Rostock: Öffentliche Toiletten in Top-Lagen verschwinden ersatzlos
In der Rostocker Innenstadt wird es demnächst deutlich schwieriger, das kleine Geschäft zu erledigen. Denn mehrere öffentliche Toiletten in zentralen Lagen werden abgebaut und entfallen vorerst ersatzlos. Grund dafür ist das Auslaufen eines Stadtwerbevertrags aus den 1990er Jahren zum 1. April 2026.
Das Ende eines historischen Vertrags
Der Vertrag, der zwischen der Stadt Rostock und einem Werbeunternehmen geschlossen wurde, regelte nicht nur Werbeflächen wie Litfaßsäulen und City-Light-Poster, sondern auch den Betrieb von WC-Anlagen. Mit dem Vertragsende wird diese Kopplung nun aufgelöst, da ein sogenanntes Kopplungsverbot greift. Die Verwaltung betont, dass die Betreibung von Toiletten durch Werbeunternehmen im Rahmen der Neuausschreibung nicht mehr möglich ist.
Insgesamt sind fünf WC-Standorte betroffen, darunter bekannte Orte wie der Universitätsplatz, das Steintor und die Marienkirche am Neuen Markt. Diese Toiletten wurden bisher von der Firma Wall GmbH betrieben, die seit 2009 zum weltweit führenden Stadtmöblierungsunternehmen JCDecaux gehört.
Die aktuelle Situation und zukünftige Pläne
Die Stadtverwaltung erklärt, dass die betroffenen Toiletten zunächst ersatzlos entfallen werden. Allerdings gibt es bereits Pläne für Abhilfe: „In enger Abstimmung zu den Belangen zu beteiligender Ämter werden dort passende Ersatzneubauten geplant“, so die offizielle Stellungnahme. Zwei bis drei Standorte sollen ersetzt werden, und ein zusätzlicher Toilettenstandort an der Nordkante des Neuen Marktes wird in Erwägung gezogen.
Derzeit gibt es im Rostocker Stadtgebiet 27 Toilettenstandorte, die vom Amt für Umwelt- und Klimaschutz betreut werden. Einige davon sind jedoch nur saisonal in Betrieb oder werden durch Miettoiletten abgedeckt. Zusätzlich stellen die Tourismuszentrale Rostock & Warnemünde sowie der Kommunale Eigenbetrieb jeweils eine WC-Anlage zur Verfügung.
Praktische Details und Nutzung
Die kommunalen Toiletten und Einrichtungen der Tourismuszentrale können kostenfrei genutzt werden. Die Stadt verweist auch auf viele private Akteure wie Einkaufszentren, die mit WCs ausgestattet sind. Für die noch funktionierenden Toiletten, wie beispielsweise am Universitätsplatz, gilt eine Nutzungsgebühr von 60 Cent für maximal 20 Minuten. Rückgeld wird nicht gegeben, dafür erfolgt nach jeder Benutzung eine automatische Reinigung, Desinfektion und Trocknung der Toilettenschüssel sowie eine Bodenreinigung.
Die Entscheidung, die Toiletten abzubauen, fällt in eine Zeit, in der viele Kommunen mit knappen Kassen kämpfen. Der neue Stadtwerbevertrag dürfte daher schnell wieder abgeschlossen werden, um Einnahmen zu sichern. Für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet dies jedoch zunächst eine spürbare Verschlechterung der Infrastruktur in der Innenstadt.



