sogar eine Rückzahlung der bereits erhaltenen Fördermittel. Bürgermeister Detlef Ebert (CDU) hofft auf eine Anpassung der Förderung: Sein Wunschszenario sieht vor, dass der Bund 50 Prozent, das Land 25 Prozent und die Gemeinde 25 Prozent der Baukosten übernimmt. Damit bliebe der Eigenanteil für Löcknitz bei etwa 4 Millionen Euro.

Auswirkungen auf die gesamte Region

Die finanzielle Belastung durch den Schulneubau hat bereits jetzt spürbare Konsequenzen. Bürgermeister Ebert warnt, dass aufgrund des Megaprojekts kaum noch andere dringende Baumaßnahmen an Straßen, Wegen oder der allgemeinen Infrastruktur umgesetzt werden können. Zusätzliche Schulden würden das Problem weiter verschärfen. Indirekt betroffen sind auch die umliegenden Kommunen: Durch einen steigenden Schullastenausgleich von 2.000 auf 3.000 Euro pro Schüler müssen diese sich an den Kosten beteiligen.

Politische Reaktionen und Schuldzuweisungen

Die politische Debatte um die Verantwortung ist in vollem Gange. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) wies bei einem Bürgerforum in Pasewalk die Kritik aus Löcknitz zurück. Sie betonte, dass das Land die Kommunen beim Schulbau nicht allein lasse, verwies aber darauf, dass die bereitgestellten Gelder in Löcknitz nicht rechtzeitig verbaut worden seien. Landrat Michael Sack (CDU) äußerte sich ähnlich: Weder das Land noch der Landkreis trügen Schuld an dem Finanzproblem, man müsse nun gemeinsam nach einer Lösung suchen. Patrick Dahlemann (SPD), Chef der Staatskanzlei in Schwerin, erinnerte daran, dass Löcknitz in der Vergangenheit bereits großzügig beim Schul- und Kitabau unterstützt worden sei.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Die Schule im Zahlenbild

Der Neubau der Regionalen Schule ist ein ambitioniertes Projekt mit einer Grundfläche von rund 4.700 Quadratmetern auf zwei Etagen. Pro Etage sind 24 Räume als Klassenzimmer, Gruppen- und Vorbereitungsräume geplant. Mit Baukosten von etwa 2.716 Euro pro Quadratmeter liegt das Projekt laut Bauamtsleiter Stahl im unteren Feld des Baukostenindex für Schulbauten, der zwischen 2.500 und 4.000 Euro pro Quadratmeter angesiedelt ist. "Was wir hier bauen, ist also kein Luxus", betonte Stahl. Die Schule wird derzeit von 325 Kindern und Jugendlichen besucht, darunter 139 Schüler aus Polen, was einem Anteil von knapp 40 Prozent entspricht. In der benachbarten Grundschule liegt der polnische Migrationsanteil bereits bei 52 Prozent.

Die Gemeinde Löcknitz steht vor einer enormen Herausforderung. Während der Schulcampus mit Regionalschule, Grundschule, Förderschule und geplantem Gymnasium langsam Gestalt annimmt, bleibt die Frage der Finanzierung ungelöst. Die Hoffnung der Verantwortlichen ruht nun auf einem schnellen und entschlossenen Handeln von Bund und Land, um das Bildungsprojekt vor dem finanziellen Kollaps zu bewahren.